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Die Angara 5 wird in Baikonur für den Erstflug vorbereitetDer Erstflug des neuen russischen Trägers für Nutzlasten der oberen Mittelklasse und des unteren Schwerlastbereiches war am 23. Dezember ein voller Erfolg. Die Angara 5, die eines Tages die Proton ablösen soll, führte ihren Jungfernflug vom nordrussischen Weltraumbahnhof in Plesezk aus durch. Bei dieser ersten Testmission wurde keine aktive Nutzlast mitgeführt, sondern nur ein gut zwei Tonnen schwerer Massen-Dummy mit dem ein Direkttransfer in den geostationären Orbit demonstriert wurde.

Um 6:67 Uhr erwachten die fünf RD-191 Triebwerke des 56 Meter hohen Trägers am Startplatz 35/1 zum Leben. Die vier Booster, die Zentralstufe und die zweite Stufe arbeiteten wie vorgesehen. 12 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe setzten sie die Orbitaleinheit, bestehend aus einer Briz M Oberstufe und der Demonstrationsnutzlast, in einer niedrigen Erdumlaufbahn aus. Damit war der eigentliche Erprobungsflug abgeschlossen. Danach begann die Briz M mit ihrem üblichen Aufstiegsprofil in den geostationären Orbit, der etwa neun Stunden dauerte, aber dass die Stufe das kann hat sich oft demonstriert.

Die Angara 5 wiegt beim Start 773 Tonnen. Der Startschub der gesamten Kombination beträgt 1.025 Tonnen. Die Triebwerke des neuen russischen Trägers arbeiten in den ersten beiden Stufen, mit Ausnahme der Briz M) mit Kerosin und flüssigem Sauerstoff, und sind somit wesentlich umweltfreundlicher als die der Proton, die über alle Stufen mit der toxischen Kombination aus Hydrazin und Stickstofftetroxid betrieben wird.

Die Angara 5 ist die größte Trägerrakete, die in Russland seit den Tagen der Energia-Trägerrakete (die aber nie in den aktiven Dienst trat) neu eingeführt wird.

Eine kleinere Version der Angara, die Angara 1.2, wurde bereits im Juli bei einer suborbitalen Mission erfolgreich getestet. Dieses Modell besteht nur aus der Zentralstufe und wird demzufolge auch nur von einem einzelnen RD-191 angetrieben. Das Triebwerk ist eine modernisierte Einkammervariante des berühmten RD-171, das eine Vierkammer-Anordnung aufweist. Fast genauso bekannt ist ihre Zweikammer-Variante, das RD-180, das auch die US-amerikanische Atlas 5 antreibt.

Die Angara ist modular aufgebaut. Booster und Zentralstufe sind nahezu identisch und somit nach dem in den USA so bezeichneten „Common Core Prinzip“ konstruiert. In Russland wird das als „Universalniy Raketniy Modul“ bezeichnet, also als „Universales Raketenmodul“ oder kurz: URM. Die erste Stufe wird dabei als URM-1 bezeichnet, die zweite Stufe als URM-2.In der Version Angara 5 fliegt der Träger mit insgesamt fünf URM-1. Ähnlich wie bei der US-Delta IV werden dabei die äußeren „Cores“ im Vollschubbetrieb gefahren, während die zentrale Einheit im treibstoffsparenden Teilschubmodus arbeitet. Nach der Trennung der Booster, etwa drei Minuten nach dem Verlassen der Startrampe, wird die Schubleistung des verbliebenen mittleren „Cores“ hochgefahren.

Die zweite Stufe wird von einem einzelnen RD-0124A Raketenmotor angetrieben. Dieser Triebwerk wird bereits seit einer Weile auf der Sojus 2 eingesetzt. Die dritte Stufe, die Orbitaleinheit, bildet die Briz M, die seit vielen Jahren auf der Proton M im Einsatz ist. Als Standardnutzlastverkleidung wird eine fünf Meter durchmessende Fairing verwendet. Hersteller der Angara ist Chrunitschew.

Das Ende des Testflugs bildete eine simulierte Freigabe des Nutzlastdummies, die allerding – und das war beabsichtigt – nicht durchgeführt wurde. Stattdessen führte die Briz M zwei weitere Manöver durch, um sich selbst und die mit ihr verbundene Nutzlast in einen „Friedhofsorbit“ zu befördern.

Russland wird die Angara zukünftig in drei Versionen einsetzen: als Angara 1, als Angara 3 (mit drei URM-1 Einheiten) und 5 (mit fünf URM-1 Einheiten). Als Angara 5 kann sie Nutzlasten bis 24,5 Tonnen in eine niedrige Erdumlaufbahn bringen, und bis zu 5,4 Tonnen direkt in einen geostationären Orbit. Der Start in Plesetzk war übrigens der Einsatz der größten von dort aus jemals gestarteten Rakete. Es war auch der erste Einsatz von diesem Startplatz der in all den Jahren und trotz der vielen hundert Orbitalstarts die von dort aus stattgefunden haben, in den geosychnchronen Orbit führten.