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Titan (Cassini)Dass der Saturnmond Titan über Seen flüssiger Kohlenwasserstoffe auf seiner Oberfläche verfügt, dürfte jetzt als gesichert angesehen werden. Forscher entdeckten mit Hilfe eines Infrarotspektrometers an Bord der Raumsonde Cassini, dass die seit einigen Jahren bekannten, an irdische Gewässer erinnernden Gebiete in den Polregionen aus flüssigem Ethan, Methan sowie Stickstoff bestehen. Für die Suche nach Leben im All bleibt Titan damit ein heißer Kandidat.

Die Vermutung, dass es auf dem zweitgrößten Mond des Sonnensystems flüssiges Methan gibt, ist schon recht alt. Bereits die Voyagersonden entdeckten Anfang der 1980er Jahre Methangas in seiner dichten Atmosphäre. Dieses Gas wird durch die Einwirkung der Sonnenstrahlung und der kosmischen Teilchenstrahlung in leichtere, flüchtige Bestandteile zerlegt, die von der geringen Anziehungskraft des Mondes nicht festgehalten werden können und damit ins All entweichen. Es muss also für Nachschub gesorgt werden. Dieser könnte aus der Verdunstung von flüssigem Methan stammen, das in Form eines Ozeans die Titanoberfläche bedeckt, so die Vermutung.

Ontario LacusErst mit Hilfe des Bodenradars der Cassini-Sonde und der Landekapsel Huygens gelang es 2005, die undurchsichtige Atmosphäre Titans zu durchdringen und diese Hypothese zu prüfen. Doch einen Ozean konnten die Astronomen nicht ausmachen, auch Huygens landete auf festem Boden. Statt dessen fand man wenig später seltsam-dunkle Regionen in der Nähe der Pole des Mondes. Größe und Form der Gebiete erinnerte stark an die großen Süßwasserseen auf der Erde.

Einen dieser „Titanseen“ tauften die Forscher wegen seiner Ähnlichkeit zum Ontariosee in Nordamerika Ontario Lacus, er liegt in der südlichen Polarregion (Im Bild rechts, Quelle: NASA/JPL).

Als Cassini nun wieder über dieser Region hinweg flog, untersuchten Wissenschaftler um Robert Brown von der University of Arizona den See mit spektroskopischen Mitteln. Im infraroten Wellenlängenbereich gibt es einige „Fenster“, durch die eine Untersuchung der Oberfläche möglich ist.

Es gelang ihnen zwar nicht, das flüssige Methan direkt nachzuweisen: Die Spektren von flüssigem und gasförmigem Methan sind beinahe identisch, der Einfluss des atmosphärischen Methangases lasst sich deshalb nicht von der möglichen spektralen Signatur eines Sees aus flüssigem Methan unterscheiden. Doch aus dem Nachweis großer Mengen von Ethan, einem anderen Kohlenwasserstoff, schließt Brown auf die Präsenz weiterer Substanzen dieser Art, etwa Butan, Propan oder eben Methan im Ontario Lacus. Auch Stickstoff vermuten die Wissenschaftler in dem See, er macht rund 94 Prozent der Titan-Atmosphäre aus. In der neuesten Ausgabe des Magazins Nature veröffentlichten Brown und seine Mitarbeiter ihre Ergebnisse.

Cassini Mosaik der Nordhemisphäre des TitanAußer Erde und Titan kennt man bisher keinen Himmelskörper, auf dessen Oberfläche flüssige Substanzen vorkommen. Unsere Erde und der Saturnmond ähneln sich – so unterschiedlich sie sonst auch sein mögen – auch in der Zusammensetzung ihrer Atmosphären: In beiden kommt Stickstoff als häufigstes Element vor. Allerdings fehlt auf Titan der für uns so lebenswichtige Sauerstoff. Der mittlere Luftdruck auf der Oberfläche Titans liegt mit 1,6 bar nur 60 Prozent über dem unseres Heimatplaneten.

Bild links: Die Nordhemisphäre des Titan gleicht einer "Seenplatte". Das Mosaik entstand bei mehreren Vorbeiflügen der Cassini-Sonde. Die größten Seen entsprechen in ihrer Ausdehnung den Binnenmeeren der Erde. (NASA/JPL) 

Es ist nicht auszuschließen, dass auch primitive Organismen oder zumindest organische Substanzen auf dem Titan vorkommen. Der Saturnmond ist mit Mars damit weiter der heißeste Kandidat als Heimat für extraterrestrisches Leben.

Cassini-Huygens-Mission (NASA)

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