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Proton MAm 8. Dezember 2012 startete im kasachischen Baikonur eine Trägerrakete des Typs Proton M Briz M, um den Kommunikationssatelliten Yamal 402 für den russischen Satellitendienstleister Gazprom Space Systems (GSS) in einen geostationären Transferorbit zu transportieren. Der Liftoff erfolgte um 14:13 Uhr mitteleuropäischer Zeit von der Startrampe 200/39. Wie praktisch alle zivilen Einsätze der Proton kam auch dieser Start durch die Vermittlung der International Launch Services (ILS) zustande, einem amerikanisch-russischen Joint Venture.

Die ersten drei Stufen der von Chrunitschew produzierten Trägerrakete brachten zunächst die Orbitaleinheit, bestehend aus der Briz-M Oberstufe und dem Satelliten auf eine orbitnahe Suborbitalbahn. Dieses Manöver klappte wie vorgesehen. Von diesem Punkt aus sollte die dann die Briz den Satelliten in einem mehrphasigen Brennmanöver auf die vorgesehene Transferbahn bringen.

Brennphase 1 sorgte für das Erreichen einer niedrigen Parkbahn mit einer Bahnneigung zum Äquator von 56 Grad. Ein weiteres Manöver sollte den Satelliten auf einen mittleren Orbit bringen, ein drittes in einen ersten Transferorbit. Mit der vierten Zündung, gut neun Stunden nach dem Liftoff, sollte dann die vorgesehene Transferbahn erreicht werden. Diese letzte Brennphase fiel jedoch aus noch ungeklärter Ursache um gut vier Minuten zu kurz aus, was den Satelliten weit abseits der vorgesehenen Bahnparameter zurückließ. Die geplanten Werte nach der letzten Zündung sollten bei einem Perigäum von 7.470 Kilometern, einem Apogäum von 35.700 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von neun Grad liegen. Die aktuell erreichten Zahlen lagen bei einem Perigäum von 3.100 Kilometern, einem Apogäum von 35.700 Kilometern und einer Bahnneigung von über 26 Grad.

Am 7. August führte bereits eine Fehlfunktion der Briz-M dazu, dass die beiden russischen Kommunikationssatelliten Telkom 3 und Ekspress MD-2 als Totalverlust abgeschrieben werden mussten. Die mangelnde Zuverlässigkeit der Briz-M ist immer wieder ein Problem. Die Gesamtzuverlässigkeit der Proton insgesamt erreicht kaum 90 Prozent. Ein extrem niedriger Wert in der heutigen Raumfahrt. Zurückzuführen ist das fast ausschließlich auf Qualitätsmängel in der Fertigung und in der Programmierung der Software. Betrachtet man die Briz-M und die Briz-KM (eine Variante, die auf der Rokot eingesetzt wird) für sich alleine, dann ergeben sich bei 22 Einsätzen in den letzten beiden Jahren insgesamt vier Fehlschläge, die alleine auf diese Oberstufe zurückzuführen sind.

Yamal 402 ist mit 46 Ku-Band-Transpondern ausgerüstet, und soll eine Position bei 55 Grad Ost im Geostationären Orbit einnehmen. Geplant war, dass Yamal 402 von dort aus Kunden in Teilen Afrikas, in Europa, Teilen des mittleren Ostens und Russland mit Kommunikationsdiensten versorgt. Der Satellit wird diese Position mit Bordmitteln erreichen können, allerdings erheblich zu Lasten der Einsatzlebensdauer, denn es müssen dafür Treibstoffvorräte für die Einsatzphase des Satelliten mit verwendet werden. Das Raumfahrzeug muss dafür zwei Brennmanöver mehr als vorgesehen mit seinem Apogäumsmotor durchführen.

Die ursprünglich veranschlagte Lebensdauer des von Thales Alenia Space gebauten Raumfahrzeugs lag bei mindestens 15 Jahren und wird nun vielleicht noch elf Jahren betragen. GSS hatte das Raumfahrzeug am 28. Mai 2010 in Auftrag gegeben. Beim Start betrug seine Masse rund 4.500 Kilogramm. Zur Versorgung der Satellitensysteme und der Kommunikationsnutzlast ist das Raumfahrzeug mit zwei Solarzellenauslegern mit einer Leistung von 10,8 Kilowatt zum Lebensende des Satelliten hin ausgerüstet.