Eine Orbital Sciences Minotaur 1 startete in den frühen Morgenstunden des Dienstag (2:48 Uhr amerikanischer Ostküstenzeit/8:48 Uhr mitteleuropäischer Zeit) vom neuen Mid-Atlantic Regional Spaceport auf Wallops Island in Virginia in eine niedrige Erdumlaufbahn. Die vierstufige Feststoffrakete trug den Near Field Infrared Experiment (NFIRE) Satelliten der US-Defense Department's Missile Defense Agency's (MDA) in den Orbit.

 

Minotaur 1 Die Mission am Dienstagmorgen war der zweite Einsatz einer Minotaur 1 von Wallops in gerade mal vier Monaten. Die vorausgegangene Mission am 16. Dezember 2006 hatte den TacSat-2 Satellite der US-Luftwaffenforschungsanstalt als Nutzlast an Bord. Davor war von Wallops Island aus mehr als 20 Jahre lang kein Satellitenträger gestartet. Die Minotaur 1 ist eine "Baukasten-Rakete". Sie besteht aus der Erststufe M55A1 und der Zweitstufe SR19 der Interkontinentalrakete Minuteman II sowie der Orion 50 XL und der Orion 38 der Pegasus XL als Dritt- und Viertstufe (bei der Pegasus werden diese beiden Treibsätze als zweite und dritte Stufe verwendet). Wie bei der Pegasus kann auch bei der Minotaur 1 ein HAPS als fünfte Stufe zum Feintunen des Orbits eingesetzt werden. Die Nutzlastverkleidung der Minotaur und die Flugsteuerung stammen ebenfalls von der Pegasus XL.

Neun Minuten nach dem Start war der geplante Orbit erreicht: Perigäum 215 Kilometer, Apogäum 390 Kilometer, Inklination 48,2 Grad zum Äquator.

Der 495 Kilogramm schwere Satellit ist der insgesamt 25. Satellit, der von einer Minotaur 1 in den Orbit gebracht wurde. Es war gleichzeitig der 14. Flug einer Minotaur überhaupt. Sieben Missionen davon entfallen auf die Minotaur 1, die als Satellitenträger verwendet wird, sieben weitere Starts auf die Minotaur 2, die im Rahmen des Satellitenabwehrprogramms der amerikanischen Streitkräfte als Zieldarstellungs-Fluggerät eingesetzt wird, und dabei stets auf suborbitalen Bahnen fliegt. Und für exakt dieses Programm wird NFIRE ebenfalls eingesetzt. Die Hauptnutzlast des Satelliten ist die so genannte Track Sensor Payload. Diese soll aus dem Orbit mittels hochsensibler Detektoren zukünftige Minotaur 2-Flüge vom Weltall aus beobachten, die von der Luftwaffenbasis Vandenberg in Kalifornien aus starten. Die Primärmission von NFIRE besteht vor allem darin, Bilder dieser startenden Raketen aufzunehmen, um das das Problem der so genannten exhaust plume phenomenology und der plume-to-rocket body-Unterscheidung zu lösen.

Die Differenzierung zwischen der Rakete und ihrer heißen Abgasfahne ist eine der Hauptschwierigkeiten einer auf Infrarotsensoren basierenden Raketenabwehr, die ein Projektil noch in der Startphase abfangen soll. Wenn ein Abfangprojektil Schwierigkeiten hat, diese beiden Merkmale zu unterscheiden, kann das bedeuten, dass es die Triebwerksabgase ansteuert anstatt der eigentlichen Angriffsrakete. NFIRE wird noch weitere Ziele anpeilen, um den Sensor zu kalibrieren: Flugzeuge, Waldbrände, Vulkanausbrüche, und Tests von Raketentriebwerken auf Testständen am Boden. An Bord von NFIRE befindet sich außerdem ein deutsches Experiment, bei dem Laserkommunikation für militärische Anwendungen getestet werden soll.

NFIRE wurde von Spectrum Astro in Gilbert, Arizona, gebaut, die noch zwei weitere Satelliten des MDA in ihren Auftragsbüchern hat, die mit der Minotaur 1 zu starten sind. Jeder der Aufträge repräsentiert einen Wert von etwa 50 Millionen Euro ohne das Startfahrzeug, für das jeweils weitere 10 Millionen Euro zu veranschlagen sind.

Der nächste Einsatz einer Minotaur 1 von Wallops Island aus ist gegenwärtig für Dezember dieses Jahres terminiert.