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Credit: SAAO Heute arbeitet die NASA an Plänen, den Mond auf Wochen und Monate hinaus zu besiedeln um neue Methoden und Techniken für einen Marsflug zu erproben. Allerdings dürfte ihnen eine seltsame Rasse namens Vespertilio-Homo um 130 Jahre zuvorgekommen sein - zumindest wenn man den Berichten einer kleinen amerikanischen Zeitung über angebliche Entdeckungen von Sir John Herschel Glauben schenkt...

Sogar große Namen verschlug es an das schönste Ende der Welt, wie die Bewohner des Kaps der Guten Hoffnung in Südafrika ihr Land gerne nennen. Einige um Sternkataloge und Geodäsie zu betreiben. Andere wiederum wurden durch die gute Lage für die Beobachtung der lange Zeit unverstandenen Magellanschen Wolken angelockt. Sie bildeten bis Ende des letzten Jahrhunderts einen großen Forschungsschwerpunkt der südafrikanischen Astronomen.

Credit: SAAOEiner der ganz Großen am Kap war John Herschel. Er reiste an um den Südsternhimmel zu katalogisieren. Und er war es auch, der als Erster erkannte, dass es sich bei den Magellanschen Wolken, oder "Wolken des Kaps", wie sie früher hießen, um eine Ansammlung von Einzelsternen handelt.

Aber sein Ruf als begnadeter Teleskopbauer eilte ihm voraus, sogar mehr als das. Denn eine kleine, stagnierende Zeitung in Amerika begann im Jahr 1835,  Berichte von Dr. Andrew Grant über das Leben und Arbeiten des wohl berühmtesten Astronomen seiner Tage abzudrucken. "Great Astronomical Discoveries lately made by Sir John Herschl" hießen die Berichte des, im Übrigen fiktiven, Dr. Grant, der sich als Reisegefährte von Herschel ausgab. In seinen Berichten schilderte er sehr lebhaft die Arbeiten und vor allem die Entdeckungen, die Herschel mit seinen immer besser werdenden Teleskopen gemacht hätte. Er beschrieb auch sehr lebhaft und detailliert das Leben am Kap, sodass der Leser gar nicht anders konnte als den Berichten Glauben zu schenken - auch wenn in den Berichten die Rede davon war, dass Herschel Hinweise auf Leben am Mond entdeckt hätte. Von Mal zu Mal steigerte sich der Erzähler, und als bald war da über Details der Städte oder sogar das fledermausähnliche Aussehen der Mondbewohner, die er Vespertiliohomo genannt hätte, zu lesen.

Die Sun erzielte nach eigenen Angaben Rekordauflagen, und andere Zeitungen druckten die Serie der Artikel ungeprüft nach. Ebenso übernahm auch die Bevölkerung den Glauben an jene Mondwesen. Edgar Allan Poe meinte dazu, dass "nicht einer von zehn Personen" es bezweifelt hätte. In seinem Buch "The extraterrestrial Life Debate, 1750–1900" beschreibt Crowe (1999) einen Vorfall aus 1835, der illustriert, wie real diese Beschreibungen der Mondbewohner auf die Amerikanische wie auch die Europäische Bevölkerung gewirkt haben muss. Ein Geistlicher aus Massachusetts teilte seinen Gemeindemitgliedern mit, dass die Kollekte für eine Ladung Bibeln für die Mondbewohner bestimmt sei.

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Ein überzeugend geschriebener Text mit einprägsamen Abbildungen versehen fesselte die Leser. Rechts oben: mit diesem Teleskop soll John Herschel von der Kapregion aus Details des Lebens auf dem Mond gesehn haben… Bilder: SAAO

Sir John Herschel erfuhr durch einen Besuch aus Amerika davon, dass sein Name zur scheinbaren Legitimierung dieser Textserie herhalten musste - zuerst zur seiner Erheiterung. In einem Brief an seine Tante Caroline Herschel schrieb seine Frau, dass "das einzige Traurige daran ist, dass es nicht wahr ist". Allerdings dürfte er sehr schnell von diversen Anfragen aus Amerika als auch Europa genervt worden sein. Wie ein erst 2001 entdeckter, unveröffentlichter Brief (Ruskin 2002) von 1836 an den Editor der Zeitschrift Athenaeum zeigte, dürfte er seinen Humor in dieser Sache nicht gänzlich verloren haben. Diese Zeitschrift war auch eine der wenigen, die sich bereits vorher kritisch über die angeblichen Entdeckungen geäußert hatte einen durchaus humorvollen Herschel.

Moon hoax oder wie man mit dem Glauben anderer Leute Geld macht

Bis heute weiß man nicht mit Bestimmtheit, wer sich den Spaß erlaubte, der schließlich als "The Great Moon Hoax" in die Literaturgeschichte einging. Für gewöhnlich wird dieser jedoch Richard A. Locke, einem Reporter der Sun zugeschrieben welcher die Serie als fehlgeschlagene Satire verstanden wissen wollte. Sicher ist nur, dass es der Zeitung möglich war, ihre Auflage in rettende astronomische Höhen schnellen zu lassen, sodass es die Sun heute immer noch gibt.

Auf den Punkt bringt es die Aussage von Tom Hanks, dem Hauptdarsteller im Kinofilms Apollo 13 sowie Produzent des  Dokumentations-Zwölfteilers From Earth to the Moon, als er in Bezug auf den modernen Moon Hoax, der Verschwörungstheorie zur Mondlandung nach seiner Meinung gefragt wurde: "We live in a society where there is no law in making money in the promulgation of ignorance or, in some cases, stupidity … – Wir leben eben in einer Gesellschaft, in der kein Gesetz verbietet, mit der Verbreitung von Unwissen oder in manchen Fällen Dummheit Geld zu verdienen …"

Mr. Hanks, wir stimmen Ihnen zu...

Astronomicus   

Links und Literatur

Ruskin, S. W., 2002
A newly-discovered letter of J. F. W. Herschel concerning the "Great Moon Hoax"

Crowe, M. 1915 The extraterrestrial life deabete, Seite 213

www.museumofhoaxes.com
mit entsprechende Unterseiten, auf denen die einzelnen Artikel wiedergegeben werden:
1st article (August 25, 1835)
2nd article (August 26, 1835)
3rd article (August 27, 1835)
4th article (August 28, 1835)
5th article (August 29, 1835)
6th article (August 31, 1835)