NOAA 8 Prime Schaden; Credit: Drew Chaplin Raumfahrttechnik genießt den Ruf, höchste technische Standards mit äußerster Arbeitspräzision und überlegener Professionalität zu verbinden. Weltklasse an Qualität. Geniale Ingenieure. Und wenn's wirklich mal schief geht, dann nur, weil man sich im Grenzbereich vom technisch gerade noch Machbaren zum Unmöglichen einen Schritt zu weit vorgewagt hat.

Vergessen Sie's. Die meisten der teuren Fehlschläge in der Raumfahrt passieren nicht in unerforschten technischen Dimensionen, sondern ganz saublöd bei Alltagsbeschäftigungen. Einfach deswegen, weil auch hier nur Menschen wie Du und ich arbeiten. So wie eines Montagmorgens bei Lockheed in Sunnyvale, Kalifornien. Schauplatz: das Integrationsgebäude für Forschungssatelliten.

NOAA 8 Prime Schaden; Credit: NasawatchGähnende, noch etwas verschlafene Menschen tröpfeln nach und nach in die kleine Küche gleich neben dem Eingang, holen Tassen aus dem Hängeschrank, rühren Milch, Kaffee und Zucker zusammen und klönen ein bisschen über das Baseballspiel vom Wochenende oder wie sie am Samstag die scharfe Braut in der Disco klargemacht haben.

Dann gehen sie rüber in den kleinen Umkleideraum, ziehen sich ihre Bunny-Suits an, wie sie ihre Reinraumklamotten nennen, und schlurfen durch die Schleuse. Im weißgetünchten Cleanraum werfen sie einen flüchtigen Blick auf ihr "Baby", den ultramodernen, brandneuen, Hightech-Wettersatelliten der nächsten Generation namens "NOAA-N Prime": sechs Meter hoch, drei Tonnen schwer und so teuer wie sein Gewicht in Platin und Edelsteinen: 275 Millionen Dollar.

Seit sie ihn am Freitagnachmittag verlassen haben steht das Raumfahrzeug auf dem "Turn over cart", einem Dreiachsen-Drehtisch, der dazu dient den Satelliten so zu positionieren, dass man bequem dran arbeiten kann. Damit er da nicht herunterfällt ist er mit 24 Bolzen fixiert. Normalerweise. 

NOAA M misshap; Credit: nasawatchAuf dem kleinen Arbeitstisch an der Hallenwand liegt die Mappe mit der Montageanleitung. Vom Freitagnachmittag ist noch die Seite aufgeschlagen, die das Laden der Batterien beschreibt. Okay, an der Stelle geht's also weiter. Einer der Techniker, nennen wir ihn Jim, guckt flüchtig in das Dokument, wedelt mit der Hand zu seinem Kollegen, der schon sich an der Fernbedienung für den Drehtisch zu schaffen macht, gähnt noch einmal herzhaft und meint: "Also weiter mit der Batterie. Dreh das Ding doch mal kurz um, Joe".

Und Joe tut, wie ihm geheißen, drückt ein paar Knöpfe, Stromkreise schließen sich, ein Elektromotor summt, der Drehtisch setzt sich in Bewegung und beginnt langsam zu rotieren…und der Alptraum jedes Raumfahrtingenieurs wird wahr…der Satellit rutscht an die Kante der Plattform, verharrt dort einen Moment, kippt dann vornüber und kracht einen Meter tiefer auf den Hallenboden. Ein Raumfahrzeug im Preis eines Ozean-Liners hat nur noch Schrottwert.

Dumm gelaufen. Aber wie gesagt, auch in der Raumfahrt arbeiten eben nur Menschen.

Teil 2: In Kürze. Schauen Sie vorbei.

Astra