Eine russische Trägerrakete des Typs Proton M Blok DM-03 brachte am 12. Juli das deutsch-russische Röntgenteleskop Spektr-RG auf den Weg zum Librationspunkt L2 des Erde-Sonne-Systems. Der Start erfolgte um 14:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startanlage 81/24 des russischen Weltraumbahnhofs Baikonur. Die Nutzlast wurde gut zwei Stunden nach dem Start von der Blok DM-03 Oberstufe ausgesetzt.

Die Blok DM-03 Oberstufe erlebte ihren insgesamt erst vierten Einsatz. Üblicherweise wird die Proton M mit der Briz-Oberstufe ausgestattet, die mit der hypergolen Treibstoffkombination aus Hydrazin und Stickstofftetroxid arbeitet. Die Blok DM-03 verwendet dagegen Kerosin und flüssigen Sauerstoff. Die beiden ersten dieser vier Einsätze scheiterten jeweils, allerdings aus Gründen, die nicht von der Oberstufe selbst verschuldet wurden.

Die ersten drei Stufen bringen, in der Proton M-typischen Weise, die so genannte Orbitaleinheit bestehend aus Oberstufe und Nutzlast auf eine orbitnahe Suborbitalbahn. Nach der Trennung der dritten Stufe führte die Blok DM-03 eine sechs Minuten lange Freiflugphase durch. Danach zündete sie für etwa 90 Sekunden und brachte die Orbitaleinheit zunächst auf eine niedrige Erdumlaufbahn. Danach folgte erneut eine Driftphase, dieses Mal 78 Minuten lang. Danach führte die Stufe ein zweites Brennmanöver von neun Minuten Dauer durch. Acht Minuten nach deren Brennschluss gab die Blok DM-03 das Raumfahrzeug frei.

Spektr-RG basiert auf der "Navigator-Plattform" von NPO Lavochkin, die auch für die Elektro-L Wettersatelliten und für Spektr-R verwendet wurde. Das Raumfahrzeug ist über alle drei-Achsen lagestabilisert. Die beiden Solargeneratoren erzeugen knapp zwei Kilowatt an elektrischer Leistung. Die Kommunikation und Datenübermittlung erfolgt über ein S-Band-System. Die Startmasse des Raumfahrzeugs betrug 2.713 Kilogramm.

Spectr-RG wird nun etwa drei Monate benötigen, bis sie ihre Arbeitsposition 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, erreicht hat und alle Inbetriebnahmeprozeduren und Tests durchgeführt sind.

Spektr-RG ist ein Gemeinschaftsprojekt der russischen Weltraumagentur Roscosmos mit dem DLR, sowie weiteren Forschungsinstituten und Universitäten in Russland und Deutschland. Spektr-RG ist das zweite von drei Weltraumteleskopen, die den Kosmos in einem weiten Band elektromagnetischer Frequenzen untersuchen sollen. Spektr-RG soll dabei das Röntgen- und Gammaspektrum erkunden. Von daher rührt auch sein Name, denn Spektr-RG steht für "Spektrum Röntgen Gamma". Das erste Raumfahrzeug dieser Reihe war Spektr-R (R für Radio), der im Juli 2011 gestartet worden war, und im Januar dieses Jahres etwas unerwartet seine Sendungen einstellte. Die dritte Einheit, Spektr-UF (für sichtbares und ultraviolettes Licht) soll 2025 starten.

Die Primärmission von Spektr-RG ist auf sieben Jahre ausgelegt. Zwei Röntgenteleskope an Bord sollen in dieser Zeit den Himmel in unterschiedlichen Röntgenbändern mehrfach vollständig abscannen und gegen Ende der Missionszeit auch Einzelziele genauer unter die Lupe nehmen. Diese beiden Teleskope tragen die Namen ART-XC (für: Astronomical Röntgen Telescope - X-ray Concentrator) und eROSITA (für: extended Röntgen Survey with an Imaging Telescope Array). Das 350 Kilogramm schwere ART-XC wurde von der russischen Akademie der Wissenschaften entwickelt und enthält auch Komponenten, die das Marshall Spaceflight Center der NASA zur Verfügung gestellt hat. Das Teleskop beobachtet Röntgenstrahlung im Bereich zwischen 0,25 und 0,041 Nanometer. Das 817 Kilogramm schwere eROSITA stammt vom deutschen Max Planck-Institut für extraterrestrische Physik und beobachtet die Strahlung im Bereich zwischen 4,1 und 0,12 Nanometer Wellenlänge.

Bild: Start der Proton M Blok DM-03 an der Startanlage 81/24 in Baikonur. Credit: Roscosmos