China absolvierte im Raumfahrtjahr 2016 am 28. Dezember mit dem Start der beiden Superview 1-Erderkundungssatelliten die letzte Raumfahrtmission des vergangenen Jahres und am 5. Januar 2017 auch gleich den ersten Start des neuen Raumfahrtjahres. Auch das bestätigt die zunehmende Dominanz Chinas in der Raumfahrt. 2016 hatte das Land gleichauf mit den USA die meisten Starts absolviert. Russland das bei der Zahl der Starts jahrzehntelang stets vorne gelegen hatte, nahm nur noch die dritte Position ein.

Bei dieser ersten Mission des neuen Jahres brachte China vom Weltraumbahnhof Xichiang aus einen experimentellen Kommunikationssatelliten auf eine geostationäre Transferbahn. Der Start des Tōngxùn Jishù Shiyàn 2 (oder kurz: TJS-2) begann um 16:18 Uhr mitteleuropäischer Zeit (23:18 Uhr Pekinger Zeit) an der Startrampe 2 des Raumfahrtzentrums. Als Träger wurde eine Langer Marsch 3B/G2 eingesetzt. Das ist die derzeit stärkste aktive Trägerrakete Chinas. Sie wird in der Leistung allerdings noch von den Typen Langer Marsch 5 und Langer Marsch 7 übertroffen, die beide im vergangenen Jahr je einen Testflug durchgeführt hatten und in diesem Jahr ihre Einsatzmissionen aufnehmen werden. Etwa 30 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe wurde der Satellit auf einer Bahn mit einem Perigäum von 220 Kilometern, einem Apogäum von 35.820 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 27,5 Grad abgesetzt.

Über den Satelliten ist nicht viel bekannt. Es wird vermutet, dass er bei SAST (Shanghai Academy of Spaceflight Technology) hergestellt wurde, was bedeuten würde, dass es der erste geostationäre Satellit dieses Unternehmens ist. TJS-1 war dagegen von der China Academy of Space Technology (CAST) entwickelt und produziert worden. TJS-2 ist genauso rätselhaft wie das erste Exemplar dieser Serie, das am 12. September 2015 gestartet wurde. Die chinesischen Offiziellen behaupteten damals, dass es sich um einen Testsatelliten für Breitband-Kommunikation im Ka-Band auf Frequenzen zwischen 27 und 40 Gigahertz handele. Im Westen war vermutet worden, dass es sich um einen Frühwarnsatelliten für Interkontinentalraketen handeln könnte. Später wurde veröffentlich, dass der Satellit erstmals in der chinesischen Raumfahrt einen großen Entfaltreflektor im geostationären Orbit entfaltet hatte. Dieses Mal werden Versuche mit Hochgeschwindigkeits-Breitband-Datentransfer als Aufgabe des Raumfahrzeugs angegeben.

 

Bild: Start von TJS-2; Credit: ChinaNews