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Eine Trägerrakete des Typs Dnepr hat vom selten genutzten russischen Startgelände Dombarowsky aus insgesamt acht kleine Satelliten in eine niedrige Erdumlaufbahn befördert. Hauptnutzlast war dabei der ukrainische Erdbeobachtungssatellit Sich-2. Der Start ereignete sich um 9:12 Uhr mitteleuropäischer Zeit (13:12 Uhr Ortszeit) und es war der insgesamt 17. Einsatz einer Dnepr.

Sich 2 wurde von Yushnoye gebaut, hat eine Masse von 169 Kilogramm und soll fünf Jahre lang im Einsatz bleiben. Sich 2 (der Name bedeutet "Eule") ist das dritte ukrainische Raumfahrzeug dieses Namens. Der erste Satellit wurde 1995 an Bord einer Zyklon-3 Rakete gestartet. Er musste seinerzeit nach dem Start aufgegeben werden, weil sich ein zweiter Satellit (FASAT-Alpha aus Chile), der mit ihm beim Start verbunden war, nicht löste.

Auch der zweite „Sich“ (er trug, um genau zu sein, die Bezeichnung Sich 1M) war vom Pech verfolgt. Er wurde ebenfalls mit einer Zyklon 3 gestartet, von seinem Träger aber auf einem zu niedrigen Orbit abgesetzt und trat nach 15 Monaten wieder in die Erdatmosphäre ein. Er hätte mindestens drei Jahre aktiv sein sollen.

Das zweite und dritte Raumfahrzeug an Bord sind der 300 Kilogramm schwere NigeriaSat-2 und der 100 Kilogramm schwere NigeriaSat-X. Beide sind Erdbeobachtungssatelliten und beide wurden von Surrey Satellite Technology im Auftrag der Nigerianischen Raumfahrtbehörde gebaut.

Aus Argentinien stammen die beiden zwei jeweils 12 Kilogramm schwere AprizeSat 5 und AprizeSat 6. Bei ihnen handelt es sich um Datenrelay-Satelliten die zusätzlich noch ein automatisches Identifikationssystem für die Ortung von Schiffen auf hoher See an Bord haben. Satelliten dieses Typs starten immer paarweise und stets auf der Dnepr.

Ein weiterer Erdbeobachtungssatellit an Bord des Trägers ist der türkische RASAT. Das 113 Kilogramm schwere Raumfahrzeug wurde vollständig in der Türkei gebaut.

Ein Technologiesatellit für Versuche mit Solarzellen, Transpondern und De-Orbiting-Einrichtungen ist der etwa schuhkartongroße, 10 Kilogramm schwere, italienische Satellit EduSat.

Und schließlich befand sich noch eine russische Nutzlast mit der Bezeichnung BPA-2 (Blok Perspektivnoy Avioniki 2) an Bord, die - beabsichtigt - mit der Oberstufe des Trägers verbunden bleibt. Es handelt sich hier um ein Experiment zur Verbesserung von Navigationsausrüstungen im Weltraum.

Die Dnepr ist an sich eine aktive Interkontinentalrakete und trägt im Militärdienst die Bezeichnung R-36M2 (und zu Zeiten des kalten Krieges im Nato-Jargon die Zusatzbezeichnung "Satan", die den erheblichen Respekt des Westens für dieses Projektil zum Ausdruck bringt). Es ist die schwerste Nuklear-Trägerrakete, die jemals gebaut wurde. Anders als die meisten Militärträger wird sie mit flüssigen Treibstoffen betrieben. Das erhöht ihre Komplexität verbessert aber das Leistungsvermögen erheblich. Im Rahmen der fortschreitenden nuklearen Abrüstung gibt es eine erhebliche Menge überzähliger „Satans“ die nun bei "zivilen" Einsätzen als Satellitenträger aufgebraucht  werden.

Das Startverfahren ist im Zivileinsatz das gleiche wie bei militärischen Flügen und extrem spektakulär. Die Dnepr wird dabei mittels einer mächtigen Feststoffkartusche aus einem Startsilo buchstäblich aus dem Startschacht bis in 20 Metern Höhe geschleudert. Dann wird der Kartuschentreibsatz mittels eines weiteren Feststoffmotors seitlich ausgeworfen, die Rakete zündet hoch über dem Silo und beginnt ihren Start. Trotz des komplexen Verfahrens ist der Träger recht zuverlässig. Bei bislang 17 Starts versagte er nur einmal.

Der nächste Start einer Dnepr soll bereits in einigen Wochen erfolgen. Dann wird der koreanische Erdbeobachtungssatellit KOMPSat-5 in den Orbit gebracht.

Astra