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Salve Spacefreak, Ave Astronom, dies ist der siebente Brief aus dem alten Rom. Man nennt mich Marcus Tullius Astrum, Sterndeuter am Hof des Augustus, und ich begleite euch durchs astronomische Jahr.

Das Ende des Monats Februar naht. Februus war bei unseren etruskischen Vorfahren die Gottheit der Reinigung. Wir Römer haben uns da angehängt. Die Gottheit hilft den Körper bei Krankheiten zu reinigen. Ist praktischer Weise auch Gottheit der Toten. Hat natürlich auch eigene Tempel, derer gleich drei, am Palatin, Esquilin und am Vicus Longus. Zu Ehren Febris’ feiern wir die Februalia, die mit den berühmten Lupercalia zusammenfallen, die wiederum Faunus geweiht sind. Es ist nicht so einfach für einen homo modernus da durchzublicken.

Euch faszinieren am Februar Karnevalszeit und Schalttag. Karneval, die fleischlose Zeit, ist – höfliche Erinnerung – für euch Christen Zeit der Besinnung, der Reinigung (Februus!), die Genussgelage am Aschermittwoch Ignorantentum. Honestas non est. Einen Römer tangiert das weniger. Denn wie ihr wisst, wissen wir Feste zu feiern.

Schauen wir zum Schalttag. Schalttage, erlaubt mir diese Pointe, erinnern uns daran, dass sich der Planet präziser dreht als wir modellieren können.

Sosigenes aus Alexandria hat für Cäsar, den Ziehonkel meines Herrn, das kalendarische Chaos der römischen Republik bereinigt. Wird Plinius der Nachwelt sagen (der ist aber noch nicht geboren, ich darf daran erinnern, dass ich aus dem Jahre neun nach Christus schreibe). Cäsar hat dann gleich noch die Republik selbst bereinigt. Ich habe ihn zwar nur als Kind erlebt, aber ich glaube nicht, dass er das Interesse am Kalender als astrophilus, Sternenfreund, entwickelt hat. Ein funktionierender Kalender ist schließlich eine politisch-strategische Frage.

Der Schalttag war schon am Nil bekannt. Sosigenes und Cäsar haben das System drei Normaljahre, ein Schaltjahr eingeführt. Als Schalttag wurde von nun an der 24. Februar, der sechste Tag vor den Kalenden des März, verdoppelt. Und das ist noch zweitausend Jahre später in deutlich zu hören, wenn ihr miteinander plaudert: ein doppelter Sechster, ein "anno bisestile", ein "année bissextile".

Die Römer, höre ich euch seufzen, ohne sie säßen wir im Dunkeln. Danke, das schmeichelt.

Aber wir Römer haben das Rad der Zivilisation nicht neu erfunden. Ein nun schon zweitausendjähriger Irrtum, den ich als stolzer Bürger des Reiches nicht unbedingt aufklären möchte. Als ehrlicher Mensch könnte ich euch Freunden aus der Moderne zustecken, dass die Römer so manches Copyright der Etrusker und Griechen verletzten. Pragmatischer Eklektizismus. Was war nicht schon alles erfunden, bevor der Haufen um Äneas ein Dorf in den Tibersümpfen Latiums aufstellte und sich dann nach oben boxte. Und die etruskische Kultur versehentlich auslöschte. Infortunati.

Obwohl die Kerze fast heruntergebrannt ist, muss ich noch einen Gedanken formulieren. Es gefällt mir, euch über den Monat Februar zu schreiben. Der Kalender ist der edelste Nutzen der Astronomie. Nein, sagt ihr, das Edelste ist die Suche nach Erkenntnis, die Erkenntnis unserer Endlichkeit. Erratum. Edel ist es, unser Leben vernünftig zu leben. Denn die Erkenntnis unserer Endlichkeit bestellt keine Äcker.

Feiert den Februar. Wir sprechen uns bald wieder.

Marcus Tullius