Ein Raumfahrzeug des Typs Northrop Grumman Cyngus wurde am 18. April mit einer Trägerrakete des Typs Antares 230 auf eine Transferbahn zur Internationalen Raumstation gebracht. Die Antares war dabei für den ersten Abschnitt des insgesamt eineinhalb Tage dauernden Reise zuständig. Die Cygnus trug den Namen “S.S. Roger Chaffee” zu Ehren des Apollo-Astronauten, der zusammen mit Gus Grissom und Ed White beim Feuer in der Apollo 1 im Januar 1967 ums Leben gekommen war. In der Terminologie des ISS-Betriebes trägt die Mission die Bezeichnung NG-11.

Die 42,5 Meter langen Rakete begann ihren Flug in den Orbit nach einem Countdown ohne alle Unterbrechungen von der Startanlage 0A des NASA-Raumfahrtzentrums Wallops Island in Virginia um 21:46 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

Die beiden in Russland gebauten Erststufentriebwerke feuerten für drei Minuten und 35 Sekunden. Danach waren die Treibstoffvorräte der ersten Stufe aufgebraucht und die Antriebseinheit wurde abgetrennt. Nach einer kurzen Freiflugphase zündete die mit festen Treibstoffen betriebene zweite Stufe und lieferte das Raumfahrzeug in einem ersten Übergangsorbit ab. Neun Minuten nach dem Verlassen der Startrampe trennte sich das 7.230 Kilogramm schwere Raumfahrzeug von der Oberstufe der Antares. Kurz danach enfaltete der Cygnus die beiden Solargeneratoren, und führte schon kurz darauf zwei Bahnanhebungsmanöver durch, die es ihm ermöglichten, die ISS innerhalb von nur 36 Stunden zu erreichen. Bei den bisherigen Standardmanövern dauerte das zwischen zwei und drei Tagen.

An Bord des Nachschubschiffes befinden sich 3.436 Kilogramm an medizinischen und technischen Experimenten, Vorratsgütern und viele anderen Dingen, wie etwa ein fliegender Roboter für die Unterstützung der Astronauten, 40 Laboratoriumsmäuse für die Besatzung der ISS und eine ganze Reihe von Cubesats.

Zum ersten Mal trug die Zweitstufe neben der Hauptnutzlast, dem Cygnus-Transporter, noch 60 Mikrosatelliten, so genannten „Thinsats“. Jede ist etwa so groß wie eine Scheibe Toastbrot, sind diese Kleinstsatelliten mit Solarzellen, Transmittern und Sensoren ausgerüstet, um Parameter wie Temperaturen und Drücke zu messen. Die Thinsats sind ein edukatives Projekt der Virginia State University. Schüler und Studenten, angefangen von der Mittelschule bis hin zu Universitätsstudenten konnten diese standardisierten Mini-Plattformen ausstatten. Mehr als 70 Schulen in neun US-Staaten beteiligten sich an dem Projekt. Da die 60 Einzelsatelliten aber in „Paketen“ von 3, 5 oder 6 Einheiten abgesetzt werden, die nach dem Freigeben auch über eine Drahtverbindung zusammen bleiben, werden tatsächlich nur 12 Satelliten abgesetzt, die mit Thinsat 1A bis Thinsat 1L bezeichnet werden.

Die Thin-Sats wurden auf einem sehr niedrigen Orbit abgesetzt, mit einem Perigäum von etwa 200 Kilometern und einem Apogäum von 250 Kilometern. In dieser Höhe werden sie innerhalb von sieben bis zehn Tagen wieder in die Erdatmosphäre eintreten und verglühen, und stellen somit keinen zukünftigen „Weltraummüll“ dar.

Außerdem wurde von der Antares-Stufe noch ein 3-Unit-Cubesat mit der Bezeichnung SASSI^2 von der Antares-Stufe abgesetzt, so dass die Gesamtzahl der von der zweiten Stufe unmittelbar nach dem Start freigegebenen Satelliten tatsächlich 13 beträgt. Die Abkürzung SASSI^2 steht für „Student Aerothermal Spectrometer Satellite of Illinois and Indiana“ CubeSat. Er ist mit Instrumenten der University of Illinois and Purdue University ausgerüstet, und soll den Wärmefluss und Spektraldaten eines in die Erdatmosphäre eintretenden Objektes messen soll.

13 weitere Cubesats werden entweder erst dann freigegeben, nachdem der Cygnus im Juli wieder von der Station ablegt hat, oder sie werden in die ISS umgeladen und im Laufe der nächsten Monate von dort aus gestartet. Es sind dies die drei 1-Unit-Cubesats VCC A – C, die zum Elena-Programm der NASA gehören, drei Satelliten der Bird-Reihe, nämlich Bird JPN, Bild LKA und Bird NPL (übrigens der erste nepalesische Satellit), IOD-GEMS, ein britischer 3-Unit-Cubesat, Światowid, ein polnischer 2-Unit-Cubesat, KrakSat, ein 1-Unit-Cubsat, ebenfalls aus Polen, die Aerocubes 10A und 10B, zwei 1,5-Unit-Cubesats, sowie Seeker und Kenobi, jeweils 3-Unit-Cubesats, die als Prototypen zukünftiger Satelliteninspektoren erprobt werden sollen.

Der Cygnus geht nach seinem Versorgungsauftrag auf eine höhere Erdumlaufbahn als die ISS, und führt von dort einige weitere Monate lang Experimente durch.

Bild: NASA-Missionslogo des Fluges NG-11; Credit: NASA