Am 11. Oktober startete die russische Raumfahrtagentur Roskosmos das bemannte Raumschiff Sojus MS-10 mit dem Kosmonauten Alexej Owtschinin und den NASA-Astronauten Nick Hague zur Internationalen Raumstation. Aber schon zwei Minuten nach dem Verlassen der Startrampe kam es zu einem dramatischen Flugabbruch, als nach einer fehlerhaften Trennung einer der Booster die Zentralstufe der Trägerrakete beschädigt wurde. Das perfekt funktionierende Rettungssystem des Raumschiffs brachte die beiden Besatzungsmitglieder jedoch knapp 20 Minuten nach dem Liftoff sicher auf den Boden zurück. NASA-Administrator Jim Bridenstine war vor Ort Zeuge der dramatischen Vorgänge.

Es war der erste Fehlstart einer bemannten Sojus seit Jahrzehnten. Das letzte Mal, dass das Sojus-Rettungssystem aktiviert wurde, geschah am 26. September 1983, als die Sojus U-Trägerrakete auf der Rampe Feuer fing und sich die beiden Besatzungsmitglieder mit dem Fluchtturm in Sicherheit bringen mussten. Davor gab es im Jahre 1975 einmal eine vergleichbare Situation, als beim Start einer Sojus die Trennung zwischen zweiter und dritter Stufe nicht funktionierte, und die beiden Kosmonauten Lazarew und Makarow 1.500 Kilometer vom Startort entfernt im Altai-Gebirge landeten. Auch damals wurde die Crew unbeschadet geborgen.

Die Mission hatte pünktlich um 10:40:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startrampe 1/5 des Raumfahrtzentrums Baikonur begonnen. Es war die 139. Mission eines Raumfahrzeugs der Sojus-Serie und die 65. Mission einer Sojus-FG Trägerrakete, die bis dahin eine Zuverlässigkeitsquote von glatten 100 Prozent aufwies, seit sie am 20. Mai 2001 ihren Erstflug erlebte. Auch dieses Mal verlief der Start zunächst nach Plan. Doch bei der Trennung der Booster kam es bei der Stufentrennung zu einem Rekontakt mit der Zentralstufe, wodurch die Rakete beschädigt wurde und vom Kurs abkam. Der Bordcomputer der Sojus bemerkte eine Abweichung von mehr als sieben Grad vom nominalen Flugpfad, eines der Notfallkriterien für ihn, das Haupttriebwerk der Zentralstufe abzustellen und die Rettungssequenz einzuleiten. Wie sich später herausstellte, war der Unfall auf einen Montagefehler beim Zusammenbau der Einzelkomponenten der Rakete in Baikonur zurückzuführen.

Das Notfallsystem der Sojus arbeitete perfekt, und brachte die Kapsel von der Rakete weg. Danach erfolge eine ballistische Rückkehr, die das Raumschiff zunächst noch auf eine Höhe von 94 Kilometern trug, bevor der Abstieg zum Boden begann. Nach dem Abtrennen des kugelförmigen Wohnmoduls verlief die Landung nominal. Die erfolgte schließlich, 19 Minuten und 41 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe, 32 Kilometer südöstlich der Stadt Dsheskasgan und etwa 400 Kilometer von der Startstelle entfernt. Dort mussten Owtschinin und Hague etwa 30 Minuten auf die Rettungskräfte warten. Bis dahin hatten sich die beiden bereits selbst aus der Kapsel befreit und warteten auf ihre Abholung. Sie hatten die extrem gefährliche Situation vollkommen unbeschadet überstanden.

Was der gescheiterte Start für die derzeit an Bord der ISS befindliche Crew bedeutet, ist noch nicht klar. Die Station wird in den nächsten Monaten jedenfalls mit reduzierter Besatzungsstärke betrieben werden müssen. Bei einer schnellen Aufklärung der Ursachen und der Behebung des Fehlers könnte aber möglicherweise der Start von Sojus MS-11 vorgezogen werden.

P.S. Diese https://www.youtube.com/watch?v=ocn7aLqEq-Q hervorragende Animation zeigt die Geschehnisse bis zum Abtrennen der Kapsel im Detail. Die Darstellung ist überaus korrekt, mit einer kleinen Ausnahme ganz am Schluss, wo das Ausklappen der vier Grid-Fins nicht dargestellt ist.

Bild: Der Moment des Abtrennens der Kapsel von der Rakete. Künstlerische Darstellung. Credit: Roskosmos