Wenn die weitere Mission so glatt verläuft wie der Start, dann sind die Tage gezählt, in denen die USA nicht in der Lage waren, von eigenem Boden aus mit eigenen Raumschiffen den Weltraum zu erreichen. Dann sind auch die Zeiten der Abhängigkeit von Russland vorbei. Am 2. März begann der Jungfernflug des ersten der beiden Raumschifftypen des US-Commercial Crew Development Programms, des SpaceX Crew Dragon, auch Dragon 2 genannt. Der Start zu diesem als SpX-DM1 (SpaceX Demo Mission 1) bezeichneten sechstägigen Testflug verlief perfekt. Auch das Andockmanöver an die ISS, nur einen Tag später, verlief völlig problemlos.

Die Mission begann um 8:49 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startrampe 39A des Kennedy Spaceflight Centers. Achteinhalb Minuten nach dem Verlassen der Startrampe war die zweite Stufe mit dem Crew Dragon im Orbit angekommen. Danach lag das Perigäum der Bahn bei 231 Kilometern, das Apogäum bei 377 Kilometern und die Bahnneigung zum Äquator bei 51,64 Grad.

Eine Minute nach dem erfolgreichen Orbitalmanöver der zweiten Stufe landete die erste Stufe der Falcon 9 (Core 1051) auf dem Bergungsschiff "Of course I still love you", und erzielte damit die insgesamt 35. erfolgreiche Rückführung einer Falcon 9-Erststufe. Für den Crew Dragon begann danach die 27stündige Anflugphase zur ISS, wo er bereits von der derzeitigen Crew, bestehend aus ISS Kommandanten Oleg Kononenko, der NASA-Astronautin Anne McClain und dem kanadischen Astronauten David Saint-Jacques erwartet wurde.

Der Crew Dragon stellt eine Evolution des gegenwärtigen Dragon-Raumfahrzeugs von SpaceX dar, das regelmäßig zu Versorgungsflügen der ISS eingesetzt wird. Diese Kapsel flog bereits 18mal bei zwei Test- und 16 Einsatzmissionen.

Obwohl es sich dieses Mal um einen reinen Testflug handelt, hatte der Dragon 2 dennoch etwa 180 Kilogramm Fracht für die Besatzung der ISS an Bord. Mehr Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erhielt allerdings das "Antropomorphic Test Device", eine instrumentierte und in einen Raumanzug gekleidete Puppe namens "Ripley" (benannt nach der Heldin der "Alien"-Filme).

Bei der Landung soll der DM1-Dragon etwa 150 Kilogramm Fracht zur Erde zurück bringen. Wenn dieser Testflug nach Plan verläuft, und auch der so genannte "Inflight-abort-test" in einigen Monaten zufriedenstellend gelingt (dabei wird die Kapsel des DM-1 Fluges erneut verwendet), dann könnten bereits im Spätsommer die ersten beiden Astronauten, Doug Hurley und Bob Behnken, mit dem Crew Dragon zur ISS fliegen.

Bild: Die Falcon 9 mit dem Crew Dragon wird für den Start vorbereitet; Credit: SpaceX