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Mars; Credit: Alan Friedman (Averted Imagination) Falls Sie sich wundern, welch strahlend helles Gestirn derzeit am östlichen Abendhimmel sein Licht auf uns wirft, so können wir Ihnen versichern, dass es sich dabei sicherlich nicht um einen Stern handelt. Es ist unser äußerer Nachbarplanet Mars, der am 29. Januar in Opposition zur Sonne stand.

Bei einer Opposition stehen Sonne, Erde und in diesem Falle der Mars in einer Linie. Das bedeutet er steht uns zu diesem Zeitpunkt am nächsten. Aus dieser Konstellation ergibt sich auch, dass der Planet in den Wochen vor und nach der Opposition die gesamte Nacht über beobachtet werden kann. Außerdem erscheint er uns wegen seiner relativen Erdnähe auch noch in den kommenden 2 bis 3 Monaten als außerordentlich helles Gestirn am Nachthimmel.

Zurzeit hält sich der auffällig rötlich leuchtende Planet im Sternbild Krebs auf und wandert im Laufe des Februars in Richtung Zwillinge. Es lohnt sich die Himmelsregion um Mars mit einem Fernglas zu betrachten. Ein bisschen weiter nordöstlich von Mars finden wir das Sternenpaar Castor und Pollux, die Hauptsterne der Zwillinge. Ganz in der Nähe kann man auch den hellen Sternhaufen Praesepe auffinden. Dieser besteht aus einigen Dutzend hellen Sternen. Wenn Sie am Land wohnen und einen einigermaßen dunklen Sternenhimmel genießen dürfen, sollte es Ihnen nicht schwer fallen, diesen netten Haufen mit dem Fernglas aufzufinden. Über mehrere Wochen kann man dann anhand dieser Referenzen gut die Bewegung von Mars durch den Sternenhimmel mitverfolgen.

In der Nacht der Opposition, vom 29. auf den 30. Januar gesellt sich übrigens auch der Vollmond zum Mars hinzu. Man spricht dann von einer Mond-Mars-Konjunktion, die zufälligerweise gleichzeitig mit der Marsopposition statt findet!

Wenn Sie nun genau wissen wollen, wie es dort oben (oder drüben) denn eigentlich aussieht, so können Sie natürlich auf diversen Internetseiten, wie jener der NASA oder ESA, die neuesten Raumsondenbilder betrachten – oder Sie machen sich selbst ans Werk! Sollten Sie irgendwo zuhause ein, sei es auch noch so kleines, Fernrohr verstaubend in einer Ecke lagern, so holen Sie es hervor. Planeten sind im Allgemeinen sehr dankbare Beobachtungsobjekte, die auch in Großstädten unter starker Himmelsaufhellung ein schönes Bild im Fernrohr abgeben können. Haben Sie es endlich geschafft den roten Planeten im Gesichtsfeld zu zentrieren, sollten Sie bereits bei 30 bis 50-facher Vergrößerung eine helle weißliche Polkappe ausmachen dürfen. Auf dem Mars gibt es Eis! Allerdings nicht alles, was so weiß erscheint, ist gefrorenes Wasser, wie bei uns auf der Erde. Der Mars ist kalt, sehr kalt. Er ist sogar so kalt, dass Kohlendioxid, welches den Hauptbestandteil seiner Atmosphäre darstellt, als sogenanntes Trockeneis seine Polarregionen bedeckt. Das Marseis ist also eine Mischung aus gefrorenem Wasser und Kohlendioxid.

Ab etwa 100-facher Vergrößerung sollte es auch möglich sein einige dunkler gefärbte Regionen auszumachen. Eine sehr prägnante Struktur ist die sogenannte "Große Syrte", ein auffällig dunkel gefärbtes dreieckiges Plateau, das mehrere tausend Kilometer groß ist. Sie wurde bereits 1659 vom holländischen Astronomen Christiaan Huygens entdeckt. Er war es auch, der den Rotationszyklus des Mars zu ungefähr 24,5 Stunden bestimmte. Ein Marstag, ist also nicht viel länger als ein Tag auf unserer Erde.

Wie viele Details man auf der Marsoberfläche erkennen kann hängt aber sehr von den atmosphärischen Bedingungen ab. Durch das Auf- und Absteigen von warmen bzw. kalten Luftpaketen entstehen lokale Dichteschwankungen in unserer Atmosphäre. Diese führen zu einer sich laufend ändernden Lichtbrechung, was wir als Wabern im Fernrohr wahrnehmen. Man spricht hierbei auch von Luftunruhe, oder verwendet den englischen Begriff „Seeing“. Wie stark die Luftunruhe ist, kann man daran ablesen, wie stark die Sterne funkeln. Bei großer Luftunruhe ist es kaum möglich kleinere Details als die Polkappen zu erkennen.

Obgleich Mars zurzeit besonders nah steht, muss man dieses "nah" wiederum etwas relativieren. Zur diesjährigen Opposition befindet sich der römische Kriegsgott immerhin stolze 99 Millionen Kilometer von uns entfernt. Im Teleskop sehen wir ein Scheibchen mit einer Winkelausdehnung von ungefähr 14 Bogensekunden. Das entspricht nur einem 130stel eines scheinbaren Vollmonddurchmessers!

Bei der Marsopposition im Jahre 2003 war unser roter Nachbarplanet fast doppelt groß und etwa 6mal heller als dieses Jahr. Um zu verstehen, wieso das so ist, muss man sich die Marsumlaufbahn genau ansehen.

Mars umkreist die Sonne in einem relativ stark elliptischen Orbit. Sein sonnennächster Bahnpunkt, das Perihel, befindet sich in einer Distanz von 207, sein sonnenfernster Bahnpunkt, das Aphel, in 249 Mio Kilometern. Das ergibt eine Differenz von etwa 42 Mio Kilometern - im Vergleich zur Erde (Differenz nur 5 Mio km) sehr viel.

Während Mars für einen Umlauf ungefähr 687 Tage benötigt, ist unsere weiter innen liegende Erde viel schneller. Sie überholt den roten Planeten auf ihrer Umlaufbahn. Somit kommt es alle 25 Monate zu einer engen Begegnung, einer Opposition.

Wie nah uns Mars dann steht hängt aber davon ab, wo genau auf seiner Umlaufbahn er sich zum Oppositionszeitpunkt befindet. 2003 befand er sich fast an seinem Perihel. Man spricht dann auch von einer Perihelopposition. Dabei näherte er sich auf weniger als 56 Mio km an die Erde an. Das war die kleinste Distanz seit fast 60.000 Jahren! Dies kam dadurch zustande, da auch gleichzeitig unser Planet nahe seines Aphels stand.

Es folgten weitere Oppositionen in den Jahren 2005, 2007 und schließlich 2010, mit zunehmender Distanz. Dieses Jahr steht Mars nahe seines Aphels. Darum ist er beinahe doppelt so weit entfernt, als bei der Rekordopposition 2003. Auf die nächste Perihelopposition müssen wir allerdings noch einige Jährchen warten. Erst 2018 ist es wieder soweit.

Sollten Sie jetzt enttäuscht sein, so gibt es dieses Jahr noch eine Reihe anderer Planeten zu sehen, die Sie hoffentlich darüber hinweg trösten können. Im März wartet nämlich bereits Saturn mit seiner Opposition auf, und auch Venus sollte dann schon als "Abendstern" über dem westlichen Horizont auszumachen sein.

Auch wenn Sie über kein Fernrohr verfügen, so gibt es in Österreich eine Vielzahl an Astronomie-Vereinen und Sternwarten, die sich über interessierte Besucher freuen. Näheres dazu finden Sie hier.

Al Nair