Die Gemeinde der ESO-Astronomen ist größer geworden. Seit dem 1. Juli 2008 ist Österreich das 14. Mitglied der europäischen Organisation und hat nun Zugang zu den besten und modernsten Teleskopen der Welt.

Die Fußball-Europameisterschaft war gerade vorbei, da war Wien schon wieder Austragungsort eines weiteren, diesmal astronomischen „Finales“: In einer feierlichen Zeremonie besiegelten am 30. Juni ESO-Generaldirektor Tim de Zeeuw und der Minister für Forschung und Wissenschaft der Alpenrepublik, Johannes Hahn die Aufnahme Österreichs als 14. Mitglied der Europäischen (Südsternwarte European Southern Observatory, ESO). Noch muss das Vertragswerk vom österreichischen Parlament ratifiziert werden.

Die Astronomen in Österreich dürfen sich freuen, bedeutet die Aufnahme doch den Zugang zu einigen der besten und modernsten Observatorien der Welt, allen voran natürlich dem Very Large Telescope (VLT) der ESO auf dem Cerro Paranal in Chile.

 VLT Paranal

Zukünftig arbeiten auch österreichische Astronomen hier: Die vier 8,2-Meter-Teleskope des VLT-Komplexes in Chile.

„Durch diese Investition werden österreichische Wissenschaftler Zugang zu international führenden Forschungseinrichtungen bekommen,“ so Johannes Hahn. „Zudem ist der Schritt ein wichtiger Impuls, um Österreich als attraktiven Standort für Wissenschaft zu präsentieren. Mit der heutigen Unterschrift setzen wir einen Schlussstrich unter eine lange Diskussion und eröffnen Österreichs Astronomie neue Horizonte.“

Die ESO, 1962 gegründet, betreibt in Chile neben dem Observatorium auf dem Paranal auch auf dem Berg La Silla eine Reihe mittelgroßer Teleskope und baut zur Zeit das wohl ehrgeizigste Projekt auf dem Gebiet der Radioastronomie: Das Atacama Large Millimeter Array  (ALMA) auf der 5000 Meter hohen Ebene Chajnantor bei San Pedro de Atacama. Für die nähere Zukunft ist der Bau eines gigantischen Teleskops mit wenigstens 25 Metern Spiegeldurchmesser geplant – dem E-ELT (Extremely Large Teleskope), das wahrscheinlich auch in Südamerika stationiert sein wird und im optischen und infraroten Spektralbereich arbeiten soll.

Ist Österreich im Fußball auch (vielleicht ein bisschen zu früh) ausgeschieden, so spielt das Land nun astronomisch in der ersten Liga mit.

Kanopus