Eine russische Trägerrakete des Typs Sojus 2.1b „Fregat“ brachte am 5. Juli insgesamt 33 Satelliten in eine polare sonnensynchrone Erdumlaufbahn. Startort war der sibirische Weltraumbahnhof Wostotschny. Hauptnutzlast an Bord des Trägers war der Wettersatellit Meteor M 2-2. Das Raumfahrzeug ist die Ersatzeinheit für ein baugleiches Fluggerät, das bei einem Fehlstart im Jahre 2017 verloren ging. Es war der vierte Start von Wostotschny aus, seit dieses Raumfahrtzentrum im Jahr 2016 seinen Dienst aufnahm. Bislang ist dort allerdings nur eine einzige Rampe in Betrieb, eben die für die Sojus-Raketen.

Der Fehlstart vom November 2017 war nicht auf ein Versagen der Rakete zurückzuführen, sondern auf einen Programmierfehler in der Software, bei der von einem Start in Baikonur anstelle von Wostotschny ausgegangen wurde.

Die Startmission für das 2.750 Kilogramm schwere Raumfahrzeug begann um 14:41 Uhr Ortszeit, entsprechend 6:41 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Gut eine Minuten nach dem Ausbrennen der dritten Stufe zündete die Fregat ein erstes Mal für 77 Sekunden, um die gesamte Kombination aus Oberstufe und Satelliten, die so genannte Orbitaleinheit, auf einen Parkorbit zu bringen. 47 Minuten darauf erfolgte ein zweites Brennmanöver. Danach war eine Umlaufbahn mit einem Perigäum von 790 Kilometern, einem Apogäum von 830 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 98,6 Grad erreicht. Eine Minute nach dem Abschluss dieses Brennmanövers trennte sich Meteor M von der Orbitaleinheit.

Mit zwei weiteren Brennmanövern begab sich die Fregat danach auf einen Orbit in einer Höhe von 530 Kilometern, um die 32 Cubesats abzusetzen. Drei dieser Satelliten, jeweils 3-Unit-Cubesats, stammen von russischen Universitäten mit einem Co-sponsoring von Roskosmos. Dabei handelt es sich um:

  • AmGU-1 von der Universität Amur in Zusammenarbeit mit dem Moskauer Institut für Nuklearphysik. Ein 3-Unit Cubesat für Technologiezwecke.
  • um Socrat, entwickelt, gebaut und betrieben vom Skobeltsyn Institute of Nuclear Physics (SNIP) der Moskauer Staatsuniversität. Ein 3-Unit-Cubesat für Technologiezwecke.
  • um VDNH-80, der ebenfalls vom Moskauer Institut für Nuklearphysik gebaut wurde, dieses Mal aber in Zusammenarbeit mit JSC VDNH (Joint Stock Company Vystavka Dostizheniy Narodnogo Khozyaystva)

Für einen der Satelliten wurde der Start von GK Launch Services organisiert, einem Joint-Venture zwischen Glavkosmos, dem kommerziellen Arm der Russischen Raumfahrtagentur Roskosmos und ISC Kosmotras. Hierbei handelt es sich um

  • den 20 Kilogramm schwere Demonstration of Technology 1 (DoT-1) Satellit von und für die Surrey Satellite Technology Ltd (SSTL).

Die anderen 28 Nutzlasten an Bord der Sojus wurden von der deutschen Firma Exolaunch in einem separaten Deal mit Glavkosmos gebucht. Diese Raumfahrzeuge sind:

  • CarboNIX, ein 30 Kilogramm schwerer Technologiesatellit, der neue Trennmechnismen für die Freigabe von Kleinsatelliten im Weltraum testen soll. Gebaut und betrieben wird das kleine Raumfahrzeug von EXO Launch direkt.
  • Acht Lemur 2 Cubesats (3-Unit). Es sind bereits die Flugeinheiten 100 – 107. Die Lemurs sind Erdbeobachtungssatelliten und werden von Spire Global gebaut und betrieben.
  • Fünf BeeSat-Satelliten für die Technische Universität Berlin, mit denen die Wirksamkeit von Satellitenschwärmen erprobt werden soll. Diese Satelliten tragen die Bezeichnung BeeSat 9-14, wobei die Einheiten 10-14 nur eine Viertel Cubsat-Einheit groß sind und nur jeweils etwa 300 Gramm wiegen.
  • El Camino Real ist ein 16-Einheiten großer und 20 Kilogramm schwerer Cubesat der US-Firma Momentus, der ein Water-Propulsion System im Orbit testen soll. Gebaut wurde das Kleinraumfahrzeug von AstroDigital.
  • Lucky 7 wurde von der tschechischen Firma SkyFox Labs gebaut und wird auch von ihr betrieben. Es ist ein 1-Unit-Technologie-Cubesat
  • MTCube (auch ROBUSTA-1C) ist für die Universität Montpellier im Einsatz, die ihn auch gebaut hat. Ein 1-Unit-Cubesat.
  • NSLSat-1 ist ein 6-Unit-Cubesat, gebaut von den US-Unternehmen ÅAC Microtech und Clyde Space für das israelische Unternehmen NSL Comm.
  • Der Small Explorer for Advanced Missions 2.0, oder kurz (SEAM 2.0), ist ein etwa vier Kilogramm schwerer 3-Unit-Cubesat von und für das Swedish Royal Institute of Technology (KTH) und das Swedish Space Centre (SSC) mit Unterstützung einiger weiterer Unternehmen. Er ersetzt SEAM, der zusammen mit Meteor M Nr. 2-1 verloren ging.
  • Der “Solutus Nano Satellite” (SONATE) der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ist ein 3-Unit-Technologie-Cubesat.
  • D-Star ONE, ein 3-Unit-Cubesats von vier Kilo Gewicht wurde von der deutschen Firma German Orbital Systems entwickelt, gebaut und betrieben.
  • JAISAT wurde ebenfalls von Orbital Systems auf dem 3-Unit-Standard gebaut und wird von der Amateurfunkgesellschaft von Thailand (RAIST) betrieben werden
  • ICEYE-X4 und X5 sind Prototypen für Radarerderkundung und wurden gebaut und betrieben von der finnischen Firma ICEYE.
  • Das Munich Orbital Verification Experiment 2b (kurz: MOVE-2b) der TU München ist ein 1-Unit-Cubesat für Technologieexperimente.
  • UTE-Ecuador entwickelt und gebaut von der ecuadorianischen Tecnológica Equinoccial (UTE) ist ein 3-Unit-CubeSat.
  • Und Estlands TTÜ101 ist ein 1-Unit-Cubesat von und für die Technische Universität Tallin in Estland.

Bild: Start der Sojus 2.1b; Credit: Roskosmos