Header

Die Schwebeflugtechnik, mit welcher die erste Stufe des New Glenn auf dem Bergungsschiff Jacklyn aufsetzt, ist nun zwar schon bekannt, aber dennoch immer noch äußerst spektakulär. Beim dritten Einsatz einer Rakete dieses Typs wurde sie wieder eindrucksvoll demonstriert. Das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschend, dass vom kommerziellen Standpunkt her die Mission ein glatter Fehlschlag ist. Das Raumfahrzeug an Bord, der 6100 Kilogramm schwere Kommunikationssatellit Bluebird 7 von AST Space Mobile, konnte sich zwar nach der Trennung von der zweiten Stufe der Rakete noch bei der Bodenstation melden, die erreichte Flugbahn war aber so niedrig, dass er schon nach wenigen Orbits wieder in die Erdatmosphäre eintrat.

Die Mission begann um 13:25 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startanlage 36 der Cape Canaveral Space Force Station. Die Stufentrennung erfolgte drei Minuten und neun Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe. Die Landung des Boosters auf dem Bergungsschiff fand nach neun Minuten und 23 Sekunden statt. Die erste Brennphase der beiden Zweitstufentriebwerke sollte bis 13 Minuten und eine Sekunde dauern. Nach einer Freiflugphase von etwa 56 Minuten sollte dann beim Erreichen des Apogäums die zweite Stufe erneut gezündet werden. Dieses Mal für eine Minute und acht Sekunden. Doch dazu kam es nicht. Die erste Zündung blieb die einzige und der Satellit endete wahrscheinlich auf einer Bahn mit einem Perigäum von 154 Kilometern, einem Apogäum von 494 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 36,1 Grad (statt der erforderlichen 50 Grad) und trat innerhalb eines Tages wieder in die Erdatmosphäre ein.

Zusätzlich bedauerlich war der Misserfolg auch aufgrund der Tatsache, dass dieser Flug als Zertifizierungsflug für US-nationale militärische Premium-Nutzlasten ausgewiesen war. Um dieses Zertifikat zu erlangen, muss eine neue Rakete zwei aufeinanderfolgende erfolgreiche Flüge nachweisen. Dies ist nun nicht der Fall.

Die Mission trug den Slogan: Never Tell Me The Odds. Besser hätte er wahrlich nicht passen können. In den ersten Stunden nach der Trennung von Satellit und Rakete gab es eine geringe Hoffnung, dass Bluebird 7 es mit Hilfe seiner kleinen Ionentriebwerke doch noch in eine brauchbare Umlaufbahn schaffen konnte. Doch dem war nicht so. Der Satellit war mit einer Summe von 30 Millionen Dollar versichert.

Bei dieser Mission wurde der Booster der Mission 2 erneut eingesetzt. Alle sieben Triebwerke wurden aber ausgetauscht. Soweit bis jetzt bekannt ist, war die Performance der ersten Stufe fehlerfrei.

Nach diesem Einsatz sieht die Startübersicht des Jahres 2026 wie folgt aus:

  1. USA: 51 (davon SpaceX: 45). 1 Fehlschlag (New Glenn)
  2. China: 23. 3 Fehlschläge (Langer Marsch 3B/E, Ceres 2, Tianlong-3)
  3. Neuseeland: 5
  4. Russland: 6
  5. Indien: 1. 1 Fehlschlag (PSLV XL)
  6. Europa: 1
  7. Japan: 1. 1 Fehlschlag (KAIROS)
  8. Deutschland: 0.
  9. Australien: 0.
  10. Israel: 0
  11. Südkorea: 0

Die Statistik der eingesetzten Startplätze stellt sich wie folgt dar:

  1. Cape Canaveral/Kennedy Space Center: 28 (27/1)
  2. Vandenberg Space Force Basis: 23
  3. Jiuquan: 9
  4. Mahia: 5
  5. Wenchang: 4 (institutionell 1/kommerziell 3)
  6. Plessezk: 4
  7. Taiyuan: 3
  8. Dongfanghang Tiangang: 3
  9. Xichang: 2
  10. Baikonur: 2
  11. DeFu-15001: 1
  12. Guyana Space Centre: 1
  13. Satish Dhawan: 1
  14. Tanegashima: 0
  15. Andøya: 0
  16. Wostotschnij: 0
  17. Bowen Orbital Spaceport: 0
  18. Palmachin: 0

Bild: Startlogo. Quelle: Blue Origin