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Die russische Proton-Trägerrakete ist in die Jahre gekommen. Ihre notorische Unzuverlässigkeit macht sie bei westlichen Kunden, die früher vor allem auch von ihrem niedrigen Startpreis beeindruckt waren, zusehends unbeliebter. Zu ihren besten Zeiten führte sie bis zu einem Dutzend Starts pro Jahr durch. Diese Zahl nahm in den letzten Jahren ständig ab. In diesem Jahr gibt es nur eine einzige Mission für diesen einstigen Standardträger, und die fand am 30. Juli statt. Insgesamt war dies die 110. Mission einer Proton M, die ihren Erstflug im April 2001 hatte und von denen nicht weniger als 12 als Misserfolg endeten.

Die Einsatz begann um 23:25 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startrampe 200/39 des russischen (aber in Kasachstan gelegenen) Raumfahrtzentrums Baikonur. In Moskau war es da bereits 0:25 Uhr am 31. Juli. Der Flug brachte der Proton M und vor allem ihrer Briz M-Oberstufe noch einmal einen Raumfahrtrekord, denn mit 18 Stunden und 16 Minuten war es die längste jemals durchgeführte Startmission.

An Bord der Rakete befanden sich zwei russische Inlandkommunikationssatelliten, nämlich Ekspress 80 und Ekspress 103. Diese beiden Raumfahrzeuge sind die Nummern 14 und 15 der Ekspress-Serie. Die erste Einheit dieser Reihe wurde im Jahre 2000 gestartet. Gebaut werden sie von Reschetnew, die Nutzlast stammt von Thales Alenia in Cannes und betrieben werden sie von RSCC (Russian Satellite Communication Company).

Nach einem Standardstart der Proton M, bei der die Briz-M Oberstufe mit den Satelliten (die sogenannte Orbitaleinheit) auf einer orbitnahen Suborbitalbahn abgeliefert wird, führte diese dann insgesamt fünf Brennmanöver durch, nach deren Abschluss ein supersynchroner Transferorbit erreicht war. 17 Stunden und 59 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe wurde zunächst Ekspress 80 freigegeben, 17 Minuten später gefolgt von Ekspress 103. Damit war es die nicht nur die längste Startmission einer Proton M Briz M überhaupt, sondern auch die längste Startmission weltweit. Die Batterien der Briz M können theoretisch Startvorgänge von bis zu 24 Stunden Dauer unterstützen.

Die beiden Raumfahrzeuge werden nun mit ihren elektrischen Triebwerken ihre Arbeitsposition ansteuern. Beide Satelliten sind annähernd baugleich und verfügen über 16 C-Band, 20 Ku-Band und einen, bzw. zwei L-Band Transponder. Ekspress 80 wird auf 80 Grad östlicher Länge stationiert und Ekspress 103 auf 96,5 Grad ost. Ekspress 80 verfügt über eine Startmasse von 2.110 Kilogramm, während Ekspress 103 beim Start 2.280 Kilogramm auf die Waage brachte.

Bild: Die Triebwerkssektion der ersten Stufe der Proton M; Credit: Roskosmos