Die Tage der russischen Kleinträgerrakete Rokot sind gezählt. Bei ihrem wahrscheinlich drittletzten Einsatz brachte sie einen militärischen Geodäsie-Satelliten der Geo-IK-2 Reihe in den Orbit. Diese Einheiten gehören zur dritten Generation russischer Satelliten dieser Aufgabenstellung, die sowohl zivile als auch militärische Anwendung hat.

Der Start von Geo-IK-2 Nr. 3 erfolgte um 16:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startanlage 133/3 in Plesetzk. Gut eine Stunde nach dem Liftoff, nach zwei Brennmanövern der Briz-KM Oberstufe, trennten sich Raumfahrzeug und Träger in einer fast genau kreisförmigen Umlaufbahn in 950 Kilometern Höhe mit einer Inklination von 99,27 Grad. Nach dem erfolgreichen Start wurde die Einheit in Kosmos 2540 umbenannt.

Die erste Generation der – damals sowjetischen -  Geodäsie-Satelliten bildete die Geoid-Sfera Serie, von der zwischen Februar 1968 und Dezember 1978 18 Stück mit Kosmos-M Trägerraketen in den Orbit gebracht wurden. Danach kam die Geo-IK Reihe, von der zwischen Januar 1981 und November 1994 14 Stück mit Tsiklon-Raketen gestartet wurden. Wegen des Zusammenbruchs der Sowjetunion kam es dann zu einer längeren Unterbrechung von Starts dieser Satelliten, bis im Februar 2011 der erste Geo-IK-2 Satellit gestartet wurde.

Die Geo-IK-Satelliten werden von Reschtnew gebaut. Sie sind dreiachsen-lagestabilisiert und wiegen etwa 900 Kilogramm. Das Hauptinstrument des Satelliten ist der SADKO-3 Radarhöhenmesser. Ihre Lebensdauer soll mindestens fünf Jahre betragen.

Bei der Rokot handelt es sich um eine „konvertierte“ Interkontinentalrakete des Typs US-100N (Nato-Codebezeichnung: SS-19 „Stiletto“). Die Sowjetunion hat noch zwei Raketen dieses Typs, die mit ukrainischer Elektronik ausgerüstet sind, auf Lager. Angeblich ist eine Rokot 2 in Planung. Das wäre dieselbe Basisrakete aber mit einer russischen Flugsteuerung. Die dritte Stufe der Rokot-Trägerrakete ist eine Briz-KM, die nicht zum militärischen Inventar gehört. Sie macht die eigentliche „Konvertierung“ der Rakete aus, denn es handelt sich hier um eine rein zivile Oberstufe. Die Briz-KM wird, in einer vergrößerten Version als Briz-M, auch auf der Proton M-Trägerrakete verwendet.

Bild: Ein Satellit der Geo-IK-2 Serie; Credit: Reschetnew