PogoWoran hapert es beim SpaceShipTwo? An der Stelle verlasse ich die gesicherte Erkenntnis und spekuliere auf Basis offiziell nicht bestätigter Berichte ein wenig. Ich bin mir aber relativ sicher, dass diese Spekulationen nicht allzu weit von der Wahrheit entfernt angesiedelt sein dürften. Zunächst aber mal die Fakten.

Dass die Sache mit dem HTPB/Lachgas-Hybridtriebwerk, dem "RocketMotorTwo", nicht so einfach funktioniert wie seinerzeit beim SpaceShipOne, ist den Leuten bei Sierra Nevada, dem Entwickler des Triebwerks, bereits vor etwa drei Jahren endgültig klar geworden. Das Problem liegt wohl nicht nur im Hochskalieren des Raketenmotors. Ein Ansatz, der im Übrigen bei Triebwerksentwicklungen in der Raumfahrt nie besonders gut funktioniert hat. Es liegt wohl auch daran, dass Sierra Nevada aus dem Motor eine Art "eierlegende Wollmilchsau" machen will, denn eine Variante dieses Hybridmotor soll auch als Kickmotor für den orbitalen Sierra Nevada Dream Chaser verwendet werden (wo dann in einem Fluggerät gleich zwei Einheiten zum Einsatz kommen sollen).

Die Probleme liegen, und hier kommen wir in die Grauzone, an zwei Stellen:

1. Am Abbrandverhalten selbst. Bildlich gesprochen beginnt das Triebwerk "Bröckchen" zu spucken, sobald mal eine gewisse Menge an Treibstoff aus dem Treibsatz weggebrannt ist. Diese mit hoher  Geschwindigkeit herausfliegenden "Bröckchen" von unverbranntem Festtreibstoff könnten die Düse beschädigen und das Vehikel unkontrollierbar machen.

2. In oszillierenden Druckschwankungen, die umso stärker werden, je mehr von der Feststoffkomponente des Treibsatzes abgebrannt ist, wodurch eine Art klassischer Pogo-Schwingungen resultiert, die eine Frequenz von 5-15 Hertz aufweisen und eine Stärke von mehreren G haben. Schwingungen dieser Stärke behindern die Piloten massiv, sind „Gift“  für die Zelle der Maschine und können in Resonanzen mit der Eigenfrequenz des Raumfahrzeugs oder sogar der Herzfrequenz der Besatzung treten und sind schon von daher hochgefährlich.

Sierra Nevada versucht offensichtlich schon seit Jahren, eine Art "Binder" zu entwickeln, der Problem eins beseitigt und experimentiert mit verschiedenen Treibsatzquerschnitten um Problem zwei zumindest zu dämpfen. Die Ergebnisse waren aber offensichtlich so wenig zufriedenstellend, dass Sierra Nevada schließlich vor zwei Jahren damit begann, eine Backup-Lösung zu entwickeln.

Die Frage ist aber jetzt, was nährt Bransons Optimismus? Beim „United Arab Emirates Gouvernement Summit“ verstieg sich Branson zu der Behauptung (nachdem er zuvor nur bekannt gegeben habe, dass er „noch in diesem Jahr“ einen suborbitalen Raumflug unternehmen werde), dass er seinen persönlichen 100-Kilometer-Trip mit SS2 bereits im September 2014 zu unternehmen gedenke.

Hat Sierra Nevada also den Durchbruch mit dem HTPB/Lachgas-Triebwerk geschafft und das Rütteln und den "Bröckerlhusten" beseitigt? Oder ist die Reserve-Entwicklung so erfolgreich, dass dieser Optimismus gerechtfertigt ist? Wie auch immer. Wenn Branson im September 2014 fliegt und dabei mehr als 100 Kilometer erreicht, spendiere ich ihm einen Kasten Maxlrainer Schlosstrunk.