Eine Trägerrakete des Typs Orbital ATK Antares 230 brachte am 21. Mai den insgesamt zehnten Raumfrachter der Cygnus-Reihe in eine Erdumlaufbahn. Der Start erfolgte vom Mid-Atlantic Regional Spaceport Virginia auf Wallops Island. Das Raumfahrzeug trägt neben der NASA-Bezeichnung OA-9 den Namen SS J.R.Thompson, nach einem Manager von Orbital ATK, der im letzten November verstorben ist. Die Rakete verließ den Startkomplex MARS 0A um 10:44 Uhr mitteleuropäischer Zeit, entsprechend 04:44 Uhr US-Ostküstenzeit. Die Antares flog in der Konfiguration 230, mit einem russischen RD-181 Triebwerk mit zwei Brennkammern in der ersten Stufe und einem Castor 30XL-Feststoffmotor als zweite Stufe.

Der erste Cygnus-Raumfrachter startete im September 2013 zu einem Testflug, bei dem das System erprobt wurde. Danach führte Orbital ATK insgesamt acht Missionen für die NASA durch, von denen sieben erfolgreich verliefen. Die Cygnus von Orbital ATK ist derzeit neben der Dragon von SpaceX das einzige Raumfahrzeug, das von US-Territorium aus die ISS versorgen kann. Bei dieser Mission fliegt die Cygnus in der so genannten „Enhanced Cygnus“ – Version, mit längerem Frachtmodul, neu konstruierten Solargeneratoren und größeren Treibstofftanks.

Die SS J.R.Thompson bringt eine Startmasse von 6.173 Kilogramm auf die Waage. insgesamt 3.500 Kilogramm sind davon Fracht für die Raumstation. Über eine Tonne davon bestehen aus neuen Experimenten, etwa 800 Kilogramm sind Versorgungsgütern für die Astronauten. Den Rest bilden Ausrüstungsgegenstände für das US-Segment und den russischen Teil der ISS,  darunter Teile für Außenbordmanöver und etwa 100 Kilogramm an EDV-Equipment.

Außerdem sind 15 Cubesats mit einem Gesamtgewicht von 82 Kilogramm an Bord. Neun davon werden im Inneren der Cygnus mitgeführt und zu einem späteren Zeitpunkt von der ISS aus gestartet. Sechs sind außen am Transporter mitgeführt, und werden von diesem nach dem Abkoppeln gestartet, wenn die Cygnus eine zweiwöchige autonome Mission beginnt.

Von den neun Satelliten, die von der Raumstation aus gestartet werden, werden sieben im Rahmen des ELaNa-Programms der NASA unter der Bezeichnung ELaNa 23 fliegen. Es sind dies:

  • CubeRRT, (für: CubeSat Radiometer Radio Frequency Interface Technology) der Ohio State Universität in Columbus, Ohio. Ein sechs Einheiten großer und 11,4 Kilogramm schwerer kombinierter Technologie- und Umweltforschungssatellit.
  • Der 1,4 Kilogramm schwere EQUISat der Brown University ist ein Ein-Unit-Cubesat, der für nur 5.000 Dollar gebaut wurde. Er ist ein Technologiedemonstrator, der mit hoch leistungsfähigen LED’s ausgerüstet ist, deren Licht von der Erde aus sichtbar sein sollte.
  • HaloSat der Universität von Iowa. Gebaut in Zusammenarbeit mit Blue Canyon Technologies. Ein sechs-Einheiten Astronomie-Cubesat von sechs Kilogramm Gewicht.
  • MemSat (für Memristor Satellite), ist ein Ein-Unit-Cubesat der Universität Rowan für die Erprobung von Memristor-Technologie im Weltraum.
  • Der Radiation Satellite g (RadSat-g), ein vier Kilogramm schwerer Cubesat der Montana State University erprobt strahlungsresistente Computersysteme.
  • RainCube der NASA ist ein 12 Kilogramm schwerer sechs-Einheiten-Cubesat des Jet Propulsion Laboratory, ein Technologiesatellit für künftige preiswerte Umweltbeobachtungen.
  • Der elf Kilogramm schwere Temporal Experiment for Storms and Tropical Systems – Demonstrator (TEMPEST-D) ist ein weiterer sechs-Unit-Cubesat mit sechs Kilogramm Gewicht. Er wurde von der Colorado State University zusammen mit dem NASA’s Jet Propulsion Laboratory und Blue Canyon Technologies entwickelt und gebaut. Das Raumfahrzeug ist ein Technologie-Demonstrator für Atmosphären-Beobachtung.
  • Zwei weitere CubeSats werden unter einem Vertrag mit NanoRacks gestartet, und zwar sind das. EnduroSat One was developed by the Bulgarian Federation of Radio Amateurs (BFRA in Partnerschaft mit dem international Space Challenges Program. EnduroSat One ist ein Ein-Unit CubeSat für Radio-Amateure.
  • Radix ist ein experimenteller Kommunikationssatellit der Firma Analytical Space. Es ist ein sechs-Unit-CubeSat mit einem Gewicht von knapp 10 Kilogramm.
  • Bei den sechs Satelliten, die direct vom Cygnus freigegeben werden handelt es sich um vier Einheiten der Lemur-2 Konstellation, nämlich Lemur 2 78-81. Sie werden von Spire gebaut und dienen der Meteorologie und der Verfolgung des Schiffsverkehrs auf den Ozeanen. Diese Satelliten wiegen jeweils vier Kilogramm.
  • Die beiden restlichen Satelliten sind die jeweils vier Kilogramm schweren AeroCube 12A und 12 B der Aerospace Corporation. Bei ihnen handelt es sich um zwei Technologiedemonstratoren für Raumfahrttechnologie.

Bild: Missionspatch; Credit: Orbital ATK