Eine russische Trägerrakete des Typs Proton M Briz M brachte vom Kosmodrom in Baikonur aus zwei recht unterschiedliche und dennoch sehr ähnliche Raumfahrzeuge auf einen supersynchronen Transferorbit. Bei dem einen handelt es sich um das so genannte Mission Extension Vehicle 1 (kurz: MEV 1) und bei dem anderen um dem Kommunikationssatelliten Eutelsat  West B, der in Zusammenarbeit zwischen Airbus Defence and Space und Northrop Grumman entstanden ist.

Der Start erfolgte um 12:17 Uhr von der Rampe 200/39 des Startzentrums. Knapp 16 Stunden später gab die Briz M-Oberstufe die beiden Satelliten frei. Die erzielten Bahnparameter resultierten in einem Perigäum von 11.980 Kilometer, einem Apogäum von 64.948 Kilometer und einer Bahnneigung zum Äquator von 13,4 Grad.

Eutelsat 5 West B wurde gemeinsam von Airbus DS und Northrop Grumman gebaut. Airbus lieferte die Nutzlast des Satelliten, Northrop Grumman war für den Design, Integration und Test und für die Bereitstellung der GEOStar-Plattform zuständig. Der Satellit hat neben seiner standardmäßigen Kommunikationsausrüstung (35 Transponder und zwei Entfaltreflektoren) eine Nutzlast mit der Bezeichnung "European Geostationary Navigation Overlay Service Payload" an Bord, der das US GPS-System in Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Positionsdatenübermittlung unterstützt. Das Raumfahrzeug war beim Start 2.864 Kilogramm schwer. Es wird auf 5 Grad westlicher Länge stationiert werden.

Der andere Satellit ist das 2.326 Kilogramm schwere so genannte Mission Extension Vehicle, das ebenfalls von Northrop Grumman stammt und ebenfalls auf der GEOStar-Plattform basiert. Seine Aufgabe ist es, die Lebensdauer von aktiven Satelliten, deren Treibstoffvorräte nahezu aufgebraucht sind, um fünf oder mehr Jahre zu gewährleisten.

Dazu wird sich das MEV - ausgehend vom supersynchronen Transferorbit  auf  dem es abgesetzt wurde - zunächst auf eine Anflugbahn zum Zielsatelliten gebracht. Dieses Manöver wird zwar aufgrund der eingesetzten Ionentriebwerke sehr treibstoffeffizient sein, aber auch recht lange dauern, nämlich etwa dreieinhalb Monate. In dieser Zeit wird der Zielsatellit stillgelegt und auf den "Friedhofsorbit" verbracht, der 300 Kilometer über dem geostationären Gürtel liegt. Er wird danach also auf einer Kreisbahn in 36.100 Kilometern fliegen. Nachdem das geschehen ist wird das MEV noch während der Anflugphase genau gecheckt. Ist das der Fall, dann führt es das Rendezvous mit dem Zielsatelliten durch.

In der Endphase des Manövers gibt es eine komplexe Abfolge von Annäherungen und Zwischenhalten, den so genannten "waypoints", bis dann der Endanflug und das Anlegen am Zielsatelliten erfolgen. Das erfolgt mit einem Robotarm bewerkstelligt, der sich am Apogäumstriebwerk des Zielsatelliten festmacht. Danach wird das MEV alle weiteren Antriebs- und Lageregelungsfunktionen für den Zielsatelliten übernehmen.

Der erste Kunde dieses MEV wird Intelsat 901 sein, und für diesen Satelliten fünf Jahre lang die Antriebs- und Lageregelungsfunktionen übernehmen. Danach gibt es eine Option für eine Einsatzverlängerung um zwei weitere Jahre. Die gesamte Einsatzlebensdauer des MEV wird etwa 15 Jahre betragen, was bedeutet, dass es bis zu drei solcher Manöver durchführen könnte.

Ein zweites MEV ist bereits im Bau und soll in der ersten Hälfte des kommenden Jahres starten.

Bild: Start der Proton M Briz M mit Eutelsat 5 WB und dem MEV-1; Credit: Roskosmos