Der Fehlstart einer VEGA-Trägerrakete der Arianespace führte am 11. Juli zu einem der schwersten Versicherungsschäden in der Geschichte der Raumfahrt. Etwa zwei Minuten nach dem Liftoff vom VEGA Launch Complex in Kourou erlosch aus noch ungeklärter Ursache der Feststofftreibsatz der zweiten Stufe und die Rakete stürzte in den Atlantik. Mit ihr der Falcon Eye 1-Aufklärungssatellit, den Airbus SAS für die Vereinigten Arabischen Emirate gebaut hatte. Es war der erste Fehlstart einer VEGA. Vierzehn vorausgegangene Missionen waren erfolgreich verlaufen.

Bislang sind keinerlei Details über den Fehlstart an die Öffentlichkeit gelangt. Somit bleiben die Beobachtungen von Experten für die bisherige Interpretation des Vorfalls. Danach scheint die Zefiro 23-Zweitstufe der VEGA wenige Sekunden nach ihrer Zündung erloschen zu sein. Eine extrem eigenartige Beobachtung, denn - einmal gezündet - brennen Feststofftriebwerke bis zum vollständigen Verbrauch des Treibstoffes. Tatsächlich ist es kaum möglich - außer mit einem massiven Druckabfall in der Abbrandzone - ein einmal gezündetes Feststofftriebwerk überhaupt abzuschalten. Dies könnte auf einen massiven Bruch des Feststoffgehäuses hindeuten.

Gleich nach Auftreten der Anomalie wurde behauptet, die Zündung der zweiten Stufe wäre gar nicht erfolgt. Die für Außenstehende zugänglichen Daten belegen allerdings, dass die höchst Geschwindigkeit der Mission - 2,17 Kilometer pro Sekunden - exakt zwei Minuten und 13 Sekunden nach dem Liftoff erzielt worden war. Die Brenndauer der Erststufe beträgt lediglich 107 Sekunden. Wenn also die Höchstgeschwindigkeit vor dem Versagen bei 133 Sekunden erzielt wurde, bedeutet das, dass die zweite Stufe bereits lief, als der Ausfall eintraf. Das lässt dann nur noch Raum für relativ exotische Fehlerszenarien offen. Man kann gespannt sein, was die Untersuchungsberichte zeigen.

Bei der Nutzlast handelte es sich um den militärischen Aufklärungssatelliten Falcon Eye 1. Er war von den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammen mit Falcon Eye 2 für insgesamt 700 Millionen Euro auf Preisbasis 2013 bei Airbus Defence and Space in Toulouse beschafft worden. In dieser Summe sind auch die Bodenelemente des Systems mit beinhaltet. Das Raumfahrzeug wog beim Start 1.197 Kilogramm und sollte auf einen sonnensynchronen Orbit in 610 Kilometern Höhe gebracht werden. Falcon Eye 2 sollte gegen Ende des Jahres ebenfalls mit einer VEGA gestartet werden.

Sowohl die Rakete als auch die Nutzlast waren mit einer hohen Summe (416 Millionen Dollar) versichert, unter anderem bei der Münchner Rück. Insofern hält sich der wirtschaftliche Schaden, außer für die Versicherer, in Grenzen. Mit der Reputation der VEGA als hoch zuverlässiger Träger ist es allerdings erstmal vorbei.

Bild: Bei den Startvorbereitungen wird Falcon Eye 1 in die Nutzlastverkleidung eingeschlossen. Bild: Arianespace