China hat am 10. September mit einer Trägerrakete des Typs Langer Marsch 11 (LM-11) fünf Kleinsatelliten in eine polare, sonnensynchrone Erdumlaufbahn gebracht. Der Start erfolgte von einer mobilen Plattform auf dem Weltraumbahnhof Jiuquan. Es war dies der zweite Flug einer Rakete dieses neu entwickelten Typs. Bei der Langer Marsch 11 handelt es sich um einen vierstufigen Feststoffträger, der speziell für so genannte "Quick reaction“ Starts kleinerer Nutzlasten vorgesehen ist.

Die Mission begann um 0:42 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Neben der Hauptnutzlast, dem experimentellen Navigationssatelliten XPNAV-1 befanden sich noch vier kleine Technologiesatelliten an Bord, nämlich Xaiaoxiang-1, der Erdbeobachtungssatellit Lishui-1, ein drei Basiseinheiten großer Cubesat, Pina-2, ebenfalls ein Cubesat und CAS-2T, der zwar auch auf Basis eines Cubesat konstruiert wurde, aber fix mit der vierten Stufe des Trägers verbunden bleibt. XPNAV-1 war mit einem Gewicht von 240 Kilogramm die schwerste Einzelnutzlast. Die anderen vier Satelliten weisen ein Gewicht zwischen vier und acht Kilogramm auf. Die Orbitalparameter sind recht interessant, sie weisen nämlich insgesamt sechs Objekte aus, von denen sich vier auf einer Bahn in einer Höhe von 490 x 510 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 97,4 Grad befinden, währen die anderen beiden einen elliptischen Orbit von 500 x 1.030 Kilometern und einer Bahnneigung von 98,8 Grad aufweisen.

XPNAV-1 ist ein hochinteressanter Technologiesatellit, denn mit ihm soll versucht werden, die Strahlung von Röntgenpulsaren für die Navigation von Raumfahrzeugen im Weltraum zu verwenden. Die gegenwärtigen erdgebundenen Verfahren beeinträchtigen die Genauigkeit der Navigation vor allem durch die zeitliche Verzögerung in der Kommunikation zwischen dem Raumfahrzeug und der Erde. Das Verfahren mit dem Einsatz von Röntgenpulsaren kann auf der Erde nur unzureichend getestet werden, da die Strahlung dieser exotischen Sternenreste durch die Atmosphäre weitgehend ausgefiltert wird. Diese spezielle Art von Pulsaren bildet eine Art kosmisches Leuchtfeuer, dessen extrem schnell aufeinander folgende Signale fast mit der Präzision einer Atomuhr erfolgen. Aufgabe des Satelliten wird es sein, eine Art Pulsar-Navigations-Datenbasis zu erzeugen. Dafür werden die Signale 26 nahe gelegener Pulsare verwendet. Das Raumfahrzeug wurde von der Chinese Science and Technology Corporation (CASC) entwickelt und gebaut.

Die Langer Marsch 11 basiert auf neuester chinesischer ICBM-Technologie. Das bedeutet, dass die Rakete für lange Zeit ohne Wartung gelagert, dann aber bei Bedarf sehr schnell gestartet werden kann. Bei der vierten Stufe dürfte es sich um einen modifizierten MIRV-Bus handeln, der bei militärischer Anwendung dafür vorgesehen ist, eine Reihe von Nuklearladungen auf unterschiedlichen Trajektorien abzusetzen. Die LM 11 ist etwa 21 Meter lang, hat an der Basis einen Durchmesser von zwei Metern und wiegt 58 Tonnen. Sie kann eine Nutzlast von etwa 350 Kilogramm auf einen 700 Kilometer hohen sonnensynchronen Orbit bringen. Der erste Start einer Rakete dieses Typs erfolgte im September 2015.

Bild: XPNAV-1 Foto und Grafik. Credit: ChinaNews