Der Iran unternahm am 15. Januar nach einer vierjährigen Pause wieder den Versuch, einen Satelliten mit einer eigenen Trägerrakete zu starten. Dieser Versuch scheiterte, nachdem die dritte Stufe des Simorgh-Launchers eine nicht näher erläuterte Fehlfunktion erlitt. Das Raumfahrzeug, ein Erdbeobachtungssatellit mit der Bezeichnung Payam-e Amirkabir (auch AUTSAT 1), ging verloren.

Der Start erfolgte vom Iman Chomeini Space Centre in der iranischen Provinz Semnan. Dort gibt es zwei Startanlagen. Eine für die Simorgh, die andere für die kleinere Safir-Rakete. Satellitenbilder zeigten in den letzten Tagen Aktivität an beiden Rampen.

Der Iran versucht inzwischen seit 10 Jahren als Raumfahrtnation Fuß zu fassen. Am 2. Februar 2009 gelang es dem Land, nach mindestens einem vorausgegangenen Fehlversuch, den 27 Kilogramm schweren Kleinsatelliten Omid mit einer Safir-Rakete in eine Erdumlaufbahn zu bringen. Seither hat der Iran drei weitere Satelliten mit eigenen Trägerraketen in den Orbit transportiert. Dies bei einer nicht genau bekannten Anzahl von Fehlversuchen. Alle erfolgreich gestarteten Satelliten wurden mit Safir-Raketen befördert. Die Safir stammt von der Shahab-3 Kurz- und Mittelstreckenrakete ab, die auf einem nordkoreanischen Design der Hwasong-7 beruht, der ihrerseits auf eine sowjetische Rakete aus den fünfziger Jahren zurückgeht, die R-17 „Elbrus“, weitaus besser bekannt unter der Bezeichnung "Scud".

Die Safir würde im Westen als Mikro-Launcher klassifiziert werden. Für kommerzielle Raumfahrtanwendungen ist sie definitiv zu klein und zu leistungsschwach. Aus diesem Grunde wurde die größere Simorgh konzipiert (das Wort steht für "Phoenix").

Der Iran hält sich mit der Berichterstattung über seine Raumfahrtversuche sehr bedeckt, so dass einiges im spekulativen Bereich bleibt. Bekannt ist jedenfalls, dass die einen ersten (suborbitalen) Testflug im April 2016 durchführte. Im Juli fand ein zweiter Flugversuch statt, bei dem aber unklar blieb, ob es sich um einen weiteren suborbitalen Test handelte oder aber um einen fehlgeschlagenen Orbitalflug.

Der dritte Start erfolgte nun am 15. Januar um 1:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit (entsprechend 4:00 Uhr Ortszeit). Doch während des Betriebs der dritten Stufe ereignete sich ein noch nicht näher spezifizierter Fehler, und die etwa 100 Kilogramm schwere Nutzlast erreichte keinen Orbit. Es war das erste Mal, dass der Iran einen Fehlschlag zugab, und nicht versuchte, den Start geheim zu halten oder einen suborbitalen Test vorzutäuschen. Angestrebt war eine Umlaufbahn in 500 Kilometern Höhe mit einer Bahnneigung zum Äquator von 55 Grad.

Bild: Start einer Simorgh-Rakete; Credit: IRNA