Salvete ihr Weltraumfreunde, Ave ihr Astronomen!

Ein Gruß aus fernen Gefilden sei euch gewiss. Ich habe von eurem Internationalen Jahr der Astronomie gehört. Sehr vernünftig. Die Öffentlichkeit wird ja immer nur mehr schlecht als recht informiert. Das war bei uns damals nicht anders.

Oh, ihr fragt mich nach meinem Namen. Ich heiße Marcus Tullius Astrum, ich bin Sterndeuter. Ha! Sterndeuter, höre ich euch rufen! Hinweg mit ihm von unserer Seite! Ganz mit der Ruhe. Ich mache das nur hauptberuflich. Allerdings für ganz oben: für Kaiser Augustus. Ich komme zwar aus altem römischem Adel, aber ich habe kein Problem damit, wenn wir uns duzen.

Und obwohl ich im Rom des Jahres 9 nach der Zeitenwende lebe, mische ich mich gerne ein, in eure Gegenwart. Ich finde eure Zeit so interessant.

Abends, wenn ich nach Hause komme, beobachte ich die Sterne. Die Sterndeuterei ist ja ein himmelschreiender Unsinn, aber sie ist sehr praktisch. Die Leute sind so verführbar, das gefällt mir. Sie zahlen dir gutes Geld dafür. Sprich mit tiefer Stimme und ein wenig unverständlich. Rolle mit den Augen. Gib den Wandelsternen einen Charakter. Das macht sie menschlich. Man fühlt sich verstanden vom Universum.

Verständnis und Unverständnis sind allerdings auch Kategorien, über die ihr in eurer Zeit einmal nachdenken könntet. Man hat manchmal das Gefühl, die Astronomie ist abgehoben, nach oben geschwebt. Es war auch schon in unserer Zeit schick, kompliziert zu sein. Dabei liegt die Kunst in der Einfachheit. Ich sitze oft am Meer und denke mir: ein Hoch auf das Einfache!

Euer Jahr der Astronomie soll den Weltraum und die Kunst seiner Erforschung den Menschen näher bringen. Die Kunst? Die Kunst! Man staunt, was Kunst, Kultur und Geschichte alles mit der Astronomie zu tun haben. Darüber möchte ich sprechen. Wie die Sternenkunde unsere Kultur beeinflusst hat, welche Schätze und Geschichten es da zu entdecken gibt. Es gibt so viel zu erzählen. Ich -

Doch halt, tempus volat. Ich muss in den kaiserlichen Palast eilen. Vogelschau für Livia Drusilla.

Wir sprechen uns bald wieder!

Marcus Tullius