Am 14. September 2018 endete eine Raumfahrtära. An diesem Tag kam es zum 155. und definitiv letzten Einsatz einer Boeing Delta 2. Noch einmal brachte sie, wie so oft in ihrer Geschichte, eine hochkarätige und teure NASA-Nutzlast sicher in den Weltraum. Diese letzte Mission begann am Startkomplex SLC-2W der Luftwaffenbasis Vandenberg, und führte auf eine polnahe Erdumlaufbahn. Die letzten 100 Delta 2-Missionen verliefen ohne Ausnahme erfolgreich. Insgesamt gab es in der Geschichte der Delta 2 seit 1989 zwei Fehlstarts.

Die Delta 2 ist aber ihrerseits bereits die letzte Evolutionsstufe einer langen Reihe von Delta-Raketenvarianten, die bis in die frühen 60iger Jahre zurückdatieren und ihrerseits von der Thor-Mittelstreckenrakete der fünfziger Jahre abstammen. Alle Versionen zusammengenommen flog sie 381mal und hatte dabei 14 Fehlstarts zu verzeichnen. Und eine Information für die Fans: Die Versionsbezeichnung der ICESat-Delta 2 ist 7320-10C. Damit ist die Version der Zentralstufe (7000), die Anzahl der GEM-40 Booster (3) und Stufen (2) und die Variante der Nutzlastverkleidung (10 feet diameter carbon) erklärt.

Der Start der etwa eine Milliarde Dollar teuren ICESat 2 - Mission erfolgte um 6:02 Uhr vormittags Westküstenzeit in den USA, entsprechend 15:02 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Die dritte Stufe des einstigen Standardträgers der NASA setzte den Satelliten präzise auf einer Umlaufbahn in 475 Kilometern Höhe mit einer Bahnneigung von 92 Grad zum Äquator ab. Der Orbit ist so ausgelegt, dass ICESat alle 91 Tage die gleiche Stelle der Erde überfliegt, und dann Vergleichsmessungen zur vorherigen Datenerfassung durchführen kann.

Die Bezeichnung ICESat steht für Ice Cloud and land Elevation Satellite. Das Raumfahrzeug ist der Nachfolger der ursprünglichen ICESat-Mission, mit welcher in den Jahren 2003 - 2009 die globalen Eisdecken vermessen wurden. Das Raumfahrzeug wurde von Northrop Grumman gebaut und verfügt nur über ein einziges, allerdings hochkomplexes Instrument mit der Bezeichnung ATLAS (für: Adanved Topografik Laser Altimeter System), das vom Goddard Space Center der NASA entwickelt wurde. Damit kann die jährliche Dicke-Veränderung einer Eisdecke auf einen halben Zentimeter genau gemessen werden.

ICESat wog beim Start 1.515 Kilogramm und hat genug Treibstoff an Bord, um mindestens 10 Jahre lang in Betrieb zu bleiben.

Mit an Bord der Delta 2 waren auch noch vier Cubesats, die von einem an der zweiten Stufe der Rakete angebrachten Dispenser freigegeben wurden. Dabei handelt es sich um ELFIN A und B (für Electron Lossess and Fields Investigation), zwei jeweils drei Kilo schwere Magnetosphären- Forschungssatelliten der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA), um den etwa zwei Kilo schweren Surfsat der Universität von Zentralflorida (UCF), der ebenfalls physikalische Phänomene im Strahlungsumfeld der Erde erforschen soll aber im Grunde ein Technologiedemonstrator ist, und CP 7, ein Ein-Unit Technologie-Cubesat von PolySat.

Genau genommen war die Delta 2 für den Start von ICESat gar nicht die allerletzte Rakete ihrer Art. Die wird als Dauerleihgabe der United Launch Alliance an das Besucherzentrum des Kennedy Space Centers vergeben und dort zukünftig im "Rocket Garden" zu besichtigen sein.

 

Bild: Startposter der ICESat-Mission; Credit: NASA