Eine Trägerrakete des Typs Delta 2 in der Konfiguration 7425, verstärkt mit vier Feststoff-Zusatzraketen, brachte gestern vom US-Luftwaffenstützpunkt Vandenberg an der Westküste der Vereinigten Staaten einen kommerziellen Erdbeobachtungssatelliten in einen sonnensynchronen Erdorbit. Das Raumfahrzeug mit der Bezeichnung GeoEye 1 wird die Erde mit einem Auflösungsvermögen fotografieren, das bisher bei zivilen Satelliten unerreicht war.

Die beiden Vernier-Motoren und das RS 27A-Haupttriebwerk der 12 Stockwerke hohen Delta 2 zündeten um 20:50:55 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Zwei Sekunden später traten auch die vier von Alliant Techsystems gebauten GEM-40 Booster in Aktion und der Träger hob im üblichen dichten Küstennebel der Vandenberg-Basis ab. 15 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe durchstieß die Rakete die Nebelbank und  beschleunigte im nunmehr wolkenlosen Himmel weiter. 35 Sekunden nach dem Liftoff durchstieß die Rakete die Schallmauer.

65 Sekunden nach dem Abheben waren die Booster ausgebrannt, verblieben aber noch weitere 25 Sekunden an der Rakete um nicht bei einem zu frühen Abwurf die Gefahr einer Kollision mit den vor kalifornischen Küste liegenden Bohrplattformen heraufzubeschwören. Erst nach dem Überfliegen der Öl-Rigs wurden sie vom Träger getrennt.

4 Minuten 40 Sekunden nach dem Abheben war die erste Stufe ausgebrannt und wurde abgeworfen. Unmittelbar danach erfolgt die Zündung der zweiten Stufe für eine erste Brennperiode. Zehn Sekunden danach wurde auch die Nutzlastverkleidung abgesprengt.

12 Minuten und 15 Sekunden nach dem Abheben erfolgte SECO 1 - SEcond Stage Engine CutOff 1. Damit hatte GeoEye hatte einen Übergangsorbit erreicht. Der niedrigste Bahnpunkt lag bei 160 Kilometern, der höchste bei 610 Kilometern. Die Bahnneigung zum Äquator betrug 98 Grad.

Für 53 Minuten war die Rakete mit ihrer Nutzlast jetzt in freier Drift, nur gelegentlich durch die Lageregelungs-Triebwerke in der Raumlage korrigiert.

53 Minuten und 35 Sekunden nach dem Start, begann über Madagaskar das zweite Brennmanöver der Aerojet-Zweitstufe. Es dauert nur 14 Sekunden, dann war die Bahn auf dem höchsten Punkt zirkularisiert.

58 Minuten und 17 Sekunden nach dem Start wurde GeoEye 1 schließlich von der zweiten Stufe des Träger freigegeben.

76 Minuten und 15 Sekunden nach dem Liftoff zündet die zweite Stufe erneut. Diesmal für fünf Sekunden. Mit diesem Manöver bewegte sich die Oberstufe aus der Flugbahn des Satelliten. Weitere 25 Minuten, erneut am niedrigsten Bahnpunkt, unternahm sie ein viertes und letztes Brennmanöver, den "Burn to depletion", bei dem der gesamte restliche Treibstoff aufgebracht wird. Mit dieser Maßnahme soll verhindert werden, dass die Oberstufe möglicherweise explodiert, so lange sie sich noch im Orbit befindet.

Wenige Minuten zuvor hatte bereits eine Bodenstation in Madagaskar den ersten Kontakt mit dem Raumfahrzeug aufgenommen.

GeoEye 1 hat ein Auflösungsvermögen, wie man es bisher nur von militärischen Satelliten kannte. Er wird im Schwarz-Weiß-Betrieb noch Oberflächenmerkmale von 40 Zentimetern Größe aufnehmen können. Im Farbmodus Objekte mit einer Größe von 1,65 Metern. Damit nähert man sich auch im zivilen Bereich Detailschärfen, die bislang nur den Militärs vorbehalten waren.

GeoEye 1 durchläuft jetzt eine etwa sechswöchige Indienststellungsphase bevor er seinen Service aufnimmt. Hauptaufgabe von GeoEye wird die Unterstützung beim Anfertigen detailgenauer Karten sein.  

Im Panchromatischen Modus kann der Satellit täglich eine Fläche von 700.000 Quadratkilometern aufnehmen. Das entspricht etwa der Fläche von Texas. Im multispektralen Modus kann das Raumfahrzeug die Hälfte dieser Fläche aufzeichnen, entsprechend der Fläche von New Mexico.

Einer der Hauptkunden der GeoEye 1 Bilder wird die US-Regierung sein. Ein Vertrag mit der National Geospatial-Intelligence Agency trug wesentlich zur Finanzierung des Vorhabens bei. Die Programmbezeichnung unter der es dort läuft trägt den Namen "Next View" und beinhaltet auch einen Satelliten des Konkurrenzunternehmens Digital Globe. Beide zusammen erhielten 502 Millionen US-Dollar für ihre Projekte.

Ein weitere Kunde für GeoEye 1 wird Google sein, der damit sein Vorhaben Google Earth vorantrieben will.

GeoEye hat seine Zentrale in Dulles, Virginia. Das Unternehmen entstand bei der Fusion der beiden Satellitenbetreiber Space Imaging und OrbView. Das Unternehmen besitzt bereits einen Erdbeobachtungssatelliten, Ikonos, der im Jahre 1999 ebenfalls von Vandenberg aus gestartet worden war.

Der heutige Start wurde unter der Ägide von United Launch Alliance (ULA) durchgeführt worden, einem Joint Venture aus den Unternehmen Boeing und Lockheed die in der Regel nur die Startauftrage der US-Regierung durchführt, gelegentlich aber auch, wie in diesem Fall, Starts für kommerzielle Kunden.

Nach diesem Flug hat die Delta 2 eine Zuverlässigkeitsrate von 98,5 Prozent. Die letzten 83 Starts waren in ununterbrochener Folge erfolgreich. Insgesamt wurde diese Version der Delta 138-mal eingesetzt, davon waren 136 Missionen erfolgreich. Alle Versionen der Delta zusammen sind seit den frühen 60iger Jahren 335mal geflogen.

Astra