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WrackteilAm Morgen des 31. Oktober (US Pazifik-Zeit) war die Crew von SpaceShip2 dabei, den ersten raketengetriebenen Testflug seit neun Monaten durchzuführen. Bei diesem Einsatz sollte erstmals ein neuer Treibsatz für das Hybrid-Triebwerk des suborbitalen Raumfahrzeugs im Flug erprobt werden. Dieser Antrieb hatte in den Monaten zuvor bei statischen Tests am Boden problemlos funktioniert. Beim Flugtest ging aber offensichtlich irgendetwas schrecklich schief, und nach einem zunächst nominal aussehenden Flug brach das Vehikel in einer Höhe von etwa 17.500 Metern auseinander. Einer der beiden Piloten kam ums Leben, der andere konnte mit dem Fallschirm abspringen und ist schwer verletzt.

Offensichtlich war die Zündung des Triebwerks normal erfolgt und es war auch zumindest für einige Sekunden problemlos gelaufen. Dann trat ein "desintegrativer" Prozess ein, der sehr heftig ablief, aber wahrscheinlich keine Explosion des Treibsatzes gewesen ist. Die Zusammensetzung dieses "Treibsatzes" - der Festkomponente im Hybridtriebwerk des SpaceShip2 - ist in diesem Jahr geändert worden, nachdem Scaled Composites und Virgin Galactic mit dem Abbrandverhalten und den Leistungswerten nicht zufrieden gewesen waren.

Der Treibsatz bestand vorher aus  Hydroxyl-Terminiertem Polybutadien (HTPB). Dieses Material wurde in diesem Jahr durch "Thermoplastic Polyamid" ersetzt. HInter dieser recht allgemeinen Bezeichnung verbirgt sich im wesentlichen Nylon. Der Oxidator, Lachgas (Distickoxid oder N20), blieb der selbe, muss aber mit der geänderten Festkomponente unter höherem Druck in die Brennkammer eingebracht werden. Aus diesem Grund wurden in SS2 in den letzten Monaten ein modifizierter Oxidatortank in den Rumpf und zusätzliche Druckspeicher in den Flügeln eingebaut.

Bei dem vehementen Vorfall in großer Höhe verlor das Vehikel zwar die Flügel - oder Teile davon – muss aber strukturell dennoch zunächst weitgehend unversehrt geblieben sein. Der Grund zu dieser Annahme liegt darin, dass einer der Piloten noch aussteigen konnte. Nachdem das Vehikel zum Zeitpunkt des Unfalls in einer Höhe von 15 – 20 Kilometern mit Überschallgeschwindigkeit unterwegs war, ist ein Ausstieg nicht möglich. Die Crew im SpaceShip2 hat keine Schleudersitze zur Verfügung und trägt keinen Raumanzug. Das Verlassen des Vehikels ist nur möglich, wenn man sich abschnallt, zur Luke geht (oder kriecht), diese manuell öffnet und sich dann hinausfallen lässt. Der Ausstieg des überlebenden Piloten muss somit in einer Höhe von deutlich unter 10 Kilometern und bei relativ niedriger Geschwindigkeit erfolgt sein, andernfalls ist er nicht überlebbar.

Ein Anfangsverdacht (aber das ist in dieser frühen Phase hoch spekulativ) richtet sich daher auf einen möglichen Bruch des Oxidatortanks, der Drucktanks oder des Leitungssystems zu diesen.

Die Namen der beiden Piloten sind offiziell noch nicht bekannt gegeben worden. Es ist jedoch durchgesickert – auch diese Information ist noch informell – dass es sich bei den beiden um Pete Siebold und Mike Alsbury handelt. Der überlebende Pilot ist Pete Siebold. Mike Alsbury kam ums Leben. Siebold und Alsbury hatten zuvor schon eine erheblich Anzahl von Flügen mit SpaceShip2 absolviert, unter anderem auch den Erstflug vor vier Jahren.