MoonSciencefiction ist im Moment nicht das Genre der Wahl, wenn man einen Kassenschlager auf den Buch- oder Filmmarkt bringen will. Und was ins Kino kommt, kann man großteils getrost ignorieren. Umso erfreulicher, wenn doch auch mal ein Film über die Leinwand flimmert, der eigentlich mehr als eine Kinokarte wert ist.

Wer auch immer die Kritik "Der beste SF-Film seit Blade Runner" abgegeben hat, schätzt diesen Film wohl ebenso wie ich, aber trotzdem: nein, mit Blade Runner kann man "Moon" nicht vergleichen. Keine Action. Im Gegenteil, sehr ruhig. Trotzdem spannend. Gerade durch diese Ruhe. Die gut gewählte Musik tut ihr übriges: sie lässt hoffen, dass da noch was kommt, und es kommt noch was.

Die Story ist so einfach wie genial: der Astronaut Sam Bell verbringt mehrere Jahre auf dem Mond, um den Abbau von Helium 3 zu überwachen. Dummerweise ist die Verbindung zur Erde gleich zu Beginn seiner Schicht zusammengebrochen und bis kurz vor Ablauf des Vertrages und seiner Rückkehr zur Erde nicht repariert worden. Seine einzige Ansprache ist daher GERTY, ein Computer. Sam kann Nachrichten zur Erde schicken und erhält gelegentlich Botschaften von seiner Frau und seiner Tochter (über den Jupiter-Link). Die Zeit vertreibt er sich mit der Pflege seiner Pflanzen und dem Bau eines riesigen Modells seiner Heimatstadt.

Der Ort der Handlung ist eine Mondstation, die im Stil der 60er-Jahre daherkommt: glatte Plastikflächen, achteckige Durchgänge, abgerundete Paneele und Neonbeleuchtung. Diese Retro-Deko verleiht dem Film etwas Fremdartig-Vertrautes.

Schön an dem Film ist unter anderem, dass vieles von dem, was vorkommt, nicht erklärt, sondern vorausgesetzt wird. Für das Verständnis der Handlung sind diese Dinge irrelevant, man hat aber ein paar Momente der Genugtuung, wenn man Bescheid weiß.

Der Hinweis "Jupiter-Link" verrät gut informierten Besuchern zum Beispiel, dass das Signal eine stundenlange Laufzeit hat und direkte Kommunikation daher nicht möglich ist.

Verdächtig ist der Roboter GERTY, der mit der Stimme von Kevin Spacey spricht (yeah! Nomen est omen.) Gleich zu Beginn des Films schubst er den Astronauten, was erwarten lässt, dass sich die Geschichte vielleicht ähnlich entwickelt wie 2001: Odyssee im Weltraum oder Das schwarze Loch. Weit gefehlt. Offensichtlich hat nämlich Getry die drei Robotergesetze verinnerlicht. Erfrischend!

Oder Helium 3: wir wissen nicht genau, ob es nun verwertbare Mengen davon auf der Mondoberfläche gibt, und ob es in Fusionsreaktoren verwendet werden kann (unter anderem, weil wir nicht wissen, ob Fusionsreaktoren wirtschaftlich betrieben werden können), aber all diese Dinge werden derzeit erforscht und kann man daher für den Film getrost mal annehmen.

Die Hilfsflotte "Eliza" gibt ebenfalls Rätsel auf: der interessant gewählte Name lässt bis zum Schluss grübeln, ob nun wirklich Hilfe kommt oder nur etwas, das so aussehen soll als ob.

Wie auch immer: wenn man weiß, dass der Regisseur Duncan Jones der Sprössling von "Major Tom" David Bowie ist, darf man, wenn er so ein Thema wählt, durchaus etwas Hintergründigkeit erwarten. Und die hat er geliefert. Vielen Dank auch!

Nox