peony starStünde er an der Stelle unserer Sonne, würde er den Merkur auf seiner Bahn verschlucken. 100 Mal größer ist sein Durchmesser, mindestens 50 Mal seine Masse und seine Leuchtkraft übertrifft sogar 3,2 Millionen Mal die unseres Heimatgestirns. Damit ist WR 102ka, der auch "Pfingstrosennebelstern" genannt wird, der zweithellste Stern der Milchstraße. Obwohl er schon länger bekannt war, enthüllte erst jetzt das Weltraumteleskop Spitzer und das New Technology Telescope (NTT) der ESO seine wahren Dimensionen.

Dass er so hell ist und doch bisher unbekannt war, liegt an seiner Position nahe des Zentrums unserer Galaxis. Hier gibt es dichte Staubwolken. Das Licht des Sterns wird auf seinem 26.000 Lichtjahre langen Weg zu uns durch diesen Staub so stark abgeschwächt, dass es erst mit Spitzer möglich war, seine Leuchtkraft zu erkennen. Dieses Weltraumteleskop nämlich späht im Infraroten – einem Spektralbereich, der weit weniger stark abgeschwächt wird. Allerdings ist die nun ermittelte Leuchtkraft immer noch mit einer gewissen Unsicherheit behaftet. Es ist auch möglich, dass der Pfingstrosenstern die bisherige Nummer Eins, Eta Carinae, mit seinen 4,7 Millionen Sonnenleuchtkräften, noch übertrifft - oder zumindest nahe herankommt.

Seinen Namen hat der Stern von seiner Lage in einem Gasnebel, in dem fantasievolle Astronomen eine Paeonia erkennen wollen, und der deshalb den blumigen Namen "Pfingstrosennebel" (peony nebula) trägt. Trotz seines friedfertigen Namens ist der Pfingstrosenstern alles andere als ein Mauerblümchen. Sterne mit einer mehr als 50-fachen Sonnenmasse sind selten und nicht mit einem "normalen" Stern wie unserer Sonne vergleichbar. In seiner "Babyphase" hatte  WR 102ka sogar 150 bis 200 Sonnenmassen, doch solche Gebilde sind nicht stabil und zerfallen in zwei oder mehr Einzelsterne.

WR 102ka wird nach einem wenigen Millionen Jahre kurzen Leben als gewaltige Supernova enden. Das ist kosmisch gesehen tatsächlich eine sehr kurze Zeitspanne. Die Pfingstrose ist reif für die finale Explosion - sie kann praktisch jede Minute in die Luft gehen, oder auch erst in einigen 1000 Jahren.

Bis es soweit ist, wird ihr turbulentes Leben noch weitergehen. Solche Wolf-Rayet-Sterne - der Pfingstrosenstern ist dafür ein extremes Beispiel - halten sich kaum durch ihre eigene Schwerkraft zusammen und besitzen sehr starke Sternwinde. Dabei verlieren sie im Laufe ihres Lebens Materie im Ausmaß mehrerer Sonnenmassen, was sie aber nicht ihrem Schicksal als Supernova zu enden entrinnen lässt. Wenn der Stern explodiert, wird er alles in seiner Umgebung vaporisieren, auch Planeten, sollte er welche haben. Seine an schweren Elementen reichen Überreste werden andererseits die Entstehung neuer Sterne und Planetensysteme ermöglichen.

Es ist wahrscheinlich, dass verborgen vom Staub der Milchstraßenscheibe noch weitere, vielleicht sogar noch leuchtkräftigere Sterne ihrer Entdeckung harren. Mit dem Infrarotteleskop Spitzer steht den Astronomen ein wichtiges Werkzeug bei der Suche nach diesen Sternmonstern zur Verfügung.

Bild: NASA/JPL-Caltech/Universität Potsdam

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