Header

Image by Frances WestallEin künstlicher, mit Mikroben geimpfter Meteorit, den Forscher vor einem Jahr auf die Erde stürzen ließen, liefert ernüchternde Resultate für die Anhänger der Theorie, dass das Leben ursprünglich aus den Weiten des Weltalls auf die Erde kam: Keines der Bakterien überlebte den heißen Flug durch die Atmosphäre.

Woher stammt das Leben auf unserer Erde? Anhänger der Panspermie-Hypothese sind der Auffassung, dass es ursprünglich aus den Weiten des Alls kam. Sie nehmen an, dass Meteoriten oder Kometen die Saat des Lebens auf unseren Planeten brachten. Diese These ist umstritten, einige Wissenschaftler halten sie jedoch nicht für völlig unmöglich. Insbesondere eine als Transspermie bekannte Abwandlung wird von vielen nicht vollkommen abgelehnt. Demnach brachten Meteoriten vom Mars primitive Organismen auf unseren Planeten.

Dazu müsste es aber nicht nur auf dem Mars jemals Leben gegeben haben, was bis heute niemand nachweisen konnte – die Organismen müssten auch den Flug zur Erde und vor allem den Absturz durch die Atmosphäre überstanden haben. In der Tat hat man in der Antarktis immer wieder Meteoriten gefunden, die von unserem roten Nachbarplaneten stammen. Dort fallen zwar nicht mehr Meteoriten zu Boden als anderswo – die kosmischen Boten lassen sich im hellen Eis jedoch leichter finden. In keinem aber konnte man bislang außerirdische Lebensspuren zweifelsfrei nachweisen.

Die gefundenen Marsmeteoriten bestehen allesamt aus vulkanischen Basaltmaterial – Leben auf dem Mars vermuten die Wissenschaftler aber eher in Sedimentschichten, die in Kontakt mit Wasser stehen. Ob weiches Sedimentgestein aber überhaupt den Erdboden erreicht, oder aber beim Atmosphärenflug vollständig verdampft, war bislang ungeklärt.

Um dies zu testen führten Frances Westall von der Université d’Orleans und seine Kollegen ein interessantes Experiment durch: STONE-6. Die Forscher konstruierten einen „künstlichen Meteoriten“ - sie impften irdisches Sedimentgestein mit Bakterien des Typs Chroococcidiopsis und befestigten es am Hitzeschild der FOTON M3-Raumkapsel. Diese startete im September zu einem zwölftägigen Flug ins All. Bei ihrer Rückkehr wurden die Proben auf der Außenseite auf über 1700 Grad Celsius erhitzt. Das entspricht etwa der Temperatur, die ein Meteorit bei seinem Absturz aushalten muss. Auf dem European Planetary Science Congress in Münster wurden heute die Ergebnisse des Versuchs präsentiert.

Das Sedimentgestein beim Absturz verdampfte dabei nicht völlig, sondern bildete eine hell-weiße Schmelzkruste. Das ist ein markanter Unterschied zu den bislang untersuchten, natürlichen Marsmeteoriten: Diese besitzen eine dunkel-schwarze Kruste, wodurch sie sich gut vom Eis der Antarktis abheben. Westall empfiehlt also, bei der Suche nach sedimentären Meteoriten auf Steine mit heller Schmelzkruste zu achten. Womöglich hat man die interessantesten Marsboten bisher einfach übersehen.

Die Bakterien hingegen hatten weniger Glück: Nach der Landung fanden die Wissenschaftler nur noch ihre verkohlten Reste. Allenfalls Biomoleküle konnten die enormen Temperaturen beim Absturz überleben. Mikroben aber könnten höchstens im Innern sehr großer Meteoriten überleben, doch solche Brocken explodieren meist beim Aufprall auf den Erdboden, wobei ein Krater entsteht, was die überlebenden Bakterien womöglich nicht verkraften.

Für die Anhänger der Pan- oder Transspermie ist das Ergebnis des STONE-6-Experiments daher ernüchternd. Es scheint, als könnten allenfalls einzelne Molekülstränge, auf keinen Fall aber ganze Organismen aus dem All auf die Erde gekommen sein. Dennoch könnte das Experiment helfen, die Frage nach Leben auf dem Mars zu klären: Die Überreste der Mikroben waren nämlich nachweisbar – das sollte auch in natürlichen Meteoriten möglich sein.

Bild: Die FOTON M3-Kapsel kurz nach der Landung. Die Proben befinden sich in den kreisförmigen Aussparungen im Hitzeschild. (Frances Westall)

EPSC 2008 Homepage

Der Orion: Artikel von Astra zum Start von FOTON M3

Kanopus