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Merkur, Götterbote, Gott der Händler und Diebe Salve Spacefreak, Ave Astronom, dies ist der zwölfte Brief aus dem alten Rom. Man nennt mich Marcus Tullius Astrum, Sterndeuter am Hof des Augustus, und ich begleite euch durchs astronomische Jahr.

Der Wandelstern Merkur ist ein komischer Zeitgenosse. In diesen Tagen kann man ihn in der Abenddämmerung über dem Meer sehen, bevor es richtig dunkel wird. Ich habe wenig Zeit, bis nach Ostia zu fahren, aber ich erspähe den Punkt auch vom imperialen Rom aus. Ich habe ihn sogar Kaiser Augustus gezeigt, vorgestern.

Diesen flinken Wandelstern nach dem Götterboten Hermes zu benennen, wie es unsere griechischen Freunde taten, nach dem Schutzgott der Händler und der Diebe (nota bene, diese Verbindung), ist sehr trefflich. Kaum hat man sich umgedreht und ihn einen Moment lang außer Acht gelassen, ist er verschwunden. Und wer ihn nicht kennt, findet ihn gleich gar nicht, denn zur Zeit der Dämmerung verschwendet kaum jemand einen Blick zum Himmel.

In der Morgendämmerung nannten ihn die Griechen (und wir tun es vereinzelt auch noch) allerdings nach Apoll.

Ich nehme an, ihr kennt nicht mehr die Sitte der Planetenmetalle. Schon lange vor Kaiser Augustus hat man den sieben Gestirnen – Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn – Metalle zugeordnet. Merkur ist der Planet des Quecksilbers, auch das ein treffliches Paar. Wenn Quecksilber auf den Boden fällt, läuft es in kleinen Perlen davon. Wie die kleine Planetenperle in der Abenddämmerung.

In vielen eurer modernen Sprachen steckt der Merkur im Wort für Quecksilber, mercury, mercurio. Und auch das Symbol teilen Metall und Planet. Mit dem dies mercurii wurde der Götterbote auch als Wochentag verewigt: mercredi, mercoledi (der Mittwoch).

Wie mag es auf der Welt Merkurs aussehen? Es muss sehr heiß sein, viel heißer als in der römischen campagna im brütenden Sommer, wenn Tiber und Aniene nur mehr müde Rinnsale sind. Nein, nein, kommt mir nicht mit euren Bildern der Moderne. Mariner 10 und die Kraterwüste. Ich habe euch schon öfter gesagt, lasst mir die Idylle.

Überhaupt ist es manchmal befriedigender, Dinge aus der Distanz zu betrachten. Man macht sich dann mehr Gedanken. Erstaunlich, wie viele Menschen den Merkur noch nie gesehen haben.

Da ist er! Schnell! Lasst ihn einmal nicht entwischen!

Marcus Tullius