14 Monate nach dem erfolgreichen Testflug der SpaceX Falcon Heavy-Rakete begann am 12. April die „Einsatzlaufbahn“ dieses Trägers. Bei dieser zweiten Mission der neuen Schwerlastrakete befand sich erstmals ein zahlender Kunde an Bord, nämlich Arabsat-6A für den arabischen Satellitenbetreiber Arabsat. Beim Jungfernflug im vergangenen Jahr wollte noch kein kommerzieller oder institutioneller Kunde einen Satelliten der unerprobten Rakete anvertrauen, weshalb SpaceX-Firmeninhaber Elon Musk kurzerhand seinen alten Tesla Roadster zur Nutzlast erklärte und ihn in einer spektakulären Mission auf eine interplanetare Trajektorie schickte, die bis zur Bahn des Planeten Mars reicht. Insgesamt war es der vierte Start für SpaceX in diesem Jahr.

Die Mission begann wegen starker Windströmungen in der Stratosphäre mit einer Verspätung von einem Tag am 12. April um 0:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit, entsprechend 18:35 Uhr ostamerikanischer Ortszeit an der historischen Startanlage 39A, von der aus die meisten der Apollo-Mondflüge ihren Anfang nahmen, und von wo auch der überwiegende Teil der Shuttle-Missionen begann.

Arabsat 6A wurde von Lockheed auf der Basis der Satellitenplattform 2100 gebaut. Er wies eine Startmasse von 6.465 Kilogramm auf. Er wird seine Arbeitsposition auf 30.5 Grad östlicher Länge finden und dort zusammen mit dem neun Jahre alten Arabsat 5A Dienst tun. Die enormen Leistungsreserven der Rakete erlaubten es, den schweren Satelliten auf einem sehr hochexentrischen, supersynchronen Transferorbit mit einem Apogäum von 89.815 Kilometern, einem Perigäum von 327 Kilometern und einer Inklination von 22,96 Grad abzuliefern und trotzdem alle drei Booster für eine Wiederverwendung zur Erde zurückzuführen.

Die beiden seitlich angebrachten Booster gingen sieben Minuten und 51 Sekunden nach dem Liftoff in den „Landing Zones 1 und 2“ nieder, nur wenige Kilometer vom Startplatz entfernt. Die zentrale Antriebsstufe landete neun Minuten und 48 Sekunden nach dem Liftoff auf dem unbemannten Bergungsschiff „Of course I still love you“, fast 1000 Kilometer von Cape Canaveral entfernt mitten im Atlantik. Die Landung des zentralen Cores war beim Erstflug noch misslungen. Auch dieses Mal war sie schwierig, denn sie war noch nie so weit draußen im Atlantik erfolgt und die Geschwindigkeit des Boosters war so hoch wie nie zuvor. Bei der Trennung von Zentral-Core und zweiter Stufe betrug sie nahezu 11.000 Kilometer pro Stunde. Auch die beiden Halbschalen der Nutzlastverkleidung konnten unversehrt geborgen werden. Sie sind, wie die auch die drei Boosterstufen, voll wiederverwendbar.

Der Startschub der Rakete beträgt 2.330 Tonnen, der Vakuum-Schub 2.515 Tonnen. Sollte die Rakete in einem „fully expendable“ Modus eingesetzt werden, könnte sie bis zu 64 Tonnen Nutzlast in einen niedrigen Erdorbit bringen und bis zu 27 Tonnen in eine geostationäre Transferbahn.

Die beiden seitlichen Booster-Stufen können auch als ganz normale Standard-Falcon 9-Erststufen verwendet werden. Bei der zentralen Antriebseinheit ist das nicht möglich. Sie ist strukturell verstärkt, mit speziellen Befestigungspunkten und einem verstärkten Thermalschutz ausgestattet, und kann nur als Zentralbooster der „Heavy“ fliegen.

Anders als beim Erstflug, als teilweise bereits gebrauchte Komponenten für die Mission verwendet wurden, wurde dieses Mal ausschließlich neue Hardware eingesetzt. Die drei Booster wiesen alle den so genannten „Block 5-Status“ auf. Der „Center-Core“ trägt die Baunummer B1055, die beiden Booster sind die Produktionseinheiten B1052 und B1053. Jedes dieser so genannten „Cores“ wird von neun Merlin-1D Motoren angetrieben.

Bild: Startlogo der Mission; Credit: SpaceX