Eine Atlas 5 der United Launch Alliance brachte am 11. November den Erdbeobachtungssatelliten World View 4 auf eine polare, sonnensynchrone Erdumlaufbahn. Ursprünglich war der Start bereits für den 15. September geplant, dann zwangen technische Probleme zu mehreren Verschiebungen, und schließlich wurde die Luftwaffenbasis Vandenberg – der Startort - von den schwersten Waldbränden in ihrer Geschichte heimgesucht, was in der Folge die gesamte Anlage für mehrere Wochen lahmlegte.

Bei diesem Versuch begann die Mission aber pünktlich ganz zu Beginn des Startfensters um 19:30:33 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Der Aufstieg von der Anlage 3E in den vorgesehenen Orbit dauerte 15 Minuten und 30 Sekunden, danach wurde das RL-10 Triebwerk der Centaur-Oberstufe für ein erstes Mal abgeschaltet. 19 Minuten in der Mission wurde als erste Nutzlast World View 4 auf einer Bahn in 610 x 628 Kilometern, bei einer Inklination von 98 Grad abgesetzt.  

Nachdem World View 4 bei weitem nicht die gesamte Nutzlastkapazität der Trägerrakete beanspruchte, wurde nach dem Absetzen von World View 4 noch ein Sekundärprogramm durchgeführt. Mittels eines speziellen Adapters, dem so genannten „aft bulkhead carrier“, wurden in den folgenden zwei Stunden insgesamt sieben Cubesats abgesetzt. Diese Cubesats wurden vom National Reconnaissance Office unter der  Sammelbezeichnung ENTERPRISE gesponsort. Es handelt sich durchweg um Technologie-Demonstratoren. Die Einzelbezeichnungen dieser sieben Kleinsatelliten sind Prometheus A and B, Aerocube 8 C and D, U2U, CELTEE und RAVAN. Zum Abschluss brachte sich dann die Centaur-Oberstufe mit dem verbliebenen Treibstoff noch auf eine hochelliptische Erdumlaufbahn.

Der Flug war einer der relativ wenigen kommerziellen Einsätze der Atlas 5. Insgesamt wurden nur 10 der bislang 66 Atlas 5-Starts auf diese Weise vermarktet. In der Regel fliegt diese Rakete im Regierungsauftrag. Immerhin aber hatte aber eine Atlas 5 in der selben Variante (401) im August 2014 bereits den baugleichen World View 3 in den Orbit gebracht. Der Satellit basiert auf dem LM-900 Bus von Lockheed. Er ist 5,3 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 2,5 Metern und wog beim Start 2.087 Kilogramm. Er ist mit fünf Solargeneratoren ausgerüstet, die jeweils 1,2 x 2,01 Meter groß sind. Sie sind mit Gallium-Arsenid-Solarzellen belegt und leisten zusammen etwa 2,4 Kilowatt.

World View 4 ist ein Fotosatellit, der in mehreren Spektralbereichen arbeitet. Im normal optischen Bereich hat er ein Auflösungsvermögen von 30 Zentimetern pro Bildpunkt, im Multispektralbetrieb sind es 1,25 Meter. Das sind, zusammen mit World View 3, der über die selbe Leistungsfähigkeit verfügt, die besten Auflösungswerte, die zivile Erdbeobachtungssatelliten heute haben. Das Hauptinstrument, das solche Leistungen möglich macht, ist ein Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 1,1 Metern.

Bild: World View 4 - künstlerische Darstellung. Credit: Digital Globe