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PanzerknackerbandeWie schon einige Start-ups der privaten Raumfahrt zuvor (Golden Spike, Planetary Ressources), hat jetzt auch Mars One mittels einer Crowdfunding-Aktion Geld eingesammelt. Ziel war es, ihre "Never-Return-To-Earth-Mission" in die Startblöcke zu stellen. Die Moneten werden für Studien eingesetzt und gehen an Lockheed in die USA und die Surrey Satellite Technology Ltd. In England. Lockheed untersucht dabei den Design eines robotischen Prospektors, der auf der Konstruktion der Landesonden Phoenix und Insight basieren soll, die Lockheed für die NASA gebaut hat (respektive grade baut). Surrey soll das Konzept für einen Mars-Orbiter untersuchen, der in einem Synchronorbit über dem Lander stationiert wird und die Funkverbindung zu ihm aufrechterhalten soll. Beide Raumfahrzeuge sollen - mächtig optimistisch - 2018 gestartet werden.

Das selbstgesteckte Ziel für die Kollekte, die auf der Plattform von Indiegogo lief, waren 400.000 Dollar. Das hat die Truppe um den Holländer Bas Landsdorp am Ende zwar verfehlt, landete aber gar nicht so weitab vom Zielbetrag. Immerhin kamen 313.749 Dollar von 8.152 Spendern zusammen.

Ein ähnlich großer Betrag ist angeblich bereits in der Kasse von Mars One und kommt von Film- und Buchrechten. Die Haupt-Finanzquelle für das Vorhaben, wenn es in die nächste Phase geht, sollen aber Reality-Shows im Fernsehen sein. Die werden neben der Geldbeschaffung vor allem den Zweck haben, die Crew der ersten Expedition auszuwählen. Eine Art Mars-Dschungelkamp also.

Das Show-Format ist von vorneherein dazu verurteilt, ein Kassenschlager zu werden. Alles darunter ist sinnlos, denn für die Entwicklung und Durchführung der Mission braucht Mars One - selbst geschätzte - sechs Milliarden Dollar. Damit wird neben der Erstausrüstung gerade mal eine Kleinbesatzung von vier Leuten zum Mars geschafft. Um die geplante Station am Leben zu erhalten, muss alle 26 Monate eine weitere Expedition zum roten Planeten aufbrechen. Für vier Milliarden Dollar!! Pro Mission!!! Klingt nach viel, aber für so einen Betrag schaltet die NASA noch nicht mal das Licht auf der Startrampe ein.

Schade nur, dass die Chance, diese Idee zu realisieren, ungefähr ähnlich gering sind, wie die Wahrscheinlichkeit, dass Maria Empfängnis und Maria Himmelfahrt auf dasselbe Datum fallen. In beiden Fällen bräuchte es viel göttlichen Beistand. Das hat auch Ulrich Walter, Deutschlands Oberguru in allen Raumfahrtfragen erkannt, und das Thema schon mal in den Medien gerädert und gevierteilt.

Ich denke, wir sollten das nicht so bierernst deutsch betrachten, sondern als das nehmen, was es ist: Wieder mal eine pfiffige und ambitionierte Idee unserer niederländischen Nachbarn. Und sollte Gott ein Mirakel statuieren, und Bas Landsdorp bekommt sein Projekt in die nächste Phase: Meine Unterstützung und Zustimmung hat er. Die Idee der One-Way-Mission hat ihren Reiz. Ich finde die Idee spannend, kein bisschen unethisch und den einzigen Nörgelpunkt, den ich momentan habe ist die Frage, warum zum Teufel das kleine Holland so spannende Raumfahrtideen auf die Schiene setzt und nicht mal ausnahmsweise einer bei uns im Lande der Nörgelpötte und Problemhuber.