Mit einer sicheren Landung ging die ziemlich ungewöhnliche Reise von Sojus MS-09 zu Ende. Die Drei-Nationen-Crew, bestehend aus dem deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst, dem Sojus-Kommandanten Sergei Prokopjew und der NASA-Medizinerin Serena Auñón-Chancellor, setzte im Landemodul des Raumfahrzeugs am 20. Dezember um 6:03 Uhr mitteleuropäischer Zeit in der schneebedeckten Steppe auf. Die drei hatten 196 Tage an Bord der ISS verbracht, und von dort dreieinhalb Stunden vor der Landung abgelegt. Für  Prokopjew und Auñón-Chancellor war es der jeweils erste Raumflug gewesen. Für Gerst war es bereits die zweite Mission. Er hat damit eine Gesamtaufenthaltsdauer im Weltraum von 362 Tagen zu Buche stehen.

Als Sojus MS-09 am 6. Juni zur ISS startete schien es sich um eine der üblichen Standard-Crewtransfers zu handeln. Aber eine Reihe von Ereignissen machte den Aufenthalt von Alexander Gerst, der ab Oktober als Kommandant des orbitalen Außenpostens fungierte, doch recht ungewöhnlich.

Am 29. August wurde ein zwei Millimeter großes Loch im Orbitalmodul der Sojus festgestellt, das zu einem langsamen Druckabfall in der Station führte. In der Folge kam es zu einer Groteske, in welcher Roskosmos-Chef Dimitri Rogozin, bekannt für seine absurden Äußerungen, sogar öffentlich die Meinung kundtat, dass die Crew an Bord der ISS das Loch selbst hineingebohrt haben könnte. Der Mannschaft gelang es schnell, das Lock abzudichten, so dass keine Gefahr für die Besatzung mehr bestand.

Am 11. Oktober musste die Crew von Sojus MS-10, welche die Expedition 57 ergänzen, und damit die zweite Hälfe für Gersts Mannschaft darstellen sollte, wenige Minuten nach dem Abheben einen dramatischen Flugabbruch durchführen, weil es zu einer Anomalie bei der Trennung von erster und zweiter Stufe gekommen war. Als Fehlerursache stellte sich ein Montagefehler bei der Endmontage von Boostern und Zentralstufe in Baikonur heraus. Die Crew, bestehend aus dem Kosmonauten Alexei Owtschinin und dem NASA-Astronauten Tyler Hague blieb völlig unverletzt, und wird jetzt, zusammen mit der US-Astronautin Christina Koch, im März 2019 erneut versuchen, die ISS zu erreichen.

Beide Vorfälle ließen allerdings ernste Zweifel am russischen Qualitätsmanagement aufkommen. Dennoch wurde der Start von Sojus MS-11 vom 20. Dezember auf den 3. Dezember vorgezogen, denn die Mannschaft von Sojus MS-09 konnte ihre normale Verweildauer in der Station nur um wenige Tage verlängern, denn danach wäre die "Garantiezeit" ihrer Sojus abgelaufen gewesen, die normalerweise 6-Monate nicht überschreiten sollte. Geplant war der Rückflug von Sojus MS-09 eigentlich am 13. Dezember.

Die beiden Kosmonauten Oleg Kononenko and Sergey Prokopyev unternahmen dann am 11. Dezember ein Außenbordmanöver, um das Loch im Orbitalmodul von Sojus MS-9 genauer zu untersuchen, und entfernten dazu die Isolation des Moduls. Sie entnahmen dabei Materialproben für die Fehleranalyse auf der Erde um festzustellen, wie es passieren konnte, dass eine offensichtlich unauthorisierte, nicht dokumentierte und am Ende auch noch schlecht ausgeführte Reparatur alle Kontrollen passieren konnte.

Nach der Rückkehr von Gerst, Prokopjew und Auñón-Chancellor befinden sich jetzt Oleg Kononenko von Roskosmos, David Saint-Jacques von der kanadischen Weltraumagentur und die NASA-Astronautin Anne McClain bis März alleine in der ISS.

Bild: Russische Techniker helfen Alexander Gerst aus der Kapsel; Credit: Roskosmos