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Am 12. April vor 53 Jahren flog der russische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum. Letzten Samstag, am 12. April, kamen rund 270 Weltrauminteressierte im Technischen Museum zusammen, um sich an diesen Pionier zu erinnern und mehr über fremde Welten zu erfahren. Zu den geladenen ExpertInnen gehörten Österreichs bislang einziger Kosmonaut, Franz Viehböck, die Planetenforscherin Ludmila Carone und der Raumfahrtjournalist Andreas Weise.









Selfie mit Werner Gruber
Ab 10 Uhr morgens stand das Technische Museum Wien im Zeichen des ersten SpaceUp in Österreich, einer Mitmach-Konferenz, bei der Weltrauminteressierte und Profis zusammenkommen, um von ihren Betätigungsfeldern und Projekten zu berichten. Wesentlicher Teil des SpaceUp ist dabei die spontane Zusammenstellung des Tagungsprogramms am Tag der Konferenz selbst. Teilnehmende aus 15 Ländern waren dabei, als es z.B. um die Weltraumsonde Rosetta ging, die im November von der Europäischen Weltraumagentur ESA auf einem Kometen gelandet werden soll. Auch Wissenschaftskommunikation über soziale Medien wie Facebook und Twitter wurde diskutiert sowie der Selbstbau kleiner Raketen erklärt. Zu den Stargästen gehörten Werner Gruber, Science Buster und Direktor des Planetariums Wien, sowie die Weltraumarchitektin Barbara Imhof.

Abends startete die Yuris’s Night unter dem Motto "Fremde Welten", moderiert von den Orioniden Monika Fischer und Eugen Reichl, der auch einige seiner Raumfahrtbücher mitgebracht hatte.



Gabriele Zuna-Kratky, Direktorin des TMW
Die Direktorin des Technischen Museums Wien, Dr. Gabriele Zuna-Kratky, eröffnete die sechste Yuri's Night. Sie lud die BesucherInnen zur Sonderausstellung SPACE ein, die während des gesamten Abends exklusiv für die Yuri's Night geöffnet blieb.
Maria Pflug-Hofmayr
Anschließend präsentierte Maria Pflug-Hofmayr vom Orion den Astronomie-Bild-Blog "Astronomy Picture of the Day", den sie unter www.starobserver.org seit sechs Jahren aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Sie zeigte die am häufigsten aufgerufenen Bilder der letzten Jahre. Dazu gehört das Bärentierchen und natürlich auch der traditionelle Aprilscherz.
Andreas Weise/(c) Karola RieglerAndreas Weise erzählte die erstaunliche Geschichte einer falschen Pressemeldung vom 12. April 1961, mit der nicht der Flug von Juri Gagarin veröffentlicht wurde, sondern von einem Weltraumflug die Rede war, der sich schon am 07. April 1961 ereignet haben sollte. Als am selben Tag der Pressemitteilung die Nachricht von Gagarin als erstem Menschen im Weltraum um den Erdball ging, kamen bald Zweifel auf, ob Gagarin tatsächlich der erste Mensch im All gewesen sei. Weise berichtete von den Spekulationen über einen vertuschten Weltraumflug, der möglicherweise schiefgegangen sei. Seine Recherchen ergaben jedoch zweifelsfrei, dass Gagarin doch der Erste im All war.
Der mutmaßliche "vergessene Kosmonaut" war ein Top-Testpilot, der sich zu diesem Zeitpunkt mit der Erprobung  eines Spionageabwehrflugzeuges der damaligen Sowjetunion beschäftigte. Die ganze Geschichte hat Andreas Weise hier zum Nachlesen veröffentlicht: http://www.raumfahrer.net/news/raumfahrt/15042014220440.shtml

Franz Viehböck

Franz Viehböck, österreichischer Kosmonaut, berichtete anschließend aus der Praxis eines Weltraumreisenden. Unterhaltsam schilderte er den Tagesablauf seines Aufenthaltes im All: „Schlaf war Mangelware, also machte ich zwischen den zahlreichen Experimenten, die wir zu erledigen hatten, sogenannte Powernaps. Für 20 Minuten ließ ich mich irgendwo in eine Ecke der russischen Raumstation MIR treiben“. Als seinen bewegendsten Moment im All nannte er die Nachricht von der Geburt seiner Tochter und die Videokonferenz aus der Raumstation, bei der er sie das erste Mal sehen konnte.

Ludmila Carone

Von Planeten bei fremden Sonnen und ihrer aktuellen Erforschung erzählte die deutsche Planetologin Ludmila Carone von der Universität Leuven, Belgien. Dabei berichtete sie von dem erstaunlichen Effekt einer „Wanderung“, die vermutlich viele jupitergroße Planeten in ihrem Sonnensystem unternehmen. Diese Gasriesen entstehen in den Außenbereichen der Planetensysteme und trudeln dann in einem Zeitraum von Jahrmillionen näher an ihren Stern heran, nachdem sie von zahlreichen kleinen Körpern im System aus der Bahn gelenkt wurden. Schließlich erreichen sie eine Umlaufbahn, die der Entfernung Merkur-Sonne entspricht oder diese sogar wesentlich unterschreitet – in dieser Entfernung würde man Gesteinsplaneten, niemals jedoch Gasriesen erwarten.
Übergabe des Tiuterra Crystall von Swarovski an das ÖWF
Eine Symbiose zweier Welten präsentierte sodann Swarovski mit dem Tiuterra Crystall, in dem Gesteinsproben der Erde und ein Marsmeteorit vereint sind. Der Kristall wurde an das Österreichischen Weltraum Forum ÖWF übergeben und wird im November mit der italienischen Astronautin Samantha Cristoforetti zur ISS fliegen.

Pplarsternpreis an Otto Koudelka und Werner Weiss

Schlusspunkt der Veranstaltung war die Verleihung des Polarsternpreises durch das ÖWF an Prof. Otto Koudelka von der TU Graz und Prof. Werner Weiss vom Institut für Astronomie der Uni Wien. Sie wurden für Ihren Einsatz geehrt, der den Bau und Start der ersten österreichischen Satelliten TUGSAT-1 und BRITE möglich gemacht hatte.

Publikum

Die Yuri’s Night wurde zum sechsten Mal vom Förderkreis Astronomie und Raumfahrt „Der Orion“ bei freiem Eintritt organisiert. Der Orion veranstaltete am 12. April auch Österreichs erstes SpaceUp, eine Mitmach-Konferenz zum Thema Weltraum. Im Sommer organisiert der Orion traditionell die Burggespräche auf Schloss Albrechtsberg, ein Astronomie-Weltraum-Wochenende für Sternenfreunde.

Die nächste Yuri's Night findet am 12. April 2015 im Dachsaal der Wiener Urania statt!