Genesis-Crash; Credit: NASA Der Untersuchungsausschuss ermittelte als Ursache eine Geschichte, die sich ungefähr wie folgt abgespielt hatte:

Ein ratloser Techniker sitzt vor der Elektronikbox der Raumsonde Genesis und ist grade dabei das Ding einzubauen. Das Gerät ist winzigklein und an jedem Ende ragt ein Draht raus. Schwer zu erkennen, was denn nun vorne und was hinten ist. Die Schränke um den Techniker herum sind zwar bis zur Decke hin voll mit Dokumenten, die den Einbau des Gravity Switches bis ins allerkleinste Detail beschreiben. Doch der Feierabend ist nah und die Liebste wartet schon beim Italiener um die Ecke.

Der Techniker dreht das kleine Bauteil ratlos in der Hand. Die beiden Enden sehen sich aber auch so was von ähnlich. Er setzt das Gerät in die Elektronikbox ein. Es passt nicht gleich beim ersten Versuch. Der Mann, nennen wir ihn Joe, kratzt sich am Kopf, runzelt die Stirn, und fragt schließlich seinen Kollegen: "He Jim, der Fummel will einfach nicht rein. Was soll ich denn machen"? Und der meint nach einem flüchtigen Blick: "Dreh das Ding doch mal kurz um, Joe".

Genesis; Credit: NASAUnd der Produktsicherungs-Ingenieur war mal wieder Kaffeeholen. 

Der Fehler alleine hätte im Übrigen die 250 Millionen Dollar teure Raumsonde noch gar nicht zum Absturz bringen müssen.

Das passierte erst, weil die Lockheed-Ingenieure ein Reservesystem konstruierten, dessen Logik exakt genauso funktionierte wie die des Hauptsystems. Und für das auch exakt baugleiche Teile benutzt wurden, die exakt vom gleichen Techniker exakt genauso falsch eingebaut wurden.  Mindestens fünf Kubikmeter an Produktsicherungsanleitungen schreiben detailliert vor, dass ein Reservesystem erstens komplett anders konstruiert sein muss als das Primärsystem, und dass zweitens dafür auch Bauteile eines anderen Herstellers benutzt werden müssen. 

Aber der Produktsicherungs-Ingenieur war zu der Zeit wahrscheinlich grade auf der Krankenstation, um seine Koffeinvergiftung kurieren zu lassen.

Beagle 2; Credit: ESA Wir in Europa sollten darüber nicht in Häme ausbrechen. Wir haben unseren eigenen und gar nicht kleinen Anteil an derlei Missgeschicken.

Da war zum Beispiel diese Sache mit den Transportsicherungen am Solargenerator eines Nachrichtensatelliten, welche die Techniker bei den Startvorbereitungen am Boden nicht entfernt hatten. Sie verhinderten, dass sich eines der Sonnensegel im Weltraum entfalten konnte. Der von der Trägerrakete präzise in die vorgesehene Bahn gebrachte Satellit musste als Totalverlust abgeschrieben werden.  

Und nicht lange danach vergaß ein Techniker ein Reinigungstuch in der Treibstoffleitung einer Ariane 4-Trägerrakete, worauf diese samt ihrer Nutzlast kurz nach dem Abheben abstürzte.

Besonders peinlich - und deshalb sollten wir diese Sache etwas genauer beleuchten - war Europas erster Versuch, ein Raumfahrzeug auf dem Mars zu landen.

Nur zur Erinnerung: Das letzte Mal, dass man etwas von dieser Landesonde namens Beagle 2 hörte, war, als sie sich am 19. Dezember 2005 vom Orbitfahrzeug Mars Express abkoppelte, auf dem sie die Reise zum Roten Planeten huckepack unternommen hatte. Am 25. Dezember hätte sie auf dem Mars landen sollen. Doch niemand weiß, was aus ihr geworden ist, denn Beagle 2 hat nie auch nur ein Bit an Daten zur Erde gesendet. Genauso gut hätte die ESA zwei Säcke Zement zum Mars fliegen können. Das Ergebnis wäre exakt das gleiche gewesen, nur billiger. 

Wie es dazu kam erfahren Sie in Teil vier unserer Serie…

Astra