China erprobte am 17. August mit der vierstufigen Jielong-1 zum zweiten Mal in diesem Jahr, und zum vierten Mal innerhalb der letzten zehn Monate, einen neuen Kleinträger. Zwei dieser vier Erstflüge, unter ihnen der aktuelle, waren erfolgreich. Startort war der nordchinesische Weltraumbahnhof Jiuquan. Die Mission wurde von der China Long March Rocket Corporation gemanagt, einer Ausgründung der CALT (China Academy of Launch Vehicle Technology).

Mit der Einführung der Jielong-1 wird die Lage auf dem chinesischen Mikro- und Mini-Launcher-Markt langsam unübersichtlich. Innerhalb des letzten Jahres erlebten die ZhuQue-1 von Landspace, die OS-M1 von One Space, die Hyperbola 1 von iSpace und jetzt eben die Jielong-1 von der CLMRC ihren Erstflug. Bereits zuvor standen die Langer Marsch 11 von CALT, die Kuiaizhou-1 und 1A von CASIC und die Kaitouzhe-2, ebenfalls von CASIC im Dienst.

Die Jielong-1 weist eine Startmasse von 23 Tonnen auf. Sie ist 19,5 Meter lang, bei einem Durchmesser von 1,2 Metern. Sie ist in der Lage, eine Nutzlast von 150 Kilogramm auf einen 700 Kilometer hohen sonnensynchronen Orbit abzuliefern. Gestartet wird sie von einem mobilen Transporter aus, der sie auch zum Startgelände bringt.

An Bord der Rakete befanden sich drei Satelliten. Bei den Nutzlasten handelt es sich um den

  • 65 Kilogramm schweren Erdbeobachtungssatelliten QianSheng-1 der von QianSheng Exploration entwickelt und gebaut wurde.
  • Der 10 Kilogramm schwere Erdbeobachtungssatellit XingShiDai-5, eine gemeinsame Entwicklung von MinoSpace und ADA-Space, und um den
  • Acht Kilogramm schweren TianQi-1 von Guodian Gaoke, ein Technologiesatellit

Die Rakete weist einige ungewöhnliche Besonderheiten auf, die einen militärischen Ursprung des Projektils vermuten lassen: die vierte Stufe und die Nutzlast befinden sich um 180 Grad gedreht auf der dritten Stufe. Die Nutzlast ist somit beim Start zwischen dritter und vierter Stufe im Sandwich. Nach der Stufentrennung und der Trennung von der Fairing muss sich die Kombination erst um 180 Grad drehen, bevor sie weiter beschleunigen können. Auch die „Fairing“ selbst ist ungewöhnlich gestaltet, denn dabei handelt es sich nicht einfach um eine Schutzhülle, die den Satelliten beim Start vor den thermischen und dynamischen Lasten schützt. Vielmehr befindet sich darin ein integriertes kombiniertes Rollkontroll- und Lageregelungssystem für den Träger.

Bild: Jielong-1 auf dem Startpodest neben dem Transportfahrzeug; Credit: CALT