Die erste Einheit eines verbesserten Progress-Raumschiffs startete heute Morgen um 9:44 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom zentralasiatischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. Der Träger vom Typ Sojus 2.1a begann seine Reise in den Orbit an der Startanlage 31/6 des Kosmodroms. Neuneinhalb Minuten später erreichte der Raumtransporter problemlos und präzise in den vorgesehenen Übergangsorbit. Von hier aus wird Progress MS-1 innerhalb der nächsten beiden Tage die Internationale Raumstation ansteuern und der dortigen Crew etwa 2,35 Tonnen an Nachschubmaterial bringen.

Die Geschichte der Progress-Raumfahrzeuge geht bis in die 70iger Jahre zurück. Am 20. Januar 1978 startete seinerzeit Progress 1 zur sowjetischen Raumstation Salut 6. Seither wurden über 150 dieser Nachschub-Raumschiffe gestartet. Insgesamt gab es seit der damaligen Basisversion vier Modifikationen. Die Progress MS-Reihe, die nun zu ihrer ersten Mission unterwegs ist, ist die fünfte Variante dieses Raumschifftyps und wird die Progress MM-Reihe ablösen.

Das neue Raumschiff wird auf dieser ersten Mission noch nicht den "beschleunigten" nur sechsstündigen Anflug zur ISS durchführen, sondern den zweitägigen Standard-Transfer. Damit bleibt den Missionskontrollern in Moskau Zeit, das neue Fahrzeug ausgiebig zu testen, bevor es dann am 23. Dezember an der Raumstation anlegen soll.

Die Raumfahrzeuge der Progress MS-Serie verfügen jetzt über ein externes, nicht druckbelüftetes Abteil, in dem Mikrosatelliten mitgeführt und abgesetzt werden können, einen verbesserten Schutz gegen Mikrometeoriten, erweiterte Redundanzen in den Betriebssystemen, ein verbessertes Navigationssystem und neue Kommunikationseinrichtungen. So gibt es jetzt eine Phased Array-Antenne, mittels der die Progress über die Luch-Relaysatelliten auch dann Verbindung zur Flugkontrolle in Moskau halten kann, wenn das Raumfahrzeug nicht gerade russische Bodenstationen überfliegt. Die Progress MS verfügt auch über ein wesentlich verbessertes Kamerasystem, mit dessen Hilfe die Crew an Bord der ISS oder die Bodenstation das Raumschiff "nach Sicht" steuern kann, sollte dies erforderlich sein, wie beispielsweise bei einem Ausfall des Kurs-Navigationssystems, wie es letzte Woche beim Anflug von Sojus TMA-19M an die ISS geschah. Und auch dieses Kurs-System ist nun ebenfalls überarbeitet und heißt jetzt Kurs NA. Es benötigt weniger Antennen und arbeitet exakter als das alte System.

 

Die Sojus 2.1a mit Progress MS-1 wird in der Integrationshalle in Baikonur auf den Start vorbereitet. Foto: Tsenki