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Sir RichardBei Sir Richards Fangemeinde kommt langsam aber sicher Frust auf. Immer noch sind die einzelnen Testflüge von SS2 durch fast schon geschichtliche Zeiträume voneinander getrennt und man kann nicht gerade behaupten, dass die Maschine dann bei diesen spärlich gestreuten Missionen wenigstens in großen Sprüngen ihr Leistungsspektrum erfliegt.

Dementsprechend verdichten sich die Gerüchte, dass der gegenwärtige Antriebsdesign (ein HTBP/Lachgas-Hybridtriebwerk) nicht die Leistung hat, die er braucht, um SS2 mit zwei Piloten und sechs Passagieren auf über 100 Kilometer zu katapultieren. Auf dem Prüfstand ist der Motor zwar schon mal für 55 Sekunden gelaufen. Das könnte ganz knapp für die 100-Kilometer-Marke genügen (Rumor ist allerdings, dass mit dieser Betriebsdauer lediglich 80 Kilometer drin sind). Offensichtlich treten aber ab etwa der 20. Sekunde der Brennzeit zunehmende Oszillationen auf, die zum einen die Zelle von SS2 stark belasten und zum anderen den potentiellen Passagieren nicht zumutbar sind. Wie sowas im Cockpit aussieht können Sie auf diesem Youtube-Filmchen vom Flug von SS1 auf 112 Kilometer Höhe vom Oktober 2004 ansehen. Brian Biennes Kopf rattert hier ganz schön rum (ab Filmsekunde 35). SS1 verwendete seinerzeit ein Antriebsmodul mit denselben Treibstoffkomponenten wie SpaceShip2. Beim Hochskalieren des Triebwerks (SS2 braucht einen wesentlich stärkeren Treibsatz) soll sich dieser Effekt noch verschlimmert haben.

Bis heute ist SS2 dreimal mit dem Hybridantrieb geflogen. Die maximale Geschwindigkeit, die bislang erreicht wurde, liegt bei Mach 1,4. Die maximale Höhe, die erflogen wurde, bei 21.700 Meter. Der letzte Flug von SS2 liegt jetzt schon wieder zweieinhalb Wochen zurück. Aber das war nur ein antriebsloser Gleitflug, um dem Ex Shuttle-Commander Rick Sturckow Flugpraxis auf dem SS2 zu verschaffen. Die bisherigen drei angetriebenen Flüge fanden am 10. Januar 2014 (mit 20 Sekunden Brenndauer), am 5. September 2013 (ebenfalls 20 Sekunden Brenndauer) und am 29. April 2013 (16 Sekunden Brenndauer) statt.Drei angetriebene Flüge in 10 Monaten. Wenn man davon ausgeht, dass einTestprogramm zwei oder drei Dutzend angetriebene, sicher absolvierte Flüge umfassen sollte, um von der FAA zumindest eine Minimal-Zulassung für das Fluggerät zu bekommen (Experimental-Permit und Liability Cross-Waiver zwischen Betreiber und Insassen), dann erscheint Richard Bransons gestrige Ankündigung beim "United Arab Emirates Gouvernement Summit", dass nicht nur die kommerziellen Flüge noch in diesem Jahr starten werden, sondern dass er auch noch höchstpersönlich - inklusive Familie - ebenfalls in diesem Jahr noch einen 100 Kilometer Flug unternehmen werde, doch ein ganz klein wenig - nun - zweifelhaft.

Branson war als Redner nach Dubai eingeladen und sprach am Montag (10.2.) zum Thema "What Governments can learn from leading airlines". Wenn man sich allerdings neben dem Anlass auch den Ort der Ankündigung vor Augen hält, dann erscheint seine vollmundige Behauptung in einem anderen Licht. Dann könnte es nämlich sein - ein Schelm wer dabei Böses denkt - dass dieses Statement vor allem an die Investmentgesellschaft "Aabar Investments", ansässig in - genau - Dubai, gerichtet ist. Aabar Investment ist an Virgin Galactic beteiligt und hat seine Anteile daran nach und nach auf 37,8 Prozent hochgefahren. Damit sind die Scheichs mit etwa 200 Millionen Dollar im Spiel.Kein Wunder, dass da Branson gleich noch kühn eins draufsetzt und verspricht, dass SS2 innerhalb von drei Jahren nach Beginn der kommerziellen Flüge Gewinn abwerfen wird.

So sehr ich mir das wünsche. Hier halte ich es mit Franz Beckenbauer und kann da nur sagen: "Schau mer mal".