Nur gut einen halben Tag nach dem Start einer Langer Marsch 2D vom nordchinesischen Weltraumbahnhof Jiuquan startete am 7. Dezember vom zentralchinesischen Startplatz Xichang aus die Landesonde Chang’e 4 zum Mond. Das Raumfahrzeug soll kurz nach dem Jahreswechsel im 186 Kilometer durchmessenden Von Kármán-Krater in der südlichen Hemisphäre der Mondrückseite niedergehen und dort einen Rover mit der Bezeichnung Yutu 2 aussetzen, der die nähere Umgebung des Landeplatzes erkunden wird. Der Rover könnte dabei über einen Zeitraum von einem Jahr oder mehr eine Strecke von bis zu zehn Kilometer erforschen.

Chang‘ e 4 ist die vierte Mondsonde in der Geschichte der chinesischen Raumfahrt, und der zweite Lander nach Chang‘ e 3, der im Dezember 2013 auf der Mondvorderseite im Mare Imbrium niederging. Es ist die erste Sonde in der Geschichte der weltweiten Raumfahrt, die auf der Mondrückseite landen soll.

Der Start erfolgte um 19:23 Uhr mitteleuropäischer Zeit, entsprechend 2:23 Uhr Pekinger Zeit am 8. Dezember. Als Träger wurde eine Rakete des Typs Langer Marsch 3B/G2 eingesetzt.

Die Startmasse des gesamten Chang'e 4-Raumfahrzeugs betrug etwa 3.780 Kilogramm. Das Landemodul inklusive des Rovers weist ein (irdisches) Gewicht von etwa 1.200 Kilogramm auf. Sowohl der stationäre Teil als auch der Rover sind mit einer Reihe von Instrumenten ausgerüstet. Auf ersterem befindet sich auch ein deutsches Neutronendosimeter (von der Universität Kiel), das sich speziell mit den Umweltbedingungen an der Landestelle befasst. Das sind beispielsweise Strahlungsmengen, Interaktionen zwischen Sonnenwind und Oberfläche und den möglichen Wasservorrat im Untergrund des Karman-Kraters. Zwei weitere europäische Instrumente stammen vom schwedischen Institut für Weltraumphysik und von der Universität Nimwegen in den Niederlanden.

Der 140 Kilogramm schwere Rover ist mit einem Bodenradar ausgerüstet, um die geologischen Schichten zu untersuchen, die unter dem Regolith der Oberfläche liegen, sowie mit einem Spektrometer, um die chemische Zusammensetzung des Bodens an der Landestelle zu analysieren.

Die Daten von Lander und Rover werden über die Relaysonde "Queqiao" zur Erde übermittelt. Dieses Raumfahrzeug steht in direktem Kontakt mit den beiden Bodenerkundern, und befindet sich etwa 65.000 Kilometer hinter dem Mond.

Gegen Ende des Jahres 2019 will China mit Chang'e 5 auch erstmals eine Probenrückführmission zum Mond starten.

Bild: So sieht Queqiao das System Mond-Erde. Der Mond ist 65.000 Kilometer entfernt, die Erde 440.000 Kilometer. Die Relaysonde blickt ausschließlich auf die Mondrückseite und überträgt den Funkverkehr von Chang' e 4 zur Erde (und umgekehrt). Credit: Weibo