Bei ihrem voraussichtlich viertletzten Einsatz als Raumfahrtträger, und ihrem definitiv letzten für das Eurockot-Konsortium, brachte am 25. April eine modifizierte russische Interkontinentalrakete des Typs Rokot den europäischen Erdbeobachtungssatelliten Sentinel 3b in eine polare Erdumlaufbahn. Das Raumfahrzeug ist Teil des europäischen Kopernikus-Programms, an dem sich im Auftrag der europäischen Kommission die ESA und Eumetsat den Aufbau und den Betrieb der Konstellation die Aufgaben teilen.

Die Rokot-Trägerrakete ist von der sowjetischen UR-100N Interkontinentalrakete abgeleitet, die in den neunziger Jahren in der Folge der START-1 Vereinbarungen zwischen Russland und den USA aus dem Dienst genommen wurde. Die ersten beiden Stufen bilden dabei die Original-UR-100N, bei der dritten Stufe handelt es sich um eine Briz-KM Einheit, wie sie in einer Variante mit zusätzlichen Abwurftanks auch als Oberstufe für die Proton verwendet wird. Die Kombination aus diesen beiden Einheiten wird als Rokot Briz-KM bezeichnet.

Der Start begann um 19:57 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom russischen Weltraumbahnhof Plesetzk aus (entsprechend 20:57 Uhr Moskauer Zeit). Es dauerte danach gut 80 Minuten, um Sentinel-3b in seinen vorgesehenen Orbit zu transportieren. Die ersten beiden Stufen waren nach fünf Minuten und 19 Sekunden ausgebrannt und wurden abgeworfen. Knapp zwei Sekunden später begann das das S5.92-Triebwerk der  Briz KM-Oberstufe mit seinem ersten Brennmanöver. Sie benötigte etwas über neun Minuten, um die Orbitaleinheit, bestehend aus der Briz KM und dem Satelliten, auf einer elliptischen Übergangsbahn abzuliefern. Etwas über eine Stunde später erfolgte ein zweites Brennmanöver, dieses Mal nur etwa 30 Sekunden lang, mit dem der Orbit zirkularisiert wurde.

Sentinel 3b wird die Ozeane und die Vegetation der Erde beobachten. Mit diesem Start, es war der siebte Kopernikus-Start, ist die erste Ausbaustufe dieser europäischen Umwelt-Beobachtungskonstellation komplett. Das Raumfahrzeug wird zusammen mit Sentinel 3a eingesetzt, der – ebenfalls mit einer Rokot – im Februar 2016 gestartet wurde. Die beiden Einheiten werden auf einem sonnensynchronen Orbit in einer Höhe von 815 Kilometern mit einer Inklination von 98,5 Grad stationiert, allerdings 140 Grad voneinander getrennt. Die Instrumentenausstattung von Sentinel 3a und 3b ist identisch

Insgesamt wird die Konstellation sechs verschiedene Typen von Satelliten und so genannten "Hosted Payloads" umfassen. Sie arbeiten in der Regel paarweise zusammen, um die Überflughäufigkeit über einem bestimmten Ziel zu erhöhen. In den Jahren 2014 und 2016 wurden zwei Radarsatelliten gestartet, in den Jahren 2015 und 2017 zwei optische Beobachter für Multispektralaufnahmen. Bei Sentinel 4 und 5 handelt es sich um so genannten „hosted payloads“, die auf den geostationären Meteosat 3rd Generation Satelliten mitfliegen. werden, bzw. auf MetOP Second Generation Satelliten auf polaren Umlaufbahnen. Ihre Aufgabe wird die Erforschung der von Spurengasen in der Erdatmosphäre sein.

Sentinel 3b wurde von Thales Alenia auf der Basis der Prima Satellitenplattform gebaut. Dieser Bus wurde bereits für die Sentinel-1 Satelliten verwendet, für die italienische COSMO-SkyMed Konstellation und für den kanadischen Radarsat-2. Das Raumfahrzeug hat eine Masse von 1.150 Kilogramm und ist für eine Einsatzlebensdauer von mindestens sieben Jahren ausgelegt. Der Treibstoff an Bord reicht allerdings für mehr als 12 Jahren, wenn Bordsysteme und Instrumente so lange durchhalten.

Bild: Die Rokot Briz KM-Trägerrakete verlässt den Startsilo. Credit: Roskosmos