Fünf Monate nachdem Alexei Owtschinin und Nick Hague beim Start von Sojus MS-10 einen haarsträubenden Notfall nur dank des perfekt funktionierenden Rettungssystems ihres Raumschiffs überlebten, gelangten die beiden nun sicher in den Orbit. Bei ihrem zweiten Startversuch, dieses Mal mit Sojus MS-12, wurden sie von der US-Astronautin Christina Koch begleitet. Der Start verlief völlig problemlos, und nur sechs Stunden später legte das Raumschiff am Rassvet-Modul der ISS an.

Die Mission begann an der Rampe 1/5 des Weltraumbahnhofs Baikonur um 8:14 Uhr mitteleuropäischer Zeit, entsprechend 0:14 Uhr am 15. März kasachischer Ortszeit. Die Startanlage ist dieselbe, von der aus schon Juri Gagarin vor 57 Jahren den ersten Orbitalflug in der Geschichte der Menschheit unternahm. Acht Minuten und 44 Sekunden nach dem Liftoff hatte Sojus MS-12 sicher den Orbit erreicht, und die Solargeneratoren, die Sensoren und die Antennen ausgefahren.

Die Mission Sojus MS-12 war eigentlich erst für den April geplant gewesen, wurde aber in der Folge des Flugabbruchs von Sojus MS-10 nach vorne verlegt, um den Zeitraum zu verkürzen, in dem sich in der ISS nur eine reduzierte Crew von drei Personen befindet. An Bord der Raumstation wurden sie schon vom gegenwärtigen Kommandanten Oleg Kononenko, dem kanadischen Astronauten David Saint-Jacques und der NASA-Astronautin Anne McClain erwartet. Diese drei waren bereits am 3. Dezember zum orbitalen Außenposten gestartet.

Am 11. Oktober letzten Jahres war der erste Startversuch von Hague und Owtschinin gescheitert, als zwei Minuten nach dem Verlassen der Startrampe bei der Stufentrennung einer der vier Booster mit der Zentralstufe kollidierte und diese beschädigte. Das Startrettungssystem der Sojus trennte daraufhin die Kapsel vom Raumschiff. Die beiden verhinderten Raumfahrer erreichten auf ihrer parabelförmigen Abbruchbahn noch eine Höhe von 93 Kilometern und gingen danach am Fallschirm 400 Kilometer von Baikonur in der Steppe nieder. Sie blieben, vom Schrecken einmal abgesehen, vollständig unverletzt.

Schon wenig später stellte sich heraus, dass es bei der Montage der Booster an der Zentralstufe der Rakete zu einer Beschädigung gekommen war. Es lag somit kein Funktionsproblem an einer Komponente der Rakete oder ein Konstruktionsfehler vor. Das hatte zur Folge, dass die Flüge mit der Sojus-Rakete schon kurz danach wieder aufgenommen werden konnten. So starteten bereits Kononenko, Saint-Jacques und McClain am 3. Dezember ohne Probleme.

Bild: Flug-Emblem der Mission Sojus MS-12; Credit: Roskosmos