Eine Trägerrakete des Typs Orbital/ATK Minotaur IV brachte am Morgen des 26. Augst den Weltraum-Überwachungssatelliten ORS-5 (für: Operationally Responsive Space), sowie drei Cubesats in den Orbit. Der Start von Cape Canaveral aus erfolgte um 8:04 Uhr mitteleuropäischer Zeit, entsprechend 02:04 Uhr US-Ostküstenzeit. Es war, man glaubt es kaum, in der nunmehr sechzigjährigen Geschichte der Raumfahrt der erste Satellitenstart eines ausschließlich mit Feststoff betriebenen bodengestarteten Trägers von Cape Canaveral aus. Die Einschränkung „bodengestartet“ deshalb, weil Orbital ATK im Bereich der Eastern Testrange, vor der Küste von Cape Canaverals, bereits vor Jahren einmal eine Pegasus-Rakete von einem Flugzeug aus in eine Erdumlaufbahn gestartet hat. Es war der erste Einsatz überhaupt einer Minotaur von Cape Canaveral aus. Frühere Missionen dieses Trägers begann an der Luftwaffenbasis Vandenberg in Kalifornien, in Wallops Island in Virginia oder Kodiak Island in Alaska.

Die Mission begann am Startkomplex 46. Das ist zwar die jüngste Anlage überhaupt auf dem Startgelände von Cape Canaveral, wurde aber dennoch die vergangenen 18 Jahre nicht genutzt. Davor wurde sie hauptsächlich für die Tests der Trident U-Boot-Rakete verwendet sowie für je einen Start einer Athena 1 und einer Athena 2.

Die Minotaur IV lieferte zunächst die drei zusammen etwa zehn Kilogramm schweren Cubesats auf dem Übergangsorbit mit einer Inklination von 28,6 Grad ab, die 113 Kilogramm schwere Hauptnutzlast OTS-5 dagegen auf einer Bahn, die bei einer Inklination von null Grad genau den Äquator entlang läuft. Der Satellit wird für eine Mission mit der Bezeichnung „Space Situational Awareness“ eingesetzt. Er beobachtet dabei von seiner äquatorialen Kreisbahn die geostationären Satelliten hoch über sich, und kann den gesamten Bestand alle 95 Minuten scannen.  

Die Mission wurde vom US Department of Defense’s Operationally Responsive Space (ORS) office und der US Air Force in Auftrag gegeben. Gebaut wurde das Raumfahrzeug vom Lincoln Laboratory der Massachusetts Institute of Technology.

 Die Minotaur-Raketenfamilie verwendet in den Unterstufen ausschließlich nicht mehr benötigte militärische Treibsätze aus den US-Interkontinentalraketen-Programmen Minuteman und Peacekeeper. Diese Treibsätze stammen von aus dem Dienst genommene Einheiten und sind in der Regel mehrere Jahrzehnte alt. Die Minotaur IV ist in ihren ersten drei Stufen praktisch eine reguläre Peacekeeper-Interkontinentalrakete und ist normalerweise zusätzlich einem einzelnen kommerziellen (zivilen) Orion-38 Feststoffmotor als Viertstufe ausgerüstet. Der wurde von Orbital ATK speziell dafür entwickelt, die militärischen Treibsätze als Raumflugträger einsetzbar zu machen. Für die OTS-5 Mission mussten aufgrund der besonderen Bahnanforderungen zwei Orion-38 nacheinander verwendet werden.

Die ersten drei Stufen wurden in rascher Folge abgebrannt. Die drei Treibsätze haben Brenndauern von 56, 57 und 73 Sekunden. Zwischen der Brennphase von Stufe 2 und 3 ist ein Freiflugintervall von 10  Sekunden Dauer. Elf Sekunden nach Brennbeginn der dritten Stufe wurde die Nutzlastverkleidung abgeworfen. Dann folgte eine Freiflugphase von zehn Minuten und 48 Sekunden Dauer, währenddessen die Kombination aus ausgebrannter dritter Stufe, vierter und fünfter Stufe mit den vier Satelliten zum Apogäum der Trajektorie aufstieg. Elf Sekunden vor der Zündung der vierten Stufe wurde das Gehäuse der dritten Stufe abgeworfen. Die Orion-38 Viertstufe lief danach für 57 Sekunden. Danach war ein Parkorbit erreicht. In dieser Phase wurden drei Cubesats abgesetzt. Sie wurden nicht offiziell identifiziert, aber es dürfte sich um zwei weitere Einheiten der Prometheus-2 Serie handeln (jeweils 1,5 Unit-Cubesats) und den 3-Unit-Cubesat PATRIOT von der der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA).

Nun folgte erneute eine Freiflugphase von zehn Minuten und 17 Sekunden. Exakt zum Zeitpunkt des Kreuzens der Äquatorlinie zündete das zweite Orion-38 Triebwerk, nachdem elf Sekunden zuvor das Gehäuse des ersten Orion-38 Treibsatzes abgeworfen worden war, und senkte die Inklination auf null Grad (nur nebenbei: das dürfte die größte Inklinationsänderung im niedrigen Erdorbit in der Geschichte der Raumfahrt gewesen sein). Danach war eine Kreisbahn in 600 Kilometern Höhe genau auf der Äquatorlinie erreicht. 36 Minuten und 48 Sekunden nach dem Verlassen der Startanlage 46 war die Mission für die Trägerrakete abgeschlossen.

Bild: Logo der OTS-5 Mission; Credit: Orbital/ATK