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Ich habe eine Vision. Das heißt, eigentlich habe ich viele Visionen. In meiner Küche hängt, aus einer Zeitung herausgerissen, ein Inserat eines bekannten österreichischen Nachrichtenmagazins, darauf zitiert der Ausspruch eines bekannten deutschen Politikers: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

Edwin "Buzz" Aldrin; Credit: NASAAbgebildet auf dem Sujet ist Edwin „Buzz“ Aldrin, der Fotograf der Aufnahme war Neil Armstrong, weil auf dem Mond sonst gerade keiner da war. Aber ich träume nicht davon, dass Menschen auf dem Mond landen werden (obwohl, davon auch. Angeblich waren ja schon welche dort, auch wenn manche das bestreiten.1)

Ich träume von Dingen, die nicht funktionieren können und es eines Tages vielleicht trotzdem werden. Allerdings viel weniger technisch als die Mondlandung. Ja geradezu technologielos. Ich träume von einer Stadt ohne Autos.

Stellen Sie sich vor, all die Straßen, in denen Stoßstange an Stoßstange Blechschüsseln gereiht sind, unübersehbar, manche am Straßenrand stehend, andere lärmend undstinkend in der Kolonne rollend – stellen Sie sich vor, sie alle wären einfach weg. Eine leere Straße. Man könnte zu Fuß gehen.

Solche Gedanken kommen mir, wenn ich zur Arbeit gehe. Jetzt denken Sie sicher: „Ja, wenn ich bloß fünf Minuten von der Arbeit entfernt wohnen würde, dann wür-de ich auch zu Fuß gehen!“

Allerdings wohne ich nicht fünf, sondern fünfundfünfzig Gehminuten (bei flottem Gang) von meiner Firma entfernt. Mit der U-Bahn brauche ich nur 15 bis 20 Minuten.

Trotzdem gehe ich gerne zu Fuß. Das erspart mir, am Abend joggen zu gehen. Viele Leute, die joggen gehen, fahren ansonsten überallhin mit dem Auto. Und dann gibt es Leute, die fahren mit dem Auto ins Fitnessstudio (noch besser!).

Natürlich werden in einer Kraftkammer mehr Muskeln bedient als beim bloßen Gehen. Wie wäre es, falls das nötig ist, mit Schwimmen oder Rad fahren? Nur so eine weitere Vision.

Stellen Sie sich mal vor, Sie würden zu Fuß zur Arbeit gehen - rein theoretisch - das wäre doch viel netter ohne die rollenden Blechlawinen, oder? Fahrrad fahren wäre auch zumindest leise und geruchslos (von transpirierenden Cyclopen mal abgesehen). Jetzt kommt aber Ihr fast unschlagbares Gegenargument: „Aber was ist, wenn es regnet oder schneit?“

Bingo - jetzt haben Sie mich am falschen Fuß erwischt. Keine Ahnung! Ich würd mich warm anziehen! Rad fahren kommt da natürlich (für mich zumindest) nicht mehr infrage.

Aber lassen Sie mich Ihnen noch eine weitere Vision unterbreiten: Überlegen Sie mal, was jede einzelne Metallkiste kostet. Und zwar alles: Anschaffung, Sprit, Steuer,Versicherung, Reparaturen, Strafmandate, Waschbärschwanz an der Antenne und so weiter. Zählen Sie die Kübel in Ihrer Straße und multiplizieren Sie diese Zahl mit den vermuteten Kosten pro Kiste.

Wenn man diese Summe durch die Kosten, die ein Bus verursacht (Chauffeur inkludiert) dividiert, müsste man auf einige Busse kommen. Ich habe dieses Gedankenexperiment noch nie gemacht, aber so grob geschätzt – ein Bus pro Gasse müsste sich irgendwie ausgehen.

Wie oft Sie diesen Bus fahren lassen, überlasse ich Ihrer Phantasie. Mein Vorschlag wäre: mindestens alle fünf Minuten. Pro Straße. Und außer diesem Bus, der alle fünf Minuten fährt, keine Autos. Wär das nicht schön?

Nox   

Wer die Idee zwar nicht so schlecht, aber zu radikal findet und vor allem nicht gleich ganz aufs Auto verzichten möchte, der meditiere mal über eine von folgenden Seiten: www.stattauto.de, www.carsharing.de, www.denzeldrive.at, www.mobility.ch.

1) Angeblich kann kann mit Modellrechnungen beweisen, dass Hummeln wegen ihrer im Vergleich zum Körpergewicht zu kleinen Flügel nicht fliegen können und dass Offsetdrucknicht funktioniert.
Ob Sie schon jemals eine Hummel fliegen gesehen haben, entzieht sich meiner Kenntnis, aber auf jeden Fall gibt es Beweise, dass Offsetdruck funktioniert – und zwar in Form  von Magazinen.
Meiner Meinung nach fällt die Frage, ob Menschen auf dem Mond gelandet sind oder nicht in eine ähnliche Kategorie – es kann zwar nicht funktionieren, aber funktioniert hat es trotzdem.