Nur 61 Sekunden, nachdem auf der japanischen Insel Tanegashima eine H2A-Trägerrakete mit zwei Satelliten an Bord zu einem Orbitalflug aufgebrochen war, begann auf dem militärischen Startgelände Vandenberg in Kalifornien die letzte Orbitalmission für SpaceX im Jahre 2017. An Bord der Falcon 9 befanden sich die Serieneinheiten 31-40 der neuen Iridium NEXT-Konstellation. Die Einheiten 1-30 hatte SpaceX bei drei vorausgegangenen Starts in diesem Jahr in den Orbit gebracht. Erstmals wurde von Vandenberg aus eine bereits einmal verwendete Falcon 9-Erststufe erneut geflogen. Insgesamt war es der 46. Einsatz einer Falcon 9-Rakete und die 18. Orbitalmission von SpaceX. Es war auch der 29. Orbitalflug für die USA. Die größte Zahl innerhalb eines solchen Zeitraums seit dem Jahr 1999.

Die Mission begann um 2:27 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startanlage SLC 4E des Westküsten-Startgeländes. Zum Einsatz kam dabei dieselbe Falcon 9-Erststufe, mit der bereits im Juni die Satelliten 11-20 der Iridium NEXT-Konstellation in den Orbit transportiert worden waren. Diese Stufe, Core 1036, war damals auf dem Westküsten-Bergungsschiff von SpaceX, der „Just Read the Instructions“ gelandet, und nach Los Angeles zur Überholung zurückgebracht worden. Der aktuelle Start war der fünfte, bei dem eine bereits einmal zuvor geflogene Falcon 9-Erststufe erneut verwendet wurde.

Der Start bot dem Großraum Los Angeles, den besonderen Beleuchtungsverhältnissen und guten meteorologischen Voraussetzungen beim Start geschuldet, ein optisches Spektakel der besonderen Art. Millionen von Menschen konnten beim Aufstieg der Rakete die so genannte „Kerolox-Qualle“ sehen, Abgas- und Eispartikel aus den Triebwerken der Rakete, die von der tiefstehenden Sonne beleuchtet wurden und für etwa 20 Minuten sichtbar blieben.

Um eine weltweite Abdeckung mit seinen Mobilfunkdiensten zu ermöglichen, stationiert Iridium insgesamt 66 operationelle Satelliten auf sechs verschiedenen Bahnebenen. Weitere Einheiten werden als Ersatzeinheiten in den Orbit gebracht. SpaceX hat einen Vertrag mit Iridium über den Start von insgesamt 75 Satelliten, die an Bord von acht Falcon 9-Trägerraketen gestartet werden.

Die Iridium NEXT Fluggeräte wurden in einer Partnerschaft zwischen Thales Alenia Space und Orbital ATK gebaut. Die ersten zehn Satelliten wurden im Januar gestartet, weitere Einheiten im Juni und Oktober. Die Raumfahrzeuge basieren auf der ELiTeBus-1000 Plattform. Sie weisen ein Startgewicht von jeweils 860 Kilogramm auf und tragen eine Kommunikationsnutzlast, die im L-Band und im Ka-Band arbeitet.

Core 1036 ist eine Stufe der „Block 3-Serie“ der Falcon 9. SpaceX verwendet die Erststufen dieser Baureihe nur zweimal. Mehrfachverwendungen sind erst ab der „Block 4-Serie“ vorgesehen. Somit war der aktuelle Flug für die Zentralstufe auch schon der letzte Einsatz. SpaceX verzichtete daher auf eine Bergung und flog die Rakete teilweise in einer „expdendable“-Version. „Teilweise“ bedeutet in diesem Fall, dass die Stufe keine Landevorrichtungen erhielt. Allerdings verwendete SpaceX die Rakete dennoch für eine Reihe von Experimenten, so dass ein Teil der Rückkehreinrichtungen, wie etwa die Grid Fins, verblieben und auch eingesetzt wurde und auch ein Standard-Rückkehrprofil aktiv abgeflogen wurde. Außerdem wurden erneut Versuche mit der Rückführung der Fairing unternommen. Wie erfolgreich diese Tests waren, ist bislang nicht bekannt.

Der Zeitraum von 61 Sekunden zwischen den Starts der japanischen H2A und der Falcon 9 ist der kürzeste in der Geschichte der Raumfahrt zwischen zwei Orbitalmissionen. Dieser Rekord stand bisher bei 82 Sekunden, und datiert zurück auf den 18. August 1960, als eine Thor DM-21 Ablestar von Cape Canaveral aus den experimentellen Nachrichtensatelliten Courier 1A startete und eine Thor DM-18A Agena-Rakete von Vandenberg aus den Spionagesatelliten Discoverer 14. Die Mission von Courier 1A scheiterte aber schon 150 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe, als die Rakete noch im Erststufenflug explodierte.

Der kürzeste Zeitabstand zwischen zwei erfolgreichen Missionen stand bislang bei fünfeinhalb Minuten. Am 16. September 1977 startete zunächst in Baikonur eine Tsiklon 2 Rakete mit Kosmos 952 und 330 Sekunden später eine Sojus-U von Plesetzk mit Kosmos 953. Bei beiden Satelliten handelte es sich um militärische Spionagesatelliten. Der nächste Flug für SpaceX ist bereits für den 4. Januar geplant.

Bild: Missionsemblem des Iridium 4-Starts; Credit: SpaceX