Am 22. Juli startete die indische Raumfahrtagentur ISRO die Mondsonde Chandraayan 2 zum Erdtrabanten. Als Träger kam die stärkste indische Rakete zum Einsatz, das GSLV Mark III. Das komplexe Raumfahrzeug besteht aus drei Einzelelementen: Einem Orbiter, einem Lander und einem Rover. Sollte die Landung erfolgreich sein, wird Indien die erst vierte Nation werden, der eine Landung auf dem Mond gelingt. Das vollbrachten zuvor nur die Sowjetunion, die USA und China.

Die Mission begann an der Startrampe 2 des Satish Dhawan Raumfahrtzentrums auf der ostindischen Insel Shriharikota. Startzeitpunkt war 11:13 Uhr mitteleuropäischer Zeit. 16 Minuten und 14 Sekunden nach dem Liftoff wurde die Sonde in einem Orbit mit einem Perigäum von 170 Kilometern und einem Apogäum von 45.745 Kilometern abgesetzt. Von dort aus wird sich die Sonde mit ihrem eigenen Antriebssystem in Richtung Mond bewegen.

Ursprünglich sollte die Mission schon im Jahre 2011 mit wesentlichen Anteilen aus Russland erfolgen. Aber finanzielle und technische Schwierigkeiten auf russischer Seite verzögerten das Projekt immer mehr. Nach mehrjährigen Verschiebungen entschloss sich Indien schließlich, die Mission vollständig alleine durchzuführen.

Um die Nutzlastmasse zu optimieren und Treibstoff zu sparen, wird die ISRO ein langsames und komplexes Annäherungsmanöver durchführen. Der Anflug zum Mond, ausgehend von einer hochelliptischen Erdumlaufbahn, die bei jedem Orbit durch Brennmanöver im Perigäum spiralförmig immer weiter in den Weltraum hinausgeschoben wird, dauert 30 Tage. Dann erfolgt das Bremsmanöver in eine hochelliptische Mondumlaufbahn auf der sich Chandraayan 2 im Laufe von 13 Tagen immer weiter nach unten "spiralisiert", bis schließlich ein polarer Orbit in einer Kreisbahn von 100 Kilometern erreicht ist. Danach trennt sich der Orbiter von der Lander/Rover-Kombination. Vier Tage später soll dann die Landung in der Südpolar-Region des Mondes erfolgen.

Der Orbiter alleine wiegt beim Start 2.379 Kilogramm und ist mit acht Experimenten bestückt. Der Vikram-Lander wiegt, zusammen mit dem nur 27 Kilogramm schweren Rover, insgesamt 1.444 Kilogramm zu Beginn des Abstieges auf die Mondoberfläche. Sowohl der Lander als auch der Rover werden nur einen Mondtag, also 14 Erdentage, überleben. Der Vikram-Lander ist mit allen modernen Features eines interplanetaren Landefahrzeugs ausgerüstet, inklusive einer "hazard avoidance camera" und einer entsprechenden Software, die den Lander unerwarteten Hindernissen im Endanflug ausweichen lässt. Er kann außerdem Steigungen und Senken von 12 Grad bewältigen. Der Vikram-Lander wird nach der Landung als Kommunikations-Relay zwischen Lander und Rover dienen.

Der sechsrädrige Rover "Pragyan" (Sanskrit für: Weisheit) kann theoretisch an dem einen lunaren Tag, den er überleben wird, etwa 500 Meter weit fahren. Seine Maximalgeschwindigkeit beträgt 3,6 Kilometer pro Stunde.

Bild: Start der GSLV Mk. III mit Chandraayan 2; Credit: ISRO