Zum zweiten Mal innerhalb von nur elf Wochen setzte SpaceX am 25. Juni eine Falcon Heavy für eine Startmission ein. Dieser Träger ist derzeit die schwerste und leistungsstärkste Trägerrakete der Welt. Der Flug war der komplexeste Einsatz, den SpaceX bisher absolviert hatte. Die Mission trug den Titel Space Test Program 2 (STP-2), lief unter der Leitung der US-Luftwaffe, und umfasste 24 zivile und institutionelle Nutzlasten, die auf unterschiedlichen Bahnen abgesetzt werden mussten.

Der Einsatz begann an der Startanlage 39A des Kennedy Space Centers. Das Startfenster öffnete sich um 5:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Der Flug begann aber wegen eines Problems mit einer Bodenanlage tatsächlich erst um 8:30 Uhr. Eingesetzt wurden die Booster 1052.2 und 1053.2, die jeweils bereits einen Einsatz absolviert hatten. Als Zentralstufe wurde der neue Booster 1057.1 verwendet. Nach dem Liftoff war die Rakete insgesamt dreieinhalb Stunden im Einsatz, um die 24 Satelliten bei 20 Absetzmanövern in insgesamt drei verschiedenen Orbits unterschiedlicher Inklination und Bahnhöhe abzusetzen.

Das Gesamtgewicht aller Nutzlasten zusammen betrug lediglich 3.700 Kilogramm. Damit scheint die Rakete auf den ersten Blick angesichts ihrer maximalen Nutzlastkapazität komplett „übermotorisiert“. Allerdings erforderte die Mission zum einen die viermalige Wiederzündung der zweiten Stufe, zum zweiten war der Einsatz auch ein Qualifikationsflug für die wirklich teuren und massiven militärischen Nutzlasten.

Der Einsatz der ersten Stufe erforderte einen so hohen Geschwindigkeitsbedarf, dass dabei die Zentralstufe nicht zum Startplatz zurückkehren konnte, sondern 1.245 Kilometer weit draußen im Atlantik einen Landeversuch auf dem Bergungsschiff unternahm. Angesichts der sehr hohen Eintrittsgeschwindigkeit des Trägers von etwa 11.000 Kilometern pro Stunde wegen der enormen Eintrittslasten hoch riskant. Und so war es nicht überraschend (und von Elon Musk im Vorfeld mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent bedacht), dass der Zentralbooster das Landeschiff verfehlte, weil durch die enorme Wiedereintrittshitze der Schwenkmechanismus des Zentraltriebwerkes beschädigt worden war.

Die bislang größte erfolgreich gemeisterte Landedistanz eines Falcon 9 Boosters lag bei 945 Kilometern. Dieser Wert wurde beim Start von Arabsat 6A im April dieses Jahres erzielt. Erfolgreich war dagegen Ms. Tree, das Bergungsschiff für die Nutzlastverkleidung. Es konnte eine der beiden (am Fallschirm herabschwebende) Fairing-Hälften mit einem Netz an Bord des Schiffes direkt aus der Luft eingefangen werden.

Die beiden seitlichen Antriebseinheiten der Falcon Heavy kehrten unbeschadet nach Cape Canaveral zurück und gingen in den Landing Zones 1 und 2 nieder.

Die Nutzlasten an Bord der Rakete waren, in alphabetischer Reihenfolge, die folgenden:

Armadillo (für: Attitude Related Maneuvers and Debris Instrumentation in Low (L) Orbit), ein 3-Unit-Cubsat der von und für Studenten der Universität von Austin in Texas für Technologie-Erprobung gebaut wurde.

BricSat-2, ein 1,5 Unit-Cubesat für Technologieexperimente. Von und für das US Naval Academy Satellite Laboratory und die George Washington University.

CP 9, ein 2-Unit-Technologie-Cubesat von zwei Kilogramm Gewicht von und für Polysat und der Merrit High School

E-TEBEx A und B, zwei 3-Unit-Technologie-Cubesats von jeweils 4 Kilogramm Gewicht. Von und für das Stanford Research Institute der Stanford Universität in Menlo Park, San Francisco.

Falconsat-7, ein fünf Kilogramm schwerer, 3-Unit-Cubesat, der von der US-Luftwaffenakademie und Boeing für Forschungszwecke der US-Luftwaffenakademie gebaut wurde.

Formosat 7A-7F, sechs jeweils 278 Kilogramm schwere Erdbeobachtungssatelliten auf Basis der SSTL-100 Plattform, die von der taiwanesischen Space Organisation NSPO betrieben werden und von der NSPO (als Prime), dem JPL (zuständig für die Nutzlast) und SSTL (Hersteller Bus) gebaut wurden.

GPIM (für: Green Propellant Infusion Mission), ein 180 Kilogramm schwerer Technologiesatellit für das Marshall Space Flight Center der NASA, gebaut von Ball Aerospace und Aerojet.

Lightsail 2. Ein sieben Millionen Dollar teures, fünf Kilogramm schwere Sonnensegel, ein Crowdfunding-Projekt der Planetary Society an dem sich weltweit 400.000 Unterstützer beteiligten.

NPSAT-1 (Naval Postgraduate School Satellite), ein 86 Kilogramm schwerer Technologiesatellit, der von der Naval Postgraduate School aus handelsüblichen Komponenten zusammengebaut wurde. Kunde des Raumfahrzeugs ist das Space Test Program der US-Luftwaffe.

Oculus-ASR (Nanosat 6), ein 70 Kilogramm schwerer Technologiesatellit von und für die  Michigan Technological University Aerospace Enterprise

OTB (für: Orbital Testbed), ein 138 Kilogramm schwerer Technologiesatellit, den SSTL sowohl gebaut hat, als auch betreibt, und zwar im Auftrag des Weltraum-Beerdigungsunternehmens Celestis (die damit Asche Verstorbener in den Weltraum brachte) und der NASA, die damit die so genannten „Deep Space Atomic Clock“ testen will, eine Atomuhr, die 100mal genauer arbeitet als bisherige Atomuhren.

Prometheus 2.5, ein zwei Kilogramm schwerer 1,5 Einheiten großer Cubesat für Technologieentwicklung und –Demonstration von und für das Los Alamos National Laboratory.

Prox 1 (Nanosat 7), ein 71 Kilogramm schwerer Technologiesatellit von und für die Giorgia Tech.

PSat-2 (ParkinsonSat), ein zwei Kilogramm schwerer 2-Unit-Technologie-Cubesat von und für das US Naval Academy Satellite Laboratory.

SSTE-4 (Space Science & Technology Experiment), ein 600 Kilogramm schwerer Technologiesatellit, den die Microsat Systems Inc. für die Air Force Research Laboratories gebaut hat.

Stangsat, ein 1-Unit-Cubesat und eine der beiden Komponenten des gemeinsamen Experimentes mit CP 9 von und mit Polysat und der Merrit High School

TEPCE 1 und 2, zwei 1,5 Kilogramm schwere jeweils 1,5-Standard-Einheiten große Cubesats. Eine Technologiemission der Naval Research Laboratories

Die 24 Raumfahrzeuge wurden in drei unterschiedlichen Umlaufbahnen abgesetzt. Sowohl was die Bahnhöhe als auch die Inklination betraf. Oculus-ASR, TEPCE 1 und 2, Falconsat 7, Armadillo, PSat 2, BricSat-2, Prometheus, E-TBEx A und B, LEO, Stangsat, CP 9 auf einem elliptischen Orbit mit einem Perigäum von 300 Kilometern, einem Apogäum von etwa 850 Kilometern Höhe und einer Bahnneigung von 24 Grad; NPSAT-1, Prox 1, OTB-1, GPIM und die Formosats 7A-7F auf einem auf einem kreisförmigen Orbit in etwa 720 Kilometern Höhe mit einer Bahnneigung zum Äquator von 28,5 Grad, und SSTS-E (auch DSX genannt) auf einer Umlaufbahn mit einem Perigäum von gut 6.000 Kilometern, einem Apogäum von knapp über 12.000 Kilometer und einer Bahnneigung zum Äquator von 42,2 Grad.

Bild: Missionslogo; Credit: SpaceX